4x2
Dokumentar-
filmtage
2

 


     

 

20. – 23. November 2013

Top-Kino
Rahlgasse 1, 1060 Wien


 

Programm Überblick

 

Joerg Burger
Way of Passion
Mittwoch, 20. 11. – 19:00
+ Gespräch mit Isabella Reicher / Der Standard

Freitag, 22. 11. – 21:30

Nach dem schönen Erfolg der ersten Ausgabe von 4x2 im letzten Herbst gibt es in diesem Jahr eine weitere Auflage der Dokumentarfilmtage im Topkino.
Neuerlich kann man in 4 Tagen eine Reihe spannender heimischer dokumentarischer Arbeiten auf der Kinolein-
wand sehen. Das Programm setzt sich aus drei abend-
füllenden Filmen und einem thematischen Kurzfilmpro-
gramm zusammen, die im Laufe der vier Tage je zwei Mal gezeigt werden.
An jedem der vier Abende gibt es zwei unterschiedliche Programme zu sehen und die Vorstellung um 19 Uhr wird von moderierten Gesprächen mit den Filmemachern und Filmemacherinnen begleitet.
Die diesjährige Zusammenstellung steht thematisch deutlich im Zeichen des „Lokalen“, wobei sich dieses „Lokale“ nicht zwingender Weise auf eine österreichische Realität beziehen muss und auch nicht als ein Antagonis-
mus zum „Globalen“ verstanden sein will. Vielmehr geht es um ein komplexes Beziehungsgeflecht von Beobach-tungen und Studien, von Momentaufnahmen und Spurensuchen an ganz spezifischen Orten, die in einem Bedeutungs-zusammenhang zu einem größeren „Außen“ stehen. Dieses „Außen“ lässt sich dann verorten, wenn sich etwa Fragen von kultureller Praxis und Familien-tradition stellen wie in Way of Passion, wenn von Kriegsereignissen erzählt wird, die sich in Biografien eingeschrieben haben wie in der Arbeit von Selma Doborac, oder wenn in den Erzählungen von Protagonisten soziokulturelle Veränderungen in ländlichen oder urbanen Soziotopen zum Vorschein kommen wie es in Schusterhof, Spur oder Die Leute von Stiege 5 geschieht.
Umso deutlicher wird dieser Zusammenhang freilich, wenn sich in 1 + 8 eine geopolitische Spannungsregion kaleidos-
kopartig aus einer Aufnahmenserie von oft bloß Alltägli-
chem auffaltet.
Ganz unterschiedlich bringen sich dabei die Autoren und Autorinnen dieser Filme in ihre Arbeiten ein: über die visuelle Handschrift, biografische Motivation oder stille Neugier an den Ereignissen und ihren Protagonisten.
Zu dieser vielseitigen Auswahl aus dem breiten Spektrum des aktuellen österreichischen Dokumentarfilmschaffens laden wir Sie ganz herzlich ein! (Gerald Weber / sixpackfilm)

 

 


Viktoria Kaser
Schusterhof
Donnerstag 21. 11. 2013 — 19:00 + Gespräch mit Lukas Maurer / Filmarchiv+Oktoskop Samstag 23. 11. — 22:00


Spuren
Filme von Selma Doborac, Simon Spitzer, Krisztina Kerekes Donnerstag, 21. 11. 2013, 21:30
Freitag, 22. 11. 2013, 19:00 + Gespräch mit Wiktoria Pelzer / freie Kuratorin



Angelika Brudniak, Cynthia Madansky
1+8
Mittwoch, 20. 11. 2013, 21:30 Samstag, 21. 11. 2013, 19:00, + Gespräch mit Gülsen Bal / TU Wien

   
 

 

 


 

 

 

Programm Überblick

 

Mi. 20. Nov. 19:00
Fr. 22. Nov. 21:30

 

 

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Way of Passion

Man sagt, eine Prozession in Sizilien, das ist wie eine Beerdigung
im Zirkus. Und: dass die Anwesenheit der Kirche letztlich nur billig
in Kauf genommen wird, wie eine alte Tante, die man einladen muss, da sie sonst beleidigt wäre. (Joerg Burger)

Trapani in Sizilien. Seine Bewohner bereiten sich auf die seit 400 Jahren stattfindende Karfreitagsprozession vor. Sie lassen sich rasieren, restaurieren Holzstatuen oder besticken deren kostbare Gewänder. Diese werden später die Figurengruppen der 20 Altäre bilden, die den Leidensweg Jesu darstellen. In der Kirche herrscht reges Treiben, es putzen alle, die Männer proben den Ablauf und
das Tragen der immens schweren Altarbilder auf ihren Schultern.
In der Pause essen und rauchen sie, der Kirchenraum ist einfach Werkstatt und Probebühne für das große Spektakel. Endlich ist es soweit: Den kleinen Mädchen werden noch weiße Engelskostüme angelegt, die jungen Frauen defilieren als Bräute Christi. Die erste Associazione schultert ihren Altar und kommt aus der Kirche, die Blaskapelle beginnt mit dem Trauermarsch. Man kann sich nicht
satt sehen an den eng verschlungenen Trägern, die im immer gleichen Rhythmus ihre symbolträchtige Last durch die Stadt schaukeln. (Brigitta Burger-Utzer)

 

Joerg Burger
AT/IT 2011, 89 min, OmdtUT


 

Mittwoch:
Gespräch mit Isabella Reicher / Der Standard

 

Programm Überblick

 

Do. 21. Nov. 19:00
Sa. 23. Nov. 22:00

 


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Schusterhof

Eine Familien-Aufstellung für den Fotografen zu Beginn: der alte
Vater und die drei erwachsenen Söhne, im Eingang des gemeinsam bewohnten, ein wenig heruntergekommenen Hauses. Ein Bauernhof in Oberösterreich, neben der Dorfkirche gelegen, umgeben von Wiesen und Wäldern. Über die idyllischen Landschaftsbilder legt sich eine Stimme aus dem Off, die das Protokoll einer Gerichtsverhandlung verliest: Die Landwirtschaft und das Gasthaus der Familie Weinberger sind schon seit langem hoch verschuldet. Eine finanziell äußerst prekäre Lage für den Familienbetrieb. Und eine schwere Belastung für die Zukunft der Söhne.
Das Konfliktpotential dieser Gemengelage, Schuldfragen und Vorwürfe bleiben latent. Der Vier-Männer-Haushalt funktioniert.
Die Schweine werden gefüttert, das Getreide im Silo eingelagert, Brot gebacken. Man spricht nur wenig miteinander. Ein familiärer Diskurs stellt sich erst in der Montage des Films her. Als Enkelin des etwas verschrobenen Familienoberhaupts ins Geschehen involviert und bisweilen selbst vor der Kamera zu sehen, bringt die Filmemacherin die Beteiligten unaufdringlich zum Sprechen. (Birgit Kohler)

 

Viktoria Kaser
AT 2012, 79 min

 

Donnerstag:
Gespräch mit Lukas Maurer / Filmarchiv+Oktoskop

Programm Überblick

 

Do 11. Nov. 21:30
Sa 13. Nov. 19:00

 


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Spuren

Im Verhältnis zur Gesellschaft, in der er lebt, ist Helmut Weber,
der Protagonist von Krisztina Kerekes‘ Dokumentarfilmdebüt Spur, Erinnerungsmensch. Für den passionierten Sammler und Betreiber eines kleinen Altwarenladens samt Bioprodukten sind Spuren in
erster Linie Erinnerungen: an Gerüche der Kindheit wie den Sonntagsbraten der Großmutter oder den Weihrauch in der Kirche. Ganz und gar immateriell, künden sie vom Weiterleben des Vergangenen im Gegenwärtigen und tragen für Weber so zur Orientierung bei.
Den Spuren des Vergangenen folgt auch Selma Doborac, wenn
sich ihre literarische Erzählung von Kriegstraumata buchstäblich
in die von der Kamera erfassten Bilder bosnischer semiurbaner Landschaften „einschreibt“.
Und Simon Spitzer erkundet den Ort seiner Kindheit und Jugend,
eine klassische Wiener Gemeindebausiedlung außerhalb des Stadtzentrums, wo er die Bewohner und Bewohnerinnen „seiner“ Stiege 5 mit chronistischem Blick besucht und behutsam Moment-
aufnahmen eines vertrauten und zugleich fremden Soziotops einfängt.

 

Selma Doborac
Es war ein Tag wie jeder andere im Frühling oder Sommer.

AT 2012, 17 min

Simon Spitzer
Die Leute von Stiege 5

AT 2012, 22 min

Krisztina Kerekes
Spur,

AT/BiH 2012, 40 min

 

Freitag,:
Gespräch mit Wiktoria Pelzer/freie Kuratorin

 

Programm Überblick

 

Mi. 20. Nov. 21:30
Sa.23. Nov. 19:00

 

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1+8

Was an diesem Film als Erstes auffällt, ist seine bemerkenswerte formale Stringenz. Bereits der Titel lässt auf eine mathematische Form der Annäherung schließen, und tatsächlich folgen Cynthia Madansky und Angelika Brudniak in ihrem ersten langen Doku-
mentarfilm einer exakt geplanten Dramaturgie.
Bei ihrer Rundreise entlang der türkischen Grenze haben die
beiden Filmemacherinnen nicht nur türkische Grenzstädte zu allen acht Nachbarstaaten besucht, sondern auch deren jeweiliges Gegenüber: Es sind scheinbar unbedeutende Städte oder gar Bergdörfer in Anatolien, an der Schwarzmeerküste oder am Balkan, zwischen denen Grenzen verlaufen, die unmittelbar das Leben der Menschen bestimmen, sie trennen und dennoch als zusammen
gehörig erscheinen lassen. An jedem der insgesamt sechzehn Schauplätze zeigen die Filmemacherinnen aber nicht nur Alltag
und Arbeit der Menschen, sondern formen aus den zahlreichen Erzählungen, die ihnen im Lauf ihrer Reise zugetragen werden,
eine weitere, nicht minder spannende – eine Geschichte, die von
der Gegenwart erzählt. (Michael Pekler)

 

Angelika Brudniak, Cynthia Madansky
AT/TK/US 2012, 131 min, OmeUT

 

Samstag:
Gespräch mit Gülsen Bal
(in engl. Sprache) /
TU Wien + Open Systems

 

Top-Kino
Rahlgasse 1, 1060 Wien


208 30 00

www.topkino.at