THE
CLOSER LOOK

Kurzfilmprogramm

4. – 17. Oktober 2002, 20:30 und 22:00 Uhr
im
Stadtkino Wien
1030 Wien, Schwarzenbergplatz 7-8, Tel.: 712 62 76

Information: Sixpack Film
Tel.: 526 09 90-0

 

 

 

Trinity

 

Bill Morrison
USA 2001, 35mm, sw, 12 Min.

Ein Kurzfilm in drei Teilen (Erinnerung – Sünde – Sehnsucht), der sowohl den Sehapparat als auch unsere Schaulust analysiert. Erotische Filme aus der frühen Zeit des Kinos illustrieren, in welchem Ausmaß der Voyeurismus dem Filmemachen quasi als natürliches Motiv zugrunde liegt.


 

L’Arrivée

 

Peter Tscherkassky
A 1998, 35mm CinemaScope, sw, 2 Min.

L’Arrivée findet in seine Erzählung, wie die Nadel eines Plattenspielers in die Rille, bzw. der Film muß seine Bahn auf den Schienen der Perforation erst finden. Auf diesen fährt ein Zug in eine Station ein, wo er in einer handfrakturierten Katastrophe mit einem zweiten Zug kollidiert. Diese wird nicht einfach abgebildet, sondern "verfilmt" als Materialschlacht. Sie bildet aber nicht das Ende, sondern den Übergang zum Kuß, zum Happy-End. L’Arrivée führt vor Augen, wo das Kino beginnt: Mit dem Spektakulären, und wo es endet: Mit dem Intimen ...
(Bert Rebhandl)



 

Outer Space

 

Peter Tscherkassky
A 1999, 35mm CinemaScope, sw, 10 Min.

Aus dem Off, dem outer space, dringt Wesensfremdes in die Bilder, und die Montage wird darüber panisch. Die Außengrenzen des Filmbildes, die leere Perforation und die Skelette der Lichttonspur, proben die Invasion: Sie durchlöchern die ohnehin unterminierte action des Films, das Kino zerreißt sich selbst, getrieben von der Aussicht auf eine letzte Ekstase. Glaswände bersten, Möbel kippen; Tscherkassky bedrängt seine Heldin, treibt sie zum Äußersten: Immer wieder, so scheint es, schlägt sie gegen die Kinomaschine, bis die Bilder zu stottern beginnen, aus der Fassung geraten. Outer Space, ein Schocker filmischer Fehlfunktionen, ein hellraiser des Avantgarde-Kinos, beschwört ein Inferno herauf, das seine Vernichtung (der Erzählung, der Illusion) mit ungeahnter Schönheit betreibt.
(Stefan Grissemann)



 

Dream Work

 

Peter Tscherkassky
A 2001, 35mm CinemaScope, sw, 11 Min.

Eine Frau legt sich schlafen und beginnt zu träumen. Der Horrorfilm The Entity liefert die materielle Grundlage für furiose Bildarrangements, die eine tickende, knarzende Soundcollage begleitet. In komplizierten Mehrfachüberlagerungen wird die ganze Fläche der Leinwand bespielt, als Traumbilder kehren diesmal mysteriöse Attacken auf eine junge Frau wieder, und gegen Ende wird der Filmstreifen selbst gewissermaßen von diesem Sog erfaßt, dreht und windet sich in einem spiralförmigen Tanz. (Isabella Reicher)



 

Real Time

 

Siegfried Fruhauf
A 2002, 35mm, Farbe, 4 Min.

Wie lange dauert es, bis die Sonne hinter dem Horizont hervorgekrochen ist? Begleitet von einer spannungsgeladenen und euphorischen Soundspur, lässt Siegfried Fruhauf die Scheibe des Feuerballs langsam aus dem unteren Bildrand wachsen, bis der ganze Kreis zu sehen ist – in Echtzeit. Das Ergebnis ist nicht so sehr eine Naturstudie, sondern eine Reflexion über die Zeit, das Kino und unsere Wahrnehmungsmuster. Die Inszenierung des Alltäglichen als Essenz der Kinematografie. (Andrea Pollach)



 

The Heart of the World

 

Guy Maddin
CAN 2000, 35mm, sw, 7 Min.

Explodiert auf der Leinwand wie ein nitratgetränkter Feuerwerkskörper! (Kristin M. Jones, Filmcomment)

Alle seine Spielfilme haben einen sichtbaren oder hörbaren Bezug zu den Texturen und Rhythmen der späten Stummfilme und frühen Tonfilme, und The Heart of the World stellt diese Faszination unverhohlen zur Schau. Aber ein genauer Blick auf The Heart of the World offenbart, dass es nicht so sehr um das Heraufbeschwören jener Schwarz-Weiss-Filme geht, als um die Erfahrung, sie heute zu sehen als zerkratzte, überaltete und nervös hüpfende Filmkopien, die aussehen und klingen, als wären sie gefiltert durch Schichten von Gaze, sich ruckartig vorwärts bewegend und dabei einige Kader überspingend. „Schauen" dürfte der treibende Begriff sein, wenn man an die Anfangsszene denkt, die sich in Variationen wiederholt: ein einzelnes Auge, das auf uns blickt. (Jonathan Rosenbaum)

 


 

notes on film 01 else

 

Norbert Pfaffenbichler
A 2002, 35mm, sw, 6 Min.

Ein Gesicht in fünf Bildern, schwarzweiß und in Klammern gesetzt: notes on film 01 else berichtet von den Suchtstoffen des Kinos, von Blick und Bewegung, von Material und Montage und dem Rätsel eines Gesichts. Als Name genommen, kann „else" für die junge Darstellerin stehen, die einem da aus den fünf kleinen Bildfeldern des split screen entgegenblickt: Objekt und Subjekt der Schaulust zugleich. Es scheint, als fänden Filmprobeaufnahmen statt: inszenierte Casting-Testbilder, von mehreren Seiten betrachtet, „kubistisch" arrangiert. Die Frau vor der Kamera bewegt sich, dreht sich, posiert, spielt mit der Kamera, mit Verweigerung und Hingabe, zaghafter Öffnung und jähem Rückzug. Die orchestrale Musik gibt sich als synthetisch zu erkennen, als Serie von Zitaten zwischen episch aufbrandendem Kitsch und modernistischer Fragilität. (Stefan Grissemann)


 

Moscouw

 

Joerg Burger
A 2001, 35mm, Farbe & sw, 20 Min.

Burger begegnet der öffentlichkeitsscheuen Photographin Michaela Moscouw in einem intimen Gespräch, das aufzuzeichnen ihm jedoch (bloß) mit einem Tonband erlaubt war.
Moscouw ist das Porträt einer anwesenden Abwesenden. Ihr frei assoziierendes Fabulieren über das eigene Schaffen legt gleichsam die Fährte durch eine Flut fotografischer Selbstporträts, die Moscouw in verschiedensten Posen, Verkleidungen, Metamorphosen zeigen, zu Hause und an öffentlichen Orten. (Dominik Kamalzadeh)