Liebe ist was anderes

 

Kurzfilmprogramm

4. – 17. Juli 2003, 21.00 Uhr
Votivkino

 

 

Die Filme

   

 

 

 

 

Yoake – a chewing gum story
(Roland Zumbühl)

 


Fast Film (Virgil Widrich)


Eine tour de force durchs Hollywoodkino, von seinen Anfängen bis zur Gegenwart. 300 Werke der Filmgeschichte, 65.000 Papierausdrucke von Einzelbildern und abertausend gefaltete Papierobjekte umfasst der neue, technisch furiose Film von Virgil Widrich, der gerade in Cannes seine internationale Premiere feierte. Während in Fast Film jeder einzelne Kader mit mehreren Bildebenen unterlegt ist und implizit die Schaulust des Kinos gefeiert wird, stellen die Filme von Roland Zumbühl, Sigmund Steiner, Maike Höhne und Marie Kreutzer einen vielschichtigen atmosphärischen Grundton in den Vordergrund. YOAKE - a chewing gum story – letztjähriger Beitrag im offiziellen Wettbewerb von Cannes – erzählt von einem Geschäftsmann aus Japan, der in Wien auf seine Jugendbekannte trifft, die hier Musik studiert. Fast beiläufig greift Zumbühl unterschiedliche kulturelle Codes auf und verschränkt sie mit vordergründig Bedeutungslosem: der Geschmack eines Kaugummis oder eine einfache Begrüßungsgeste. Ein überzeugender Kurzfilm über das immer wieder wechselnde Gefühl der Zugehörigkeit und des Fremdseins.
Ähnliches, jedoch im familiären Kreis, behandelt auch firn. Bernd, der in der Stadt Malerei studiert, besucht seinen Vater und seinen Bruder auf dem Bauernhof, den die beiden gemeinsam betreiben. Auch hier spielt die Unzulänglichkeit der Kommunikation eine wesentliche Rolle. Auf die Frage "Wos mocht des Mal´n?" kommt nur ein verkürztes, aber vielsagendes "Eh". Obwohl diese unterschiedlichen Lebensformen über das Gefühl der Distanz vermittelt werden, verweilen sie nicht im Klischee, sondern nähern sich sensibel an. Eine (fast) vollkommene Entleerung der Sprache vollzieht Von der Hingabe. Kommuniziert wird über Blicke, Schweigen und den Körper. Parallel zur expliziten, unpeinlichen Darstellung des Sexualaktes werden präzise eingefangene, meist zärtliche Gesten montiert, die leichtfüßig in unterschiedliche Räume übergehen.
Un peu beaucoup fokussiert auf das Innenleben der sechzehnjährigen Melanie – grossartig gespielt von Pauline Reiner – die sich in den Schwarm ihrer älteren Schwester verliebt und schwanger wird. Erzählt wird diese Geschichte vorwiegend über Auslassungen und Andeutungen. Entstanden ist ein feinsinnig inszenierter Kurzspielfilm, der eine dichte zeitlose Stimmung schafft, die im zeitgenössischen Kino ihresgleichen sucht.

Dietmar Schwärzler

 

 

 

 



 

 

Fast Film


 

 

 

 


Österreichpremiere !

A/Lux 2003, 35mm, Farbe, 14 min. Regie/Drehbuch/Schnitt: Virgil Widrich, Kamera: Martin Putz, Animation Supervision: Walter Rafelsberger, Markus Loder-Taucher, Sounddesign: Frédéric Fichefet.


Eine Frau wird entführt, der Mann setzt zu ihrer Rettung an. Hinter diesem klassischen Plot steckt eine Hommage an das Hollywoodkino von ihren stummen Anfängen bis in die Gegenwart. Aus 300 verschiedenen Filmen wurden 65.000 Einzelbilder ausgedruckt, zu Papierobjekten gefaltet, dann zu komplexen Tableaus zusammengesetzt und zu neuem Leben erweckt.


 

 

 

Yoake – a chewing gum story


 

 

 

 


A 2002, 35mm, Farbe, 14 min. Regie/Drehbuch: Roland Zumbühl, Kamera: Leena Koppe. Mit: Yoshie Maruoka, Gen Seto.


Yoake handelt von der menschlichen Wahrnehmung. In diesem Fall genauer: von den Grenzen ihrer Mitteilbarkeit. Und so kommt es, dass jene Mann-Frau-Begegnung, die im Zentrum des Films steht, nur flüchtig bleibt. (Maya McKechneay)


 

 

 

firn


 

 

 

 


A 2003, 35mm, Farbe, 12 min. Regie: Sigmund Steiner, Drehbuch: Babzy Grascher/Sigmund Steiner, Kamera: Niko Mayr. Mit: Alois Frank, Tom Hanslmaier, Daniel Keberle.


firn beschäftigt sich mit dem Druck des bäuerlichen ‚Generationserbes‘. Hannes bleibt am Hof, Bernd flüchtet in die Stadt, beide handeln nicht autonom, sondern fremdbestimmt. Bernd will eingreifen, wo er glaubt, dass Tradition sich über das persönliche Wohl eines Einzelnen stellt und vergisst dabei, dass er selbst Teil dieses Systems ist. (Sigmund Steiner)


 

 

 

Von der Hingabe


 

 

 

 


D 2002, 35mm, Farbe, 12 min. Regie/Drehbuch: Maike Höhne, Kamera: Christine A. Maier. Mit: Ann Brüchert, Nikolaus Hof.


Ist es ein altes Paar, eine sexuelle Affäre oder einfach ein One-night-stand, aus dem dann doch mehr wird? Ein intimer Einblick in das Liebesleben zweier Menschen, die dabei sind, ihre Gefühle zu klären.


 

 

 

Un peu beaucoup


 

 

 

 


A 2003, 35mm, Farbe, 34 min. Regie/Drehbuch: Marie Kreutzer, Kamera: Dani Purer, Schnitt: Ulrike Kofler. Mit: Pauline Reiner, Oliver Rosskopf, Barbara Braun, Helma Gautier.


Melanie trifft sich im geheimen mit Georg, dem Schwarm ihrer Schwester. Die beiden kommen sich näher, doch alles ändert sich, als Melanie schwanger wird. Georg verschwindet so plötzlich, wie er gekommen ist und lässt sie zurück mit einem Kind, zu dem sie keine Nähe empfindet, bis ihr alles ‚ein bisschen zu viel‚ wird und sie ihre Wut und Enttäuschung zu einem drastischen Schritt veranlassen. (Aki Beckmann)


 

 

 

 

 


Votivkino
1090 Wien, Währinger Str. 12
Kartenreservierungen: 01 317 35 71

www.votivkino.at/