In Person
Józef Robakowski

 

Mittwoch 26. & Donnerstag 27. April 2006
jeweils um 21.00 Uhr im Filmmuseum
(in Zusammenarbeit mit filmmuseum und WRO,
Center For Media Art, Wroclaw, Poland)

Österreichisches Filmmuseum, Augustinerstraße 1, 1010 Wien
Karten: 01 - 533 70 54, www.filmmuseum.at



 

Programme  1 2


 

Józef Robakowski wurde 1939 in Poznan geboren. Er studierte an der Kopernikus-Universität in Torun Kunstgeschichte und besuchte später die staatliche Filmhochschule in Lodz. In den 1960er Jahren begann er als Fotograf und Filmemacher (35mm- und 16mm-Format) und gehörte zur ersten Generation polnischer Künstler, die mit Video arbeiteten. Ab 1974 entstanden eigene Videoproduktionen, auch hier hauptsächlich Kurz- und Kürzestfilme. Robakowski war Mitbegründer von bekannten avantgardistischen Künstlergruppierungen, wie Zero-61 und Film Form Workshop. Die filmischen Arbeiten waren von Anfang an geprägt von der Auseinandersetzung mit dem Konstruktivismus der polnischen Vorkriegsavantgarde der 1920er und 1930er Jahre, für den Rationalismus, Materialexperiment und Ökonomie des Ausdrucks zentral waren. Zu diesen kunsthistorischen Ansätzen, die die Basis von Robakowskis künstlerischer Produktion bildeten, kamen konzeptuelle Tendenzen in den 1970er Jahren, in denen die Struktur des Mediums Film (aber auch Fotografie und andere) und dessen Analyse im Vordergrund standen. Mit der geforderten Befreiung vom Illusionismus, der Proklamation von Unabhängigkeit der künstlerischen Form, losgelöst von ästhetischen Konventionen und ohne Konzessionen gegenüber einem Publikumsgeschmack, wurde ein künstlerisches Autonomiekonzept vertreten, das stark an eine gesellschaftliche Mission der Avantgardekunst gebunden war. Robakowskis formal autonome Arbeiten haben ihrem Autor jedoch auch den Vorwurf des Apolitischen eingetragen; heute allerdings erkennt man gerade in jenen betont ästhetisierten Arbeiten wie From my Window eine Reflexion über das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, das zu einem besseren Verständnis des Politischen beiträgt.

„INDIVIDUELLES KINO entsteht, wenn alles falsch läuft. (...) Es macht sich frei von Moden und ästhetischen Regeln, sowie von etablierten Sprachcodes und nähert sich so dem Leben des Filmemachers an. Man könnte sagen, dass es zu seiner Liebe und Leidenschaft wird, zugleich jedoch – sehr oft – zu seinen verzerrten Betrachtungen. Filmen wir ALLES, und es wird sich herausstellen, dass wir auf ewig nur auf der Leinwand existieren (...).“ (Józef Robakowski, Personal Cinema, in: www.robakowski.net)

(...) (Selbst-)Ironie, inhaltliche Distanznahme und der Außenwelt abgerungene Absurditäten sind dabei im Werk von Józef Robakowski mehr als bloße Stilmittel. Vielmehr bilden sie eine wesentliche Strategie in seiner Arbeit, die das gängige Bild vom Avantgardekünstler aus westlicher Sicht – als todernste Figur, der über dem Katechismus seiner Konzepte brütet, konterkarieren. Es klingt hier eine grundsätzlich ironische Haltung an, die von Michail Lifsic, dem sowjetischen Theoretiker und Apologeten des sozialistischen Realismus (bei aller Divergenz zur Position Robakowskis) mit der Formulierung bedacht wurde: Lächeln, auch wenn man eigentlich schon tot ist. (...)

(Patricia Grzonka)

 

 



 

 

Programme  1 2

 

 

 

Józef Robakowski 1

26. 4. 21.00 Uhr
(anschließend Gespräch mit dem Künstler)

 

 

Manifest energetyczny! (The Energy Manifesto!)

 

PL 2003, DVD, F, 2 min

Ein ausdrucksstarker Aufschrei des Autors des Manifestes, während sein Kopf aus dem Wasser auftaucht: Ich möchte euch allen sagen, dass Kunst Energie ist!

 

Test I

 

PL 1971, 35mm, s/w, 2 min

Dieser Film wurde ohne Kamera gemacht. Die in unterschiedlichen Abständen aus dem Film ausgeschnittenen Löcher gestalten den Rhythmus des Lichtflusses, der vom Kinoprojektor ausgeht und auf die Leinwand geworfen wird, wobei ein Nachbild-Effekt entsteht. Die Intensität der Lichtenergie wird durch die in das Filmband eingekratzten Tonpunkte gesteigert.

 

Próba (Test II) (An Attempt, Test II)

 

PL 1971, 35mm, F, 2 min

Eine klassische Orgelkomposition von Johann Sebastian Bach vermag ein durchsichtiges rotes Band zeitlich „ auszudehnen”. Eine Untersuchung des musikalischen Gedächtnisses.

 

Videocaluski (Video Kisses)

 

PL 1992, DVD, F, 3 min

Die Gleichsetzung der organisch entstehenden Tonspur mit dem Videobild.

 

Impulsatory (Impulsators)

 

PL 1998, DVD, s/w, 3 min

Eine Arbeit aus dem Zyklus "Impulsatoren", welcher 1971 mit dem Film Test I begonnen wurde. Ein fluktierendes Lichtbild wurde mit Musik von Leszek Knaflewski vertont. In Folge dessen kommt es zu synchronen und asynchronen audiovisuellen Effekten, die vom Autor nicht ganz kontrolliert werden.

 

Uwaga: Swiatlo! (Attention: LIGHT!)

 

gem. mit Wieslaw Michalak
PL 2004, DVD, F, 5 min

Das Video ist ein Remake eines 1981 von Paul Sharits in Robakowskis Wohnung gedrehten Filmes, der verlorenging, ohne entwickelt zu werden. „Unter dem Einfluss einer Chopin-Schallplatte, die ich in voller Lautstärke abgespielt habe, hat er [meine] Kamera gegriffen, schlurfte zum Balkon und fing an, die Kamera schwungvoll im Takt der dröhnenden Mazurkas zu schwingen.” (J. R.)
Ein paar Jahre nach diesem Vorfall schickte Sharits eine detaillierte Anweisung zur Ausführung dieses Werkes, das Robakowski erst 2004, 11 Jahre nach Sharits Tod, im digitalen Format realisierte.

 

Taniec z drzewami (Dance With Trees)

 

PL 1985, DVD, F, 3 min

Spontane Aufzeichnung eines Tanzes, den der Autor zwischen den Bäumen mit einer „vom Auge getrennten” Kamera vorführte. Das gefühlvolle Wesen dieser visuellen Aufzeichnung wird durch den melodischen Ton verstärkt.

 

Sztuka to potega! (Art Is Power)

 

PL 1985, DVD, s/w, 9 min

Persönliche Aufzeichnung der Feier anlässlich des 89. Jahrestages der Oktoberrevolution, die vom polnischen Fernsehen aus Moskau live gesendet worden ist. Die schöpferische Herangehensweise an die wirklichen Ereignisse wurde zusätzlich verstärkt durch die Verwendung von Musik der Gruppe Laibach, die einen Kontrapunkt bildet.

 

Z mojego okna (From My Window)

 

PL 1978-2000, DVD, s/w, 19 min

Ich arbeitete an diesem Film seit 1978, als ich eine Wohnung im sogenannten Manhattan im Zentrum Lodzs bezog. Von Zeit zu Zeit „sah” ich von meinem Küchenfenster aus mit einer Film- oder Videokamera auf einen riesigen Platz, welcher die Heldenrolle meines „Notizbuches” einnahm. Ich hielt alle Veränderungen und diverse soziale sowie politsche Events fest, die auf diesem Platz stattfanden. Ich war auch am alltäglichen Leben der Leute interessiert, die etwas mit dem Platz zu tun hatten. Heute vor 20 Jahren habe ich die ersten Frames für diesen Film gemacht. Die im Film verstrichene Zeit wurde zum Protagonisten meines Projektes. 1998 entschieden die Stadträte, ein ausländisches Hotel auf unserem schönen Platz zu errichten. Sein Bau ist derzeit im Gange. Von da an war der Blick aus meinem Fenster von der Hotelwand verstellt. 1999 entschied ich mich, diese Filmchronik zu beenden... (J. R.)



 

 

 

Programme  1 2

 

 

 

Józef Robakowski 2

27. 4. 21.00 Uhr
(anschließend Gespräch mit dem Künstler)

 

 

Manifest energetyczny! (The Energy Manifesto!)

 

PL 2003, DVD, F, 2 min

 

 

Party z Lutoslawskim - III Symfonia
(Party with Lutoslawski)

 

PL 1989/92, DVD, s/w, 27min

Die dritte Symphonie von Witold Lutoslawski diente als Tonspur zur Videoaufzeichnung einer von der Künstlergruppe "Lodz Kaliska" veranstalteten Sauforgie. Dies war ein kritischer Moment der alternativen Szene in Lodz. Nostalgie und unmäßiger Alkoholgenuss wurden in dieser Arbeit zynisch mit pompöser Musik des hervorragenden polnischen Komponisten kombiniert.

 

Ide… (I am Going...)

 

PL 1973, 35mm, s/w, 3 min

Eine Film-Performance, die auf dem Fallschirmspringerübungsturm in Lodz realisiert wurde. Eine Zusammensetzung von kalten, objektiven Bildern mit dem heißen (biologischen) Ton. Ein aus einer einzigen Aufnahme bestehender Film, was ein charakteristisches Merkmal für viele Arbeiten Robakowskis ist.

 

Blizej - dalej (Nearer - Further)

 

PL 1985, DVD, F, 4 min

Ein Video, in dem die Erfahrungen der Werkstatt der Filmform aus Lodz fortgeführt werden. Eine Bloßstellung der medialen Natur einer Videokamera, die Nutzung ihrer Ohnmacht während der Gestaltung und der Aufzeichnung von Lichterscheinungen.

 

La - Lu

 

PL 1985, DVD, F, 2 min

Eine Schaukel zwingt ihren – vom Kommentator unabhängigen – Rhythmus auf, sie bildet die Partitur für den Gesang des Autors.

 

O Palcach (About My Fingers)

 

PL 1981, 16mm, s/w, 6 min

Eine Art Kleinbiographie des Künstlers. Die absurde, für die Kamera vorgeführte Szene wird zum Mini-Theater, zu einer Videoperformance. Diese Lieblingsform des Künstlers wendet er in vielen seiner Arbeiten an.

 

Akustyczne jablko (Acoustic Apple)

 

PL 1994, DVD, F, 4 min

Diese einfache „performance to the camera“ legt die Kraft der speziell vorbereiteten Tonspur frei, welche ein simples Bild begleitet: einen Apfel schälenden Autor.

 

Moje videomasochizmy II (My Videomasochisms)

 

PL 1989, DVD, F, 4 min

Eine simple Videoperformance, die die sogenannten „Fleischer der Kunst” – ein paar polnische Performer – verspottet, die ihre Körper während der Performances malträtierten.

 

Bylem chlopcem w Nowym Jorku (I was a Boy in New York)

 

PL 1989, DVD, F, 4 min

Eine ironische Reaktion, die vom Künstler in Form einer kurzen Videoszene während seines Aufenthaltes in New York 1989 realisiert wurde.

 

Rynek (The Market)

 

PL 1970, 35mm, s/w, 5 min

Eine Animation der Wirklichkeit im öffentlichen Raum und zugleich der erste Film, der im Rahmen der Werkstatt der Filmform entstanden ist. Mit einer am so genannten „Roten Marktplatz” in Lodz feststehenden Kamera machte der Filmemacher von 7 Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags alle 5 Sekunden zwei Bilder. Dadurch erreichte er auf mechanischem Wege eine filmische Verdichtung der wirklichen Zeit.


 

Texte:
Józef Robakowski, Piotr Krajewski
Übersetzung aus dem Polnischen:
Agnieszka Kubicka-Dzieduszycka
Redaktion und Moderation:
Brigitta Burger-Utzer
Übersetzer von Józef Robakowski im filmmuseum:
Dariusz Kowalski