In Person
Nathaniel Dorsky

 

Mittwoch, 27. und Donnerstag 28. September 2006,
jeweils um 21.00 Uhr im Filmmuseum
In Zusammenarbeit mit filmmuseum

Österreichisches Filmmuseum, Augustinerstraße 1, 1010 Wien
Karten: 01 - 533 70 54, www.filmmuseum.at



 

Programme  1 2

Threnody

The Visitation


 

Nathaniel Dorsky, 1943 geboren, lebt und arbeitet in San Francisco. In den USA gilt er gilt als einer der großen Avantgardefilmkünstler, hierzulande ist sein Werk aber noch kaum bekannt.

Bereits 1964 stellte Dorsky seine ersten Filme im Stil des Psychodramas vor, die ihm die Türen für seinen pay job als Kameramann und Cutter kommerzieller Filme öffneten. Doch das narrative Element gab er bald auf - zugunsten eines intensiven Blicks auf die alltäglichen Ereignisse und Erscheinungen von Stadt und Natur, die er zu starken visuellen Erfahrungen transformiert. An seinen Vorbildern John Ford, Yazujiro Ozu und Roberto Rossellini schätzt er ganz besonders den Einsatz des Lichts. Um dieses in seinen vielfältigen Variationen auf der Leinwand zum Wirken zu bringen, verwendet Dorsky nach wie vor eine 16mm-Bolex-Kamera, Stille und eine reduzierte Vorführgeschwindigkeit von 18 Kadern pro Sekunde, die ein leichtes Flackern zur Folge hat. Mit seinen bestechenden Bildkompositionen, die manchmal an fotografische Stillleben erinnern, reiht er sich in die Tradition eines Peter Hutton oder Larry Gottheim ein.

In seinem Essay Devotional Cinema (2003) beschreibt Dorsky Aspekte des Kinos und der eigenen Filmkunst: Die Materialität des Kinos gilt ihm als perfekte Metapher für die ?Materialität einer Vision" - ?We rest in the darkness and experience vision". Diese Unmittelbarkeit der visuellen Erfahrung gilt es für ihn zu erreichen - auch als eine Öffnung zur Welterfahrung, die nicht auf verbale Codes und Analysen reduziert werden kann. Dorskys Kino erzeugt einen nahezu meditativen Raum, in dem neben der Schönheit immer auch Einsamkeit und Vergänglichkeit mitschwingen.

( Brigitta Burger-Utzer )

 

 



 

 

Programme  1 2

 

 

 

Nathaniel Dorsky 1

27. September, 21 Uhr
(anschließend Gespräch mit dem Künstler)

 

 

ARBOR VITAE

 

USA 1999, 16mm, 18fps, col, 28 min, stumm

Auch Arbor Vitae besteht aus Momenten, die sorgfältig aus scheinbar alltäglichen Erfahrungen gewonnen werden. Dorsky erklärt, die Montage sei motiviert von dem Versuch, die ?Gegenwärtigkeit" der von ihm ausgewählten Bilder auszudrücken: Gesichter von Menschen, die sanft beleuchtet werden, bevor diese vom Randstein heruntersteigen, um die Straße zu überqueren, Licht das durch ein Dachfenster fällt oder am Wasser tanzt oder etwa Zweige im Wind ergänzen sich zu einer Suche nach dem Unbeschreibbaren, der essenziellen Wahrheit dessen, was man mit Film nicht einfangen kann. (Bryan Fryre)

 

ALAYA

 

USA 1976-87, 16mm, 18fps, col, 28 min, stumm

Für mich ist Alaya der außergewöhnlichste Film von Dorsky, wo er sich auf das Sujet Sand beschränkt: Close-Ups von Dünen im Wind, Kaskaden von Mustern in der Wüste, braune Bewegung im grünlichen Schatten. Durchgängig spielt der Filmemacher mit der Oberfläche, das Filmkorn ist bisweilen mit dem Sand identisch. Dies ist ein Film mit Billionen von Darstellern: eine Meditation des Unendlichen, das erstaunlicherweise zwischen Überfluss und Leere oszilliert. (Jim Hoberman)

 

VARIATIONS

 

USA 1992-98, 16mm, 18fps, col, 24 min, stumm

Variations entstand nach und nach, während ich zusätzliches Material für Triste drehte. Welch zärtliches Chaos, welchen Strom leuchtender Rhythmen würde das Kino enthüllen, ungestört von der Welt des Tageslichts? Während der Bronzezeit wurden verschiedene Heiligtümer für heilende Zwecke gebaut. Eine der wichtigsten Aktivitäten war heilender Schlaf. Meine Montage bezieht sich auf diese Tradition. (N. D.)



 

 

 

Programme  1 2

 

 

 

Nathaniel Dorsky 2

28. September, 21 Uhr
(anschließend Gespräch mit dem Künstler)

 

 

THRENODY

 

USA 2003/04, 16mm, 18fps, col, 20 min, stumm

 

 

SONG AND SOLITUDE

 

USA 2005/06, 16mm, 18fps, col, 21 min, stumm

 

 

THE VISITATION

 

USA 2002, 16mm, 18fps, col, 18 min, stumm

Die Filme dieses Programms bezeichnet Nathaniel Dorsky als ?Devotional Songs" und der jüngste dieser Art wird in Wien Weltpremiere feiern. Threnody ist im Andenken an Stan Brakhage nach seinem Tod entstanden, aber die Stimmung ist keine traurige. Vielmehr scheint das Licht hier über die Objekte zu tanzen, die Erzählung beschränkt sich auf Schattenmuster und die vielfältigen Transformationen durch das Licht. Bisweilen glüht die Leinwand im Abendrot, dann wieder lässt das Zwielicht kaum Konkretes erkennen. Nicht die Information, die die Bilder transportieren ist wichtig, sondern die mitunter ergreifende Schönheit simpler Ereignisse und Beobachtungen.
Zeitstudien eines Sonnenuntergangs, ein Spinnennetz oder ein Blütenblatt in Nahaufnahme erinnern manchmal an Disney-Naturfilme, aber wann hat man schon die Gelegenheit, solche Details im Kino zu bestaunen. (bbu)


 


   
 

 

 


 

 


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