In Person
Lis Rhodes

 

Mittwoch 27. und Donnerstag 28. Mai 2009
jeweils um 21 Uhr im Österreichischen Filmmuseum

Augustinerstraße 1, 1010 Wien
Karten: 01 - 533 70 54



 

Filmprogramme  1 2

 

 



Light Music
Dresden Dynamo

 

 


Lis Rhodes ist eine der zentralen Künstlerinnen im britischen experimentellen Film seit den frühen 1970er-Jahren und wurde trotzdem hierzulande bisher mit nur wenigen Arbeiten vorgestellt. Sie war Cinema Curator bei den London Filmmakers’ Co-op, 1979 auch Mitbegründerin von Circles, des ersten Verleihs von Filmen und Videos von Frauen, der sich später Cinenova nannte. Dieses Engagement für die Repräsentanz von Frauen in der Kunstwelt spiegelt sich in ihrer institutionellen Arbeit, in ihren Essays und einigen ihrer Filme wieder. Sie lebt und arbeitet in London und lehrte bis vor kurzem an der Slade School of Fine Art.
Rhodes begann mit "puren", abstrakten Filmen wie Dresden Dynamo (1971/74, heute ein Klassiker), die durch die gleichwertige Verwendung akustischer und optischer Elemente in der Tradition der synästhetischen Ereignisse stehen. Ein Höhepunkt ihrer Präsentationen im Filmmuseum ist die Aufführung der legendären Expanded Cinema-Doppelprojektion Light Music - ein dynamisches Licht- und Sound-Environment, in dem die Tonspur optisch vom Bild erschaffen wird. Um die Wirkung zu verstärken, wird der Raum mit einer Rauchmaschine vernebelt. Ab 1978 bewegen sich die Filme und Videos Lis Rhodes’ weg von rein formalistischen Fragestellungen hin zur Untersuchung komplexer historischer, sozialer und politischer Prozesse. Sie handeln von Vertreibung (einst und heute), der Abschottung Europas vor Flüchtlingen, der Invasion des Irak, von Gewalt gegen Frauen oder der Klassifizierung weiblicher Identität. Dennoch bleibt ihr Interesse am Filmemachen ein ästhetisches und kein primär gesellschaftspolitisch zielgerichtetes.

In diesen späteren Arbeiten findet Lis Rhodes zu einer einzigartigen Verknüpfung von Fotografie, Super-8- und 16mm-Film, Video, Abstraktion, Positiv und Negativ, Zeichnung, Schrift und literarischer Sprache, die um die Unmöglichkeit der eindeutigen Benennung von "Wirklichkeit" und „Geschichte“ weiß. Durch die Schichtung dieser Ebenen entstehen dreidimensionale Bildräume, die den poetisch-politischen Texten entsprechen. (bbu)

 

„Dem Erzählen und Nacherzählen - ob durch eine Person oder eine ‘Autorität’ - geht immer ein Probedurchgang voran, eine Auswahl von Fakten und Erinnerungen. Etwas wird geschehen. Tragödie, Komödie und Nostalgie, die Theatralik der Erinnerung färben den Abruf und das Wiedererzählen. Jemand wird es unweigerlich zusammenfassen und redigieren. Regisseure sind besonders darin geschult, Jahre auf Minuten zu reduzieren, Handlungen auf Sekunden und Fiktion auf Fakten. Nachdem meine Filme genauso verbal wie visuell sind, kann man die Texte selbst als Darstellung verstehen, aus der ich eine Scratchplatte aus Auszügen und Standbildern gewählt habe, zu denen man das Lied der Veränderung der Zeit sprechen kann. Und manchmal kann man das und manchmal nicht.“ (Lis Rhodes in „Flashback from a Partisan Filmmaker“,1998)

 


 

Mittwoch, 27. Mai, 21 Uhr

 

LIGHT MUSIC


GB 1975-77, 2 x 16mm, ca. 25 min (Expanded Cinema)


Light Music ist eine raumfüllende Doppelprojektion in Form einer musikalischen Komposition, die sich die Eigenschaften der optischen Film-Tonspur zunutze macht. („Was man sieht, ist was man hört“)


 
 

RUNNING LIGHT


 

 

GB 1996, sw, video, 13 min


Running Light handelt von Zwangsarbeit und von Vertriebenen an zwei verschiedenen Orten, in zwei verschiedenen Abschnitten des 20. Jahrhunderts.

“Unterschiede werden inszeniert, um Interessenskonflikte zu verbergen. Die Realität kann sich nicht deutlich machen. Verschiedene widersprüchliche Interessen umgeben sie. Sie ist Besitz. Wem gehört sie? Sie ist nach wie vor fließend, in Bewegung. Ein Fluss von Menschen, die Küste entlang, auf und ab. Man kann ihn nicht genau sehen, daher kann man ihn nicht exakt bestimmen. Wie die meisten Systeme hat auch dieses eine rationale Rechtfertigung seiner Existenz. Die Menschen könnten einfach davonlaufen, aber das geht nicht - keine Papiere zu haben ist entscheidend, Teil des wohldurchdachten Ablaufs der Dinge.” (Lis Rhodes)


 
 

A COLD DRAFT


GB 1988, F, 16mm, 28 min


A Cold Draft zeigt die Überwachung einer Frau durch Aufseher, die sie für verrückt halten. Das Provokativste an diesem Film ist die Darstellung verschiedener glaubwürdiger Blickpunkte, selbst nachdem der Frau von den “Gutachtern” bereits eine Geistesstörung bescheinigt wurde. Wir reisen in den Kopf einer Frau und lugen auf eine monumental statische, kalte Wüste in unsteter Zeitlupe. Ein Ausblick durchs Bullauge. (Sandra Lahire)

„It is dangerous to step out of line and lethal not to“ (L.R.)
“Aus der Reihe zu tanzen ist gefährlich, es nicht zu tun tödlich.” (L.R.)


 
 

RIFF


GB 2004, F, video, 18 min


Der Ursprung des Begriffs “Riff” ist unbekannt. In der Musik beschreibt er eine sich wiederholende Tonfolge. Ein “Riff” könnte auch ein Refrain sein – das Erkennen ortet viele in einem, eins in vielen Orten, entfernt und wieder entfernt, kategorisch kontrolliert – im Norden Frankreichs - in Englands Midlands - für das Protokoll räumen sie vor unseren Augen die Straßen. Das Riff hat Europas Geschichte(n) durchzogen. Identifiziert zu werden ist sowohl ein Ritual als auch eine Illusion. (L.R.)


 

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Donnerstag, 28. Mai, 21 Uhr

 

DRESDEN DYNAMO


GB 1971, F, 16mm, 5 min


Dieser Film ist das Ergebnis von Experimenten mit selbstklebenden Mustern (Letraset), die direkt auf (transparenten) Glasfilm aufgebracht wurden. Im Vordergrund steht dabei, wie grafische Muster ihren eigenen Ton erzeugen, wenn sie auf den Bereich des Filmstreifens ausgedehnt werden. (Tim Bruce)


 
 

LIGHT READING


GB 1978, sw, 16mm, 20 min


Im Zentrum des Films steht ein Foto von einem zerwühlten und offenbar blutbeschmierten Bett, welches die Kamera mit wiederholten Zoombewegungen zu sezieren trachtet. Eine Stimme spricht dazu Fragmente einer mysteriösen Erzählung, bestehend aus wiederholten Elementen. Es entwickelt sich ein visueller und literarischer Essay über Fragen der Geschlechteridentität und der Wahrnehmung, der dem Publikum den Akt des Schauens bewusst macht.

Ein Auszug aus dem Text: „She watched herself being looked at, she looked at herself being watched, but she couldn’t perceive herself as the subject of the sentence....“


 
 

JUST ABOUT NOW


GB 1993, F, video, 22 min


Das Video entstand unter dem Eindruck der ersten Invasion des Iraks, des ersten Golfkrieges. „Who can do more than resist and less than subvert? The answer and the question occupy the same space. They are already familiar – if not known to each other. Emotionally they live within the same political order. They will ask themselves – how was it we never knew? ... (L.R.)


 
 

PICTURES ON PINK PAPER


GB 1982, F, video, 35 min


Pictures on Pink Paper ist ein außergewöhnlicher und faszinierender Film in Bild und Ton und in dem darüberhinaus vermittelten Eindruck überschäumender Fülle (mit Musik von Lindsay Cooper, gesungen von Dagmar Krause). Ein vollendeter Film, der das Dasein von Frau/Frauen erfolgreich vermittelt und spürbar macht. Die Stimmen dreier Generationen verflechten sich zu einem tragenden Gewebe. Seine verschachtelte und anspruchsvolle Ästhetik ist richtungsweisend, indem sie Form und Technologie zusammenführt. (Susan Stein)


 


Eine gemeinsame Veranstaltung von sixpackfilm
und dem Österreichischen Filmmuseum.

Programm und Moderation: Brigitta Burger-Utzer