In Person
Eve Heller

 

Donnerstag, 10. Dezember 2009
um 20.30 Uhr im Österreichischen Filmmuseum

Augustinerstraße 1, 1010 Wien
Karten: 01 - 533 70 54



 

Filmprogramm

 

 






 

 


Eve Hellers Filme zeichnet eine Flüchtigkeit aus, die man festhalten möchte, die den Blick ständig entgleiten lässt – ähnlich den klaren und doch fragmentierten Bildern eines Traums. Flirrendes Licht, Mehrfachbelichtungen, das Korn der Emulsion (stark vergrößert durch den optical printer), und bisweilen verlangsamte Bewegungen unterstreichen diesen Effekt. Arbeitet Heller mit Found Footage, dann legt sie nicht nur latente Inhalte der ursprünglichen Dramaturgie frei (Last Lost), sie schafft auch völlig neue poetische Assoziationsräume (Her Glacial Speed), und dies mitunter humorvoll (Ruby Skin). Die tieferliegenden (Be-)Deutun-
gen werden gleichsam en passant mitgeliefert. Selbst in ihrem dokumentarischen Film Astor Place – mit versteckter Kamera hinter einem verspiegelten Schaufenster aufgenommen – gibt es einen lyrischen Aspekt. Die vorbeidefilierenden Passanten treten wie choreographiert
auf und man denkt an eine geheimnisvolle Inszenierung. Man beginnt aber auch zu fragen, welche Lebenszusammenhänge sich hinter deren Anonymität befinden mögen. Unheimlichkeit und Schönheit treffen in Behind This Soft Eclipse aufeinander, mit komplex ver-
schachtelten Aufnahmewinkeln pendelt der Film zwischen den parallelen Welten von Tag und Nacht, positiven und negativen Bildern, festem Boden und unter Wasser. Hier präsentiert sich die Filmemacherin endgültig als eine
Zauberin des Lichts.
Eve Heller wurde 1961 in den USA geboren und studierte in Buffalo und an der New York University. Als Kind eines österreichischen Vaters, der 1938 vor den Nazis emigrieren musste, und einer deutschen Mutter wuchs sie zweisprachig
auf und studierte neben Film auch deutsche Literatur. Ihren Master of Fine Arts (MFA) erwarb sie am renommierten Bard College. Zu ihren LehrerInnen zählten Peter Hutton, Paul Sharits, Tony Conrad, Peggy Ahwesh und Abigail Child. Drei frühe Arbeiten aus dieser Studienzeit wurden nun von Super-8 auf 35mm transferiert und werden während der Personale im Filmmuseum erstmals öffentlich gezeigt. (bbu)


 


 

Donnerstag, 10. Dezember, 20.30 Uhr

 

LAST LOST

USA 1996, 16mm, s/w, 14 min


Ein Schimpanse als Beobachter einer verwirrenden Menschenwelt – entsprungen aus einem harmlosen Unterhaltungsfilm der 1940er Jahre, angesiedelt in Coney Island. An die Stelle der Unbeschwertheit des Originals treten Bilderdetails, die verlangsamt und vergrößert wurden, um die Psychologie des Blickfelds neu zu gestalten. Eine traumartige Parabel, erzählt mit der Sprache des Stummfilms. (E.H.)


 
 

HER GLACIAL SPEED

USA 2001, 16mm, s/w, stumm, 5 min


Bilder aus unterschiedlichen Lehrfilmen der 1970er Jahre, beraubt ihrer Farben, Töne und ursprünglichen Bedeutungen, neu komponiert zu einem wortlosen Gedicht, sanft pendelnd zwischen Gefühlen der Erregung und Trauer. Ein vorsprachlicher Zwischenraum, in dessen visuellen Rhythmen und Lichttexturen die Materialität des Mediums spürbar wird. (E.H.)

 


 
 

ASTOR PLACE


USA 1997, 16mm, s/w, stumm, 10 min


Ein verspiegeltes Schaufenster in New York, durch das die Kamera in Zeitlupe die improvisierte Choreographie der Bewegungen der Passanten aufzeichnet. Astor Place ist eine Hommage an die Brüder Lumière, die zugleich die Illusion der Kinematografie als eines „Fensters zur Welt“ reflektiert und in der die Frage mitschwingt, wer hier wen beobachtet. (E.H.)


 
 

BEHIND THIS SOFT ECLIPSE

USA 2004, 16mm, s/w, stumm, 10 min


Eine Landschaft in Mount Forest, Ontario, auf selbstentwickeltem High-Contrast Film, in Szene gesetzt als elegischer Ort. Behind This Soft Eclipse ist der verstorbenen kanadischen Filmemacherin und Schriftstellerin Marion McMahon gewidmet, die gemeinsam mit ihrem Mann Philip Hoffman in Mount Forest eine Werkstatt für unabhängiges Filmschaffen gegründet hat: das „Independent Imaging Retreat“. Der Film versteht sich als Versuch, Marions entschwundene Pfade filmisch anklingen zu lassen.
(E.H.)


 
 

ONE


USA 1978/2009, 35mm (Super-8 Blow-Up), s/w,
stumm, 2 min


Mein erster Film, und zugleich die erste Rolle Film,
die ich jemals belichtet habe. Entstanden ist One 1978 am Department of Media Studies der University of Buffalo, und zwar im Rahmen der ersten Filmklasse von Keith Sanborn, der damals als Graduate Student von Hollis Frampton betreut wurde. Die Aufgabe bestand darin, einen Film mit einer einzigen Rolle Super-8 zu drehen, ohne dabei die Kamera zu bewegen. Das Resultat ist eine Art poetisch-kinematografischer Einzeiler, der den
strukturalistischen Geist seiner Zeit atmet. (E.H.)


 
 

SELF-EXAMINATION REMOTE CONTROL






USA 1981/2009, 35mm (Super-8 Blow-Up), F, 5 min


Self-Examination Remote Control entstand während meines Studienjahres bei Tony Conrad, und seit seiner Premiere am Ende des Semesters war es mir einfach zu peinlich, den Film nochmals öffentlich vorzuführen. Wie der Titel andeutet, haben wir es mit einer Art Selbstporträt zu tun, das sich einem Wechselspiel zwischen Kamera und Fernbedienung (plus voice-over Kommentaren) verdankt. Eine super-ernsthafte Jugendliche samt schmerz- hafter Identitätskrise, die mit der filmischen Apparatur hantiert. Self-Examination Remote Control dokumentiert die möglicherweise obligatorische Phase eines kinematografischen Narzissmus im Frühwerk aufstrebender
Filmschaffender. Mein Interesse galt der widersprüchlichen Position, simultan Subjekt und Objekt zu sein. (E.H.)


 
 

JUICE


USA 1982/2009, 35mm (Super-8 Blow-Up), s/w,
stumm, 4 min


Das kinetische schwarz-weiß-Porträt meines geliebten Hundes „Juice“; ein ekstatisches Herumtollen in einer ansonsten etwas bedrückenden Nachbarschaft in Buffalo, New York. Juice bildet insofern das Gegenstück zu Self-Examination Remote Control, als es (nach Stativ und Fernbedienung) die Möglichkeiten einer handgehaltenen Kamera auslotet, sowie weitere Funktionen der Apparatur wie Pixilation und Überblendung. Juice fokusiert auf die Interaktion zwischen der Filmschaffenden und dem Objekt ihrer Aufmerksamkeit. (E.H.)


 
 

RUBY SKIN


USA 2005, 16mm, F, 4:30 min


Ruby Skin bildet eine Art filmischer Rache für zahllose Schulstunden in den USA, in denen man hölzernen Lehrfilmen ausgeliefert war: ein anarchistischer Impuls, Unsinn auf 16mm zu stiften. Als Basis diente ein über die Jahre stark geröteter Lehrfilm über „kreatives Schreiben“, der in kleinste Fragmente zerlegt wurde. So gerät das, was uns die Stimme im Off zu erzählen hat, zu einer bunt schillernden Kakophonie, in deren Lücken lyrische Funken glimmen. (E.H.)


 


Eine gemeinsame Veranstaltung von sixpackfilm
und dem Österreichischen Filmmuseum.

Moderation: Brigitta Burger-Utzer