In Person
Roee Rosen

 

 

 

Mittwoch 8. Januar 2014 im mumok kino
und Donnerstag 9. Januar 2014 im Top-Kino
jeweils um 19 Uhr

mumok kino: Museumsquartier, Museumsplatz 1, 1070 Wien
Karten: 01 - 525 00-0

Top-Kino: Rahlgasse 2, 1060 Wien
Karten: 01 - 208 30 00



 

Filmprogramme  1 2

 

 




Historical Joke


Roee Rosen ist eine Person, die in vielen Gestalten auftritt und zu Spekulationen verleitet. Über mehrere Jahre hinweg arbeitete er in mehreren medialen Ausdrucksformen (Malerei, Buch, Film/Two Women
and a Man) an einem feministischen Prototypen mit dem Namen Justine Frank, die in den 1920er Jahren im surrealistischen Umfeld in Paris auftrat, u.a. eine Affäre mit George Bataille hatte und den pornografischen
Roman Sweet Sweat verfasste. Während Rosen in Out (Tse) politische Sager des damaligen israelischen Außenministers Avigdor Liebermann in einem sadomasochistischen Setting verhandelt, setzt er in Hilarious den Humor so disfunktional ein, dass die Witze stets in Beklemmung kippen. In seinem jüngsten Projekt beschäftigt sich Rosen mit dem fiktiven russischen Poeten Efim Poplavsky (aka Maxim Komar-Myshkin), der nach Israel auswanderte und dort u.a. die Buried Alive Group gründete, eine Künstler_innengemeinschaft der ehemaligen Sowjetunion. (ds)

 



Roee Rosen
(*1963 in Israel, lebt in Tel Aviv) ist ein Künstler, Filmemacher und Autor. Er unterrichtet am Ha'Midrasha Art College und an der Bezalel Art Academy, beide in Israel. Für seinem Film Out (Tse) erhielt er 2010 den Orrizonti Award der Filmfestspiele in Venedig und einen Preis im Internationalen Wettbewerb in Oberhausen, die ihm 2012 auch eine Personale widmeten. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen.

 


 


 

Mittwoch, 8. Januar, 19 Uhr

 

TRUTH OR DARE

The Buried Alive Group Videos:
Historical Joke #1, 2013, 3 min
Two Women and a Man, 2005, 16 min

The Buried Alive Group Videos:
Animation Chant for a Hybrid, 2013, 4 min
Out (Tse), 2010, 35 min
Hilarious
, 2010, 21 min

The Buried Alive Group Videos:
Historical Joke #2, 2013, 5 min


 

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Donnerstag, 9. Januar 19 Uhr

 

THE CONFESSIONS OF ROEE ROSEN

2008, 56 min


Es gibt mehr als nur eine Wahrheit. Sogar – oder erst recht – wenn einer antritt, um seine Beichte abzulegen: "Hallo. Ich bin Roee Rosen", sagt die Person hinter dem Schreibtisch in die Kamera. "Meine Tage sind gezählt. Ich werde bald tot sein." Das ist nachweislich falsch.
Der 1963 in Israel geborene Künstler Roee Rosen lebt.
Die Person, die in dem Film The Confessions of Roee Rosen (2008) bekennt, ihre ganze Karriere auf "Lügen, Skandale, obszöne Bilder, falsche Identitäten" gegründet zu haben, ist auch nicht er selbst. Rosen hat drei Gastarbeiterinnen vor die Kamera gesetzt und sie nacheinander seine Bekenntnisse vorlesen lassen. Die Frauen beherrschen kein Hebräisch. Wie ferngesteuert lesen sie vom Teleprompter ab. Ihr unsicherer, manchmal fast gedemütigter Gesichtsausdruck lässt nie vergessen: Sie sprechen, ohne ein Wort zu verstehen. Bizarr wirkt das, wenn sie Wörter falsch aussprechen, wenn aus "verrottenden Körpern" "verrottender Käse" wird. Der echte Roee Rosen gibt ihnen, hinter der Kamera sitzend, Bewegungen vor. "Ich bin dabei, meinen Arm zu heben", liest die Frau folgsam ihren Text ab, und hebt kurz darauf den rechten Arm zum Hitlergruß. Noch beängstigender wird es, wenn sie sagt: "Auch wenn ich es jetzt noch nicht weiß, bin ich dabei, einen Baum zu machen" – nur um umgehend aufzustehen und einen Baum darzustellen.
Rosen bezieht sich im Text der Confessions auf Vorbilder wie Augustinus und Rousseau. Grotesk überzogen verweisen seine Geständnisse daneben auf die Sensationsgeilheit neuzeitlicher Talkshows und Boulevard-Schlagzeilen: Brunnen habe er vergiftet, gesteht Roee Rosen uns ein, und während er seine Dissertation schrieb, habe er sexuelle Dienstleistungen feilgeboten, ein paar Jahre lang auch Swastiken gemalt – und da wird es wieder Zeit für die Frau vor der Kamera, einen Hitlergruß zu performen. Dieser Akt der Performance ist es, der Roee Rosen in seinen Werken interessiert. Sexualität, sagt er, Religion oder "jedes andere Partikel unserer Identität ist ein Dialog zwischen innen und außen. Du performst die Rolle, die dir zugeschrieben wurde." Wenn er in seinen Confessions den Akt der Lebensbeichte, des "Wie ich wurde, was ich bin" pervertiert, verweist er damit auf einen allgegenwärtigen gesellschaftlichen Anspruch: auf die eigene Identität als Rolle, die es möglichst widerspruchsfrei zu spielen gilt. Schließlich garantiert diese Eindeutigkeit reibungslose Abläufe. Dass diese Forderung manchmal in eine Zurichtung ausartet, das spiegeln die verstörten Gesichter der Gastarbeiterinnen in The Confessions of Roee Rosen wider.
(Andrea Heinz, ZEIT-Online; http://www.zeit.de/2013/18/kuenstler-roee-rosen)



Anschließend Gespräch mit Roee Rosen
Moderation: Georgia Holz


 


Eine gemeinsame Veranstaltung von sixpackfilm und Mumok in Kollaboration mit Top Kino und xhibit, Akademie der bildenden Künste/Ausstellungsprojekt Ich bin eine andere Welt. Künstlerische Autor_innenschaft zwischen Desubjektivierung und Rekanonisierung,
22. November 2013 – 12. Januar 2014.