In Person
Irit Batsry

Do 13. - Sa 15. Dezember 2001
im Filmhaus Kino

Spittelberggasse 3, 1070 Wien, Tel.: 522 48 16

Programme  1 2 3

 

 

 


 

Geboren 1957 in Ramat-Gan, Israel, lebt seit 1983 in New York. Studium der Keramikkunst und Video an der Bezazel Academy of Art in Jerusalem. Hauptsächlich arbeitet sie mit Video und Installationen, die international ausgestellt und ausgezeichnet wurden, unter anderem mit dem Guggenheim Foundation Fellowship (1992), mit dem Grand Prix in Locarno (1990, 1995) und dem Grand Prix Video de Création der Société Civile des Auteurs Multimedia (1996, 2001). Ihre aufwendig bearbeiteten Videos stellt Irit Batsry über mehrere Jahre an verschiedenen Orten her: in den Werkstätten der Kunsthochschule für Medien in Köln, The Lux Centre in London und dem CICV in Montbéliard.

Irit Batsry konfrontiert uns meist mit dem Prozeß der Abstraktion und der Frage nach den Spuren des Sehens. Die Auflösung der realen Zeichen- und Objektwelt hin zum durchscheinenden, flüchtigen elektronischen Bild bestimmen die Textur ihrer Videoarbeiten. Schattenhafte Geisterwesen bevölkern vor allem die Trilogie "Passage to Utopia" und verweigern damit Kategorisierungen wie Alter, Geschlecht oder Persönlichkeit. Vielmehr gewinnen sowohl die wenigen konkreten Städte- oder Landschaftsansichten, als auch die wenigen konkret sichtbaren Menschen einen archetypischen Charakter, "ähnlich der Traumwelt einer Maya Deren" (Lawrence Kawdish). Bilder der Gewalt und des Krieges werden als Zitate unserer Geschichte verwendet, um durch die elektronische Bearbeitung wieder verdeckt zu werden und in der Erinnerung und der Dimension der Zeit zu verblassen. Diese Poesie, die gerade aus der Transformation des Realen in seine Spuren auf der Bildebene entsteht, korrespondiert mit den fragmentarischen Texten, zusammengesetzt aus Zitaten (z.B. Plinius, T. S. Eliott) und eigenen Schriften.

Mit ihrem ersten abendfüllenden Video These Are Not My Images (neither there nor here) ist Irit Batsry ein vielschichtiger Essay über das Bilderschaffen an sich gelungen, der noch dazu die speziellen Fragen nach der Präsentation einer fremden Kultur (Indien) stellt. Die Abwechslung von dokumentarischen und fiktionalen (oft malerischen) Bildern thematisiert nicht nur den exotischen Blick auf das Fremde, der gleichzeitig Begehren und Distanz vermittelt, sondern auch die verschiedenen Bedeutungen eines Ortes, des Territoriums, das man bereist, der Mythos, Heimat oder Bedingung für Leben und Erleben sein kann. Das Festhalten einer Wahrheit ist obsolet geworden, und zwischen diesem Verlust und seiner Freiheit bewegt sich der Stimmungsraum des Videos.

(Brigitta Burger-Utzer)

 

 



 

 

Programme  1 2 3

 

 

 

Donnerstag, 13. Oktober 2001, 20.30 Uhr

Spittelberggasse 3, 1070 Wien, Tel.: 522 48 16

 

 

Fine Mechanics

 

ISR 1983, Beta SP, Farbe, 6 Min.

Diese Schnittübung während Irit Batsrys Videostudiums beginnt mit formalen Studien zur Bewegung. Danach folgen einige teilnahmslose Beobachtungen wie eine Autofahrt entlang der Strandpromenade von Tel-Aviv, palästinensische Bauarbeiter und die moderne Architektur von Tel-Aviv neben den "orientalischen" Palmen. "Waiting for something to happen", sagt der Soundtrack und beschreibt die Zeit des Stillstands auch als Metapher für die politische Situation in Israel, die vom untätigen Warten auf einen glücklichen Zufall geprägt war. (BBU)


 

The Roman Wars

 

ISR 1986, Beta SP, Farbe, 6 Min.

Ungewöhnlich spielerisch verknüpft sind hier Hollywoodfilme über das alten Rom im Krieg, dokumentarische Bilder, Aufnahmen der Künstlerin in ihrem Studio beim Schneiden des Materials und Ausschnitte aus TV-Shows. "Spiel mir das Lied vom Tod" erklingt zu Straßenbildern von Tel-Aviv und Irit Batsry versucht, die TV-Monitore zu beschwören. Der Humor täuscht nicht über die Schmerzhaftigkeit der Ironie angesichts der politischen Lage in Israel hinweg. (BBU)


 

Animal (Loco)motion and (Dis)placements

 

Chapter 1: A Point of View
USA 1988, Beta SP, Farbe&s/w, 15 Min.

Das Video versucht einen inneren Dialog mit dem visuellen Material und seinen vielfältigen möglichen Bedeutungen hinsichtlich der Wahrnehmung und der Handlung. Ein surrealer Tagebuchversuch, um den Raum zwischen dem Benennen einer Sache und dem Sehen derselben zu beschreiben.

Die Arbeit besteht aus vielen Videoeinzelstücken, die ursprünglich zum Auswählen durch die VeranstalterInnen oder ZuseherInnen (in einer Installation) gedacht waren.

 


 

Scale *

 

USA/D 1995, Beta SP, Farbe&s/w, 12 Min.

Die Präsenz einer menschlichen Figur, auch wenn sie winzig oder verwischt ist, scheint immer die Sicht auf die gesamte Umgebung zu verändern. Zwischen Figuration und Abstraktion ist die menschliche Figur wie ein Maßstab für die Auswertung eines Bildes, eine Referenz, die uns hilft, es zu lesen. Scale ist eine Hommage an Künstler, die bereits an diesem Thema gearbeitet haben, ganz speziell an Giacometti.

(Irit Batsry)

 

 


 

A Simple Case of Vision *

 

USA 1991, Beta SP, Farbe&s/w, 12 Min.

Das Video basiert auf einem Text von Buckminster Fuller über die Entstehung seiner Sehkraft. Zunehmend beginnt man sich über die Vorstellung eines "nomalen" Sehens und die Art, wie wir die Welt wahrnehmen, unsicher zu werden. Der Text wird ununterbrochen in Bilder übersetzt und kreiert damit eine ähnliche Erfahrung wie jene, die beschrieben wird: gleichzeitig dabei sein und ausgeschlossen bleiben.


 

 

 

Programme  1 2 3

 

 

 

Freitag, 14. Oktober 2001, 20.30 Uhr

Spittelberggasse 3, 1070 Wien, Tel.: 522 48 16

 

Passage to Utopia
Trilogie (1985 - 1993, 88 Min.)

 

Part 1: Stories from the Old Ruin

 

USA 1986, Beta SP, Farbe&s/w, 15 Min.

Stories from the Old Ruin stellt Berichte vom Zusammenbruch antiker und moderner Zivilisationen gegenüber. Die Erzählung von Plinius über den Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n.Chr. fungiert in Form eines Textes als integraler Bestandteil des Bildes und ist eine Art universelle Stimme der Katastrophe und des kollektiven Traumas.


 

Part 2: Leaving the Old Ruin *

 

USA 1989, Beta SP, Farbe, 34 Min.

Für dieses Video hatte ich keine Vorgabe eines bereits vorhandenen Textes, noch hatte ich das Glück den Text eines anderen zu finden, ich musste meine eigenen Worte verwenden. (...) Als die Arbeit fortschritt, entwickelte sich eine gebrochene erzählerische Linie, die den Wechsel des Textes zwischen dem "Ich" und dem "Wir" einführen sollte; die persönliche(n) Geschichte(n) einer Frau und eines Mannes und die kollektive Stimme der Flüchtlinge, der Träumer. (Irit Batsry) Auch im zweiten Teil der Trilogie setzt sich Irit Batsry mit den Verzerrungen und Abstraktionen des Erinnerungsprozesses auseinander. Die Spuren der kollektiven Traumas durch das Wissen um Vertreibung, Verfolgung und Auslöschung verweben sich mit den Nachwirkungen der persönlichen Vergangenheit. Die Landschaften und Personen in Leaving the Old Ruin werden durch Verfremdungen und Verwischungen dahingehend verändert, dass sie nur mehr als eine Art Nachbild erscheinen, so wie durch die brechenden Prismen der Erinnerung reflektiert. (BBU


 

Part 3: Traces of a Presence to Come *

 

USA/F 1993, Beta SP, Farbe&s/w, 39 Min.

"Unsere Welt wurde nach unserem Vorstellungssystem gebaut. Wir kommunizierten, indem wir uns Bilder zeigten. Wir konnten uns in unseren Geisteswelten handeln sehen. Unsere Systeme waren vollkommen miteinander verbunden. Das Persönliche und das Kollektive wurden untrennbar.

Der Begriff der Identität wandelte sich völlig: eine Person konnte jede andere Person sein. (...) Dann begannen die Bilder ihre Kraft zu verlieren. Wir sahen, dass wir haufenweise Bilder ohne Sinn besaßen." (Irit Batsry)

 

 

 


 

 

 

Programme  1 2 3

 

 

Samstasg, 15. Oktober 2001, 20.30 Uhr

Spittelberggasse 3, 1070 Wien, Tel.: 522 48 16

 
 

These Are Not My Images (neither there nor here) *

 

USA/D/F/GB 2000, Beta SP, Farbe&s/w, 80 Min.

These Are Not My Images (neither there nor here) verwebt Elemente verschiedener Genres (Dokumentarfilm, Essay, Experimentalfilm, Erzählung), um die Art zu hinterfragen, in der ein fremder Ort gesehen und (re)präsentiert wird. Der Film folgt der Reise einer desillusionierten westlichen Filmemacherin, begleitet von einem halbblinden Führer, und ihrem Treffen mit einem ortsansässigen Filmemacher in einem aussergewöhnlichen ‚roadmovie‘ durch Südindien, wo die Bilder und Töne aufgenommen wurden. Die Abbildung Indiens wird zum Stereotyp eines Landes der Dritten Welt, in dem sich Fiktion und Projektion exemplarisch ausbreiten können. Die Bild- und Textebene positionieren das Bildermachen in einer exotisch fremden Kultur als einen Akt zwischen Faszination und Fremdheit, zwischen Intimität und Distanz.

Pasolini sagte einmal: "Ein westlicher Mensch, der nach Indien kommt, hat alles, gibt aber nichts. Indien hat nichts, gibt aber alles." Ist der Akt des Filmemachens ein Akt des Gebens oder des Nehmens?

* Soundtrack von Stuart Jones

 


 

 

 

 

Diskussion nach den Vorstellungen

Redaktion & Moderation: Brigitta Burger-Utzer

   
 

 

 

Ausstellung

Videostills von These Are Not My Images (neither there nor here) werden vom 4. bis 15. Dezember im Rahmen des Ausstellungsprojektes akt 1/akt 2/akt 3 (Konzept: Rike Frank, Christine Braunersreuther, Dietmar Schwärzler) in der Kunsthalle Exnergasse (9.; Währingerstr. 59) gezeigt. Am Samstag, 15. 12. wird Irit Batsry über ihre Installationsarbeit ebendort sprechen.

 

 

 

http://kunsthalle.wuk.at/