In Person
Mike Hoolboom

 

14. — 15. Juni 2004
im Top-Kino
Rahlgasse 1, 1060 Wien


ein gemeinsames Programm von sixpackfilm und DV8-film

 

 

Programm Überblick
14.06. 18.00

Escape in Canada
(CAN 1993, 16mm, sw, 9 Min.)
Mexico

(Co-Regie: Steve Sanguedolce)(CAN 1992, 16mm, F, 35 Min.)
Careful Breaking

(CAN 1992, 16mm, sw & F, 7 Min.)
Pensao Globo

(Regie: Matthias Müller; Text: M.H.) (D 1997, 16mm, F, 15 Min.)

20.00 Tom
(CAN 2002, video, s/w & F, 74 Min.)
15.06. 18.00 Tom
(CAN 2002, video, s/w & F, 74 Min.)
  20.00 brand
(CAN 1989, 16mm, F, 6 Min.)
Letters from Home

(CAN 1996, 16mm, F, 15 Min.)
Frank’s Cock

(CAN 1993, 16mm, F, 8 Min.)
Shooting Blanks
(Co-Regie: Shaun Chappelle)
(CAN 1996, 16mm, F, 8 Min.)
In In My Car

(CAN 1998, 16mm, s/w, 5,30 Min.)
Passing On

(CAN 1997, 16mm, F, 18 Min.)

 

 

 



 

Mike Hoolboom, geboren 1959 in Toronto, wo er auch lebt und arbeitet. Er studierte Media Arts am Sheridan College von 1980 bis 1983. Drei Jahre arbeitete er beim Canadian Filmmakers Distribution Centre bevor er mit anderen den Veranstaltungsort Pleasure Dome, eine von KünstlerInnen programmierte Reihe für experimentellen Film und Video, leitete. Seit 1980 hat Mike Hoolboom mehr als 25 Filme fertiggestellt, zahlreiche Artikel zum avantgardistischen Film veröffentlicht und er reiste als Kurator kanadischer "fringe films" — wie er sie nennt — oder internationaler Filmkunst durch Kanada, Europa und die USA. 1997 publizierte er das Buch "Inside the Pleasure Dome: Fringe Film In Canada.", 1998 "Plague Years: a life in underground movies" (XYZbooks).

Mike Hoolboom ist einer der produktivsten und bekanntesten Avantgardefilmemacher Kanadas, seine Filme und Videos werden regelmäßig bei internationalen Festivals vorgestellt und oft prämiert. Obwohl er lange ausschließlich mit dem Material Film gearbeitet hat und nach wie vor der Ästhetik des Filmischen meist den Vorzug gibt, verwendet er in den letzten fünf Jahren verstärkt die Videokamera für seine dokumentarischen Aufnahmen. Für die Faszination von Licht und Schatten, für fragmentierte abstrakte Formen, Himmelsansichten und Feuerwerke blieb er aber dem Super-8-Material treu, das er am Beginn seiner filmischen Arbeit in den frühen 80er-Jahren einsetzte. In der Montage von gefundenen Home-Movies ist der Autor Hoolboom oft verborgen, geht in der Sammelleidenschaft des Schnittmeisters Hoolboom unter. Er ist ein Jäger und Sammler eigener und angeeigneter Bilder: einerseits aus privater Quelle verschiedenster befreundeter Filmemacher und Familien — der eigenen darunter — andererseits wird das Kino Hollywoods und seine magischen Darstellungen schamlos und bravourös für die Visualisierung seiner essayistischen Texte benützt. Bisweilen gewinnen seine Erzählungen gerade durch den Einsatz aufgeladener Versatzstücke des Hollywood-Kinos eine neue melodramatische Dimension und werden zu einer Arena der Emotionen, in der Tränen, Liebe, Angst, Tod, Gewalt und heftiges Pathos nicht gescheut werden.

Hoolboom erkundschaftet die Körper seiner FreundInnen ebenso nachhaltig wie das Potential des Filmmaterials. Vielgestaltige Bearbeitungen kreiert er auf der optischen Bank und in der Dunkelkammer, dabei reiben sich die gefundenen und eigenen Bilder oft an seinen Texten, die er, versehen mit der Körperlichkeit von Stimme oder Schrift, in einen poetischen Dialog mit den Bildern stellt. Die Themen seiner fragmentarischen, auto/biografischen und fiktionalen Erzählungen reichen von homosexueller Liebe, der Krankheit AIDS, der Fragilität des Körpers, der Erfahrung des Todes bis zur Suche nach Liebe, "Heimat", Familie und künstlerischer Ausdrucksweise. (Brigitta Burger-Utzer)

 

 

(Brigitta Burger-Utzer)

 

 



 

Montag 14.Juni 18.00

Film 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

 

Escape in Canada

 

CAN 1993, 16mm, sw, 9 Min.


Nachdem er zufällig auf eine haarsträubend herablassende Reisedokumentation gestoßen war, die Kanada ("Das Land der Zerstreuung") als einen riesigen Spielplatz für Touristen bewirbt, bearbeitet Hoolboom sie in ihrem negativen Image neu. Was womöglich der einzige Weg ist, wie ein Kanadier sich innerhalb einer so fremden Darstellung der Nation positionieren kann: Hinter der Leinwand hervor, die die Wahrheit der kolonisierten nationalen Erfahrung verbirgt. (Geoff Pevere)


 

Montag 14.Juni 18.00

Film 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

 

Mexico

 

Co-Regie: Steve Sanguedolce
CAN 1993, 16mm, sw, 9 Min.


Mexico enthüllt und seziert rücksichtslos die Annahmen und Halbwahrheiten, die wir uns selbst über Entwicklung und Fortschritt erzählen. Es ist weniger ein Film als vielmehr eine Serie von lebendigen Postkarten und die Bilder werden von einer scharfsinnigen Voice-Over unterstützt. Die Tour führt von einem archäologischen Museum über eine Autofabrik ("eine Fabrik, die nur Qualm produziert") bis zu einem ungeheuer plastischen Stierkampf, und verbindet kulturellen Kolonialismus mit freiem Handel. "Alles was man berührt, verwandelt sich in Toronto", sagt Hoolboom, und sein Ferienausflug endet mit der beunruhigenden Verwandlung der Straßen von Mexico City in den Highway 401." (Josh Ramisch)

Ein episodenhafter Reisebericht, dem der Tod im Nacken sitzt... Die Hälfte des Films wurde in Toronto gedreht, obwohl die Voice-Over auf einem mexikanischen Schauplatz besteht, und schildert die Reisen von "You", einem Individuum, das weder seine Vergangenheit noch seine Geographie zurücklassen kann.

 

Montag 14.Juni 18.00

Film 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

 

Careful Breaking

 

CAN 1992, 16mm, sw & F, 7 Min.


Careful Breaking ist ein Film in Form eines Körpers, der sich seiner selbst erinnert. Ich hatte begonnen, die Runen der Kindheit zu prüfen und begriff, dass die Erinnerung ebenso sehr im Körper wie im Geist lag — dass man die aus Pinie gezimmerten Schultische des Gymnasiums noch immer unter den Fingern spürt, die Knie immer noch die Narben vergangener Radtouren trugen. Als ich an meinem Körper hinuntersah schien er einer Landkarte all dessen, was ich ertragen hatte, zu ähneln, eine Hieroglyphe, die darauf wartete, entziffert zu werden. Da sind keine Geschichten im üblichen Sinn, sondern eruptive Momente — hypnagogisch, überwältigend und sich obsessiv wiederholend. Ich habe mir einen Film vorgestellt, der von einem Körper gemacht wurde, der sich an sich selbst erinnert, einen Film, der dem Akt der Erinnerung auf dem Körper nachspüren könnte. (Mike Hoolboom)

 

Montag 14.Juni 18.00

Film 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

 

Pensao Globo

 

Regie: Matthias Müller; Text: M.H.
D 1997, 16mm, F, 15 Min.


Der Film handelt vom Leben und Sterben mit AIDS, doch Müller meidet das Wort wie überhaupt alle medizinischen oder sozialen Aspekte der Krankheit. Er filmt den Weg eines jüngeren Mannes, der nach Lissabon reist, um sich auf seinen Tod vorzubereiten. Pensao Globo zeigt einen Kranken, der — wie es im Text heisst — dabei ist, ein Geist seiner selbst zu werden. (Michael Allmaier)

 

Montag 14.Juni 20.00
Dienstag 15.Juni 18.00

Film 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

 

Tom

 

CAN 2002, video, s/w & F, 74 Min.


Eine ungewöhnliche Biographie von Tom Chomont — eine Schlüsselfigur der New Yorker Randkultur, ein berüchtigter Videokünstler, der an Parkinson und AIDS erkrankt ist. Die Kulisse für die Geschichte: New York City ... Hoolboom wählt eine assoziative Annäherung, er benutzt dutzende Filmausschnitte, von vergessenen Wochenschauen bis zu den bekanntesten Hollywoodmomenten — und versucht damit Chomonts Biographie neu zu bauen. Die Geschichten erklären die Struktur der Bilder und verleihen ihnen Bedeutung: Kindheitserinnerungen, Geschichten von Inzest, SM, die Liebe eines Gangsters oder sogar das große weiße Licht, das für Chomont den Beginn und das Ende des Lebens symbolisiert. Der andere Star ist New York City, Bilder der Stadt aus verschiedenen Zeiten und aus oft nicht zusammenpassenden Blickwinkeln spielen eine Rolle. Durch die Verwendung all dieser visuellen Momente konstruiert er eine neue, fiktive Biographie, die die Lücken füllt, die die Erinnerung und jene Dinge, die sich auf der verborgenen Seite des Unterbewusstseins verstecken, hinterlassen. Das Ergebnis ist eine Arbeit mit hypnotisierender Wirkung — ein ungewöhnliches Erlebnis." (Vivian Ostrovsky)

 

Dienstag 15.Juni 20.00

Film 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

 

brand

 

CAN 1989, 16mm, sw & F, 6 Min.


Hoolboom führt uns in eine poetische Welt in schönstem Schwarzweiss, deren tonlose Bilder den Herzschlag unserer Reaktionen auf seinen verspielten Einsatz alten Materials hörbar machen. brand beflügelt als Hommage an die Kindheit und an die Macht des Films unsere Phantasie in der Erinnerung an vergangene Tage. (Miryam van Lier)

 

Dienstag 15.Juni 20.00

Film 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

 

Letters from Home

 

CAN 1996, 16mm, F, 15 Min.


Visuelle Elegie, Mosaik in Sepia aus Bildern und Gesichtern, zerbrochener Traum, Kampf. All diese Assoziationen weckt — in wenigen Worten — Letters from Home. Über mehrere Stimmen entsteht ein lyrisch, sinnliches Zeugnis über die Möglichkeit, mit AIDS leben zu können. Die Träume, Erinnerungen, Ängste, Gedanken und Auflehnungen, die die Krankheit hervorruft, sind mannigfaltig. Die gesammelten Bilder, die das empfindliche Filmmaterial festgehalten hat, beschwören Kindheit, Liebesbeziehungen, Kämpfe und Zweifel herauf zu einer leisen, schmerzlichen Klage. (bb-Nyon nachschauen)

 

Dienstag 15.Juni 20.00

Film 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

 

Frank’s Cock

 

CAN 1993, 16mm, F, 8 Min.


Oben rechts, das Gesicht des Schauspielers Callum Rennie, der die Geschichte seines früheren Vertrauten und Geliebten Frank erzählt, von ihrer Homosexualität und der tiefen Freundschaft, die der Tod durch AIDS jäh beendete. .. Nacheinander zerfällt das Bild in zwei, drei weitere Einstellungen (winzige Detailaufnahmen von Zellen, Teilansichten von Gesichtern und entblössten Körpern, pornographische Nahaufnahmen zweier Männer), die der Erinnerung an den geliebten und verlorenen Menschen Gestalt geben. (Jean Perret)

 

Dienstag 15.Juni 20.00

Film 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

 

Shooting Blanks

 

Co-Regie: Shaun Chappelle
CAN 1996, 16mm, F, 8 Min.


Der als Reisebericht komponierte Film bewegt sich von einer Anekdote zur anderen, von John Cage auf der Suche nach Ruhe über den Augenblick unserer Geburt bis hin zur armseligen Kreativität in Kanadas Filmproduktion. Ausschnitte aus Horror-, Action- und Pornofilmen streben einem Höhepunkt zu, der die Scheinidentität, die der kanadische Film vom südlichen Nachbarn übernommen hat, nur unterstreichen kann. (Miryam van Lier)

 

Dienstag 15.Juni 20.00

Film 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

 

In In My Car

 

Can 1998, 16mm, s/w, 5,30 Min.


"My family was catholic, the church lived in us, like a rumour ...from that day we collected our tears to keep the devil from our door, though a friend insisted the devil’s death was a tragedy for the imagination."

 

Dienstag 15.Juni 20.00

Film 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

 

Passing On

 

CAN 1997, 16mm, F, 18 Min.


Spielende Kinder tauchen aus überbelichteten Filmen auf, die die Zeit beschädigt hat. Es schneit. Die solarisierten Bilder sind Erinnerung. Der Ton ist ernst, die Stimme beschwört den Bruder, die Eltern herauf. Menschen tauchen auf dem Bildschirm auf, als ob sie verschwinden würden. Mit zurückhaltendem und trotzdem ergreifenden Lyrismus richtet sich Passing On an den Tod als etwas Familiäres, Tod, der umherstreift und die Bilder eines Kinos hervortreten lässt, das versucht, einem anderen Tod zu widerstehen, zweifellos schlechter, ein weißer Tod von vergessenen Erinnerungen, ohne Bilder. (Jean Perret)

 

 

 

 

Kartenreservierungen:
Top Kino: 0699-120 96 100 und
office@sixpackfilm.com

 

 

ein gemeinsames Programm von sixpackfilm und DV8-film
Moderation: Brigitta Burger-Utzer, Barbara Reumüller

 

 

 

Nähere Informationen erhalten Sie bei
Sixpack Film
, Tel. 526 09 90
1070 Wien, Neubaugasse 45