GIBELLINA -
Il terremoto

ein Film von Joerg Burger

 



ab 5. November 2009, im KIZ-Royal in Graz

am 5.11.2009 / 19.00 Gespräch zwischen
Joerg Burger und Sandro Droschl (medienturm) nach der Vorführung





 

 

 

 


 

GIBELLINA - Il terremoto

A/I 2007, 72 min
Regie, Schnitt, Ton, Produktion: Joerg Burger
Kamera: Johannes Hammel
Musik: Antonia & Cicco Busacca

Das sizilianische Städtchen Gibellina wurde 1968 von einem Erdbeben zerstört und erst Jahre später in einiger Entfernung vom ursprünglichen Ort wieder aufgebaut. Die Errichtung des neuen Gibellina war kein herkömmlicher Wiederaufbau, sondern getragen von einer engagierten Utopie der Erneuerung: gegen die traditionellen Kräfte aus Bürokratie, korrupter Politik und sizilianischer Mafia.
Dieser politischen Utopie ist Joerg Burger mit seinem komplexen Städteportrait Gibellina - Il terremoto auf der Spur, wenn er das gegenwärtige Leben in Gibellina Nuova konfrontiert mit den Ideen, die zu seiner Ausgestaltung geführt haben. Er l�sst dazu Repräsentanten des Ortes zu Wort kommen (den Bürgermeister, den Apotheker, den Pfarrer, ...), montiert Archivmaterial aus verschiedenen Phasen der Ortsgeschichte und veranschaulicht mit zahlreichen präzise komponierten Ansichten die moderne Architektur, die reichlichen Kunstobjekte und die weiten, leeren Räume der neuen Stadt.
Burgers Erzählweise und sein insistierender, verschmitzter Blick erschlie�en immer wieder neue überraschende Perspektiven: Gibellina - Il terremoto macht deutlich, dass die intendierte Erfolgsstory einer unter künstlerischen Vorzeichen entworfenen Stadt sich mit den Jahren zum städtebaulichen Fiasko entwickelte. Gibellina scheint heute ein "Ort ohne Zentrum und ohne Seele" zu sein, fehl geplant und voller sozialer Probleme. In groteskem Kontrast steht deshalb die Fülle der Skulpturen im öffentlichen Raum (das "größte Freilichtmuseum moderner Kunst Europas") zum akuten Bevölkerungsschwund und zur offensichtlichen urbanen Desolation: Wie kaum ein anderer Ort verkörpert Gibellina die Widersprüche der Moderne und ist selbst zu einem Monument des Scheiterns geworden. (Constantin Wulff)