Living Collection

sixpackfilm

 

 


Montag 7. März 2016
Nowhere City

Montag 4. April 2016
Das Unbehagen an der Kultur

Montag 2. Mai 2016
Zuflucht. Asyl. Wo?

Montag 6. Juni 2016
Wienfilm (1896-1976)


 

jeweils 19 Uhr
Metro Kinokulturhaus
Johannesgasse 4, 1010 Wien


Nach 25 Jahren Vermittlungsarbeit versammelt sixpackfilm in seiner Kollektion eine reiche Auswahl aller Gattungen, vertreten durch mehr als 1.500 filmische Arbeiten, die danach rufen, in unterschiedlichen Zusammenhängen regelmäßig auch in Wien gezeigt zu werden. Ein Schwerpunkt unserer Sammlung liegt bei den KlassikerInnen des österreichischen experimentellen Films, nahezu alle sind vertreten. Viele der historischen Arbeiten zählen mittlerweile zum Kanon der internationalen Film oder Kunstgeschichte und haben ihren festen Platz in den internationalen Kinosälen und Museen. Die Neueröffnung des Metro Kinokulturhauses und die intime Atmosphäre des Eric Pleskow Saals animierte sixpackfilm zu dieser langfristigen Kooperation mit dem Filmarchiv Austria.

Kurzspielfilme, Avantgardefilme, Animationen, filmische Essays, Dokumentarfilme und vieles, das zwischen den Zuschreibungen pendelt, soll in einzelnen Programmen in der Reihe Living Collection sixpackfilm vereint werden, nicht säuberlich getrennt nach den üblichen Kategorisierungen. Vielmehr steht die Suche nach thematischen Zusammenhängen, Entwicklungen, verschiedenen Betrachtungsweisen und Verbindungslinien im Vordergrund, manchmal auch im Kontext des internationalen Filmschaffens. Historische und zeitgenössische "Klassiker" treffen auf Arbeiten von Filmschaffenden, die noch nicht oder nicht mehr die ihnen gebührende Aufmerksamkeit haben. Gesellschaftspolitische, soziale und ästhetische Fragen stehen im Wechselspiel zu rein formalen Experimenten. Radikale oder aktionistische Performances sind mit surrealen Geschichten kombiniert, Auftragsarbeiten für Trailer oder TV mit abstrakten Schönheiten. Eine lebendige Montage, keine Festschreibung einer Geschichte der Meisterwerke. Das verbindende Element bei allen Filmen und Videos ist ihre unverkennbare, eigenwillige visuelle Grammatik. Wenn wir eine Personale mit Werken einer/s Filmemachers/in anbieten, wird ein vermittelndes Gespräch mit der/dem Künstler/in deren Themen und filmische Umsetzung dem Publikum näherbringen. Ansonsten wird das Filmereignis jeden ersten Montag im Monat von einer kurzen Einführung begleitet.

Programmatisch wendet sich das erste Semester der Stadt zu, in der wir leben. Wien ist wie jede Stadt kein homogener Raum mit seiner Geschichte, sondern zerfällt in konkurrierende Interessen, verschiedenste Architekturen, private und öffentliche Geschichte/n. Die folgenden vier Programmvorschläge versuchen eine Rückeroberung eines Gefühls für die Konstruktion und Funktion eines räumlichen und gesellschaftlichen Standortes zu ermöglichen.
(Brigitta Burger-Utzer)

 


Wien 17, Schumanngasse, Hans Scheugl


Kunst & Revolution, Ernst Schmidt Jr.


Empört Euch!, Friedl vom Gröller


Passagen, Lisl Ponger

 
 

 

 
 

 

Programm Überblick

 

Mo 7. März 19:00
Metro Kinokulturhaus
(Eric Pleskow Saal)

 
Nowhere City next

 

 

Wien 17, Schumanngasse, Hans Scheugl
1967, 16mm, 3 min

Flora, Jessica Hausner
1996, 35mm, 25 min

Luft-Räume, Fridolin Schönwiese
1990, 16mm, 24 min

Gefühl Dobermann, Gabriele Mathes
2015, DCP, 16 min

Wien wird in diesen filmischen Arbeiten nicht als unverwechselbarer Ort imaginiert oder dargestellt. Eine unwirtliche Dimension, die auf enge gesellschaftliche Verhältnisse schließen lässt, tritt in den Vordergund. Hans Scheugl fährt an einem trüben Tag die Schumanngasse entlang, Ende und Anfang des Films sind identisch mit Ende und Anfang der Gasse. In Flora von Jessica Hausner zwingen die kleinbürgerlichen Verhältnisse die jugendliche Protagonistin zum Ausbruch aus dem Elternhaus. In der schnörkellosen Milieustudie werden die Wünsche und Sehnsüchte der Protagonistin bis zum befreienden Schlussakt herb enttäuscht. Der Horror des Weltkrieges lebt in Schönwieses filmischer Vermessung der wehrhaften Flaktürme Wiens, verbunden mit einem spannenden Sounddesign, erneut auf. Der Horror der Kleinfamilie mit ihren unterdrückten Aggressionen und Konkurrenzverhältnissen changiert im Kammerspiel von Mathes Gefühl Dobermann zwischen Fiktion und Wirklichkeit. (bbu)

Programm Überblick

 

Mo. 4. April 19:00
Metro Kinokulturhaus
(Eric Pleskow Saal)

 
Das Unbehagen an der Kultur next

 

 

fremde, Kathrin Resetarits
1999, 16mm, 29 min

Kunst & Revolution, Ernst Schmidt Jr.
1968, 16mm, 8 min

Ich arbeite, Sabine Marte
1996-98, video, 20 min

Subcutan, Johannes Rosenberger
1988, 16mm, 20 min

Unaufgeregt setzt Kathrin Resetarits in Szene, wie sich eine alleinerziehende Frau und ihr Kind an die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen versuchen.
Das kulturelle Nachkriegsklima förderte die Konfrontation des Publikums mit radikalen aktionistischen Performances, die in der legendären „Uni-Ferkelei“ (Kronen Zeitung) gipfelten, welche Schmidt Jr. mitgefilmt hat. Spielerisch greift Sabine Marte in ihren frühen Videoarbeiten sprachliche Festschreibungen an. Sie überzeichnet, rhythmisiert, erfindet ihre eigene, das Medium immer mitreflektierende, künstlerische Sprache. Groteske Mimik, verzerrende Aufnahmewinkel und trashige Aufmachung verstärken die befreiende Wirkung. Subcutanvon Johannes Rosenberger montiert ein glühend beißendes Portrait vom Wien des Jahres 1988, als die Proteste gegen das Verdrängen der Verbrechen in der NS-Zeit und Waldheim als seinen inthronisierten Vertreter ein Gebot der Stunde waren. (bbu)

Programm Überblick

 

Mo. 2. Mai 19:00
Metro Kinokulturhaus
(Eric Pleskow Saal)

 
Zuflucht. Asyl. Wo? next

Empört Euch!, Friedl vom Gröller
2014, 16mm, 3 min

Limes - Aktion Limes, Erwin Wagenhofer
2002, video, 27 min

Corners, Derek Roberts
2015, video, 9 min

Mariage Blanc, Gustav Deutsch
1996, 16mm, 5 min

Migration Standards, Borjana Ventzislavova
2011, video, 5 min

Passagen, Lisl Ponger
1996, 35 mm, 12 min

44/85 Foot´-age shoot´-out, Kurt Kren
1985, 16mm, 2 min

Schon lange vor der sogenannten Flüchtlingskrise haben sich die Filmemacher/innen mit Phänomenen wie Migrationsbewegungen und Abschottungspolitik in seiner Komplexität beschäftigt. Alle Filme dieses Programms verstehen sich als Appell, gegen vereinfachende Zuordnungen der „eindringenden“ Fremden das Drama der Flucht und die Entwurzelung jener zu sehen, die in ihrer Heimat keine Zukunft mehr sahen. Die formalen Verfahren zum Transport der politischen Inhalte reicht vom verstörenden Dokumentarfilm von der österreichischen Schengengrenze (Limes - Aktion Limes) über konzeptionelle Performancevideos (Corners, Mariage Blanc, Migration Standards) zum Montagefilm aus Amateurreisefilmen, denen Erzählungen von Flüchtenden unterlegt sind (Passagen) bis zur unruhigen Kamera eines verzweifelten Kurt Kren im Amerikaexil. (bbu)

 
 

Programm Überblick

 

Mo. 6. Juni 19:00
Metro Kinokulturhaus
(Großer Saal)

 
Wienfilm (1896-1976) next

Wienfilm (1896-1976)
Ernst Schmidt Jr.
1976/77, 16mm, 117 min
Kamera: Ernst Schmidt Jr., Walter Funda, Günter Pollak, Günter Janicek.
Beiträge und Darsteller: Friedrich Achleitner, H. C. Artmann, Joe Berger, Moucle Blackout, VALIE EXPORT, Padhi Frieberger, Ernst Jandl, Arnulf Rainer, Gerhard Rühm, Hermann Schürrer, Peter Weibel, u.v.a.

Die Stadt wahrzunehmen heißt sich der Stadt auszusetzen. Es wird interveniert und nach Sichtbarkeiten gefragt. Wienfilm 1896-1976 von Ernst Schmidt jr. nutzt dazu verschiedene Register. Störung der kommunikativen Einhelligkeit ist eine Methode. Joe Berger – Literat, Lebenskünstler, bissiger Ironiker – gibt den Chor des Films. Kinematografische Aufnahmen aus 90 Jahren prallen aufeinander, treten in Widerrede und Kommentierung. Bildzensur gibt es keine. Der Film gärt und wuchert. Historisch reicht sein Bogen von den ersten Wienbilder der Firma Lumière aus 1896 über die Aufnahmen der Polizeijahresschau zu den Ereignissen des Februar 1934 oder eines sowjetischen Kameramanns nach 1945 bis zu Bild-/Wortspenden von befreundeten Filmemachern und Literaten und filmischen Wien-Streifzügen der Gegenwart. (Elisabeth Büttner)

Davor Konzert vom NINO aus Wien als Hommage an die Lieder von Armin Berg, die den Film durchziehen und INDEX-DVD-Präsentation.

 

 

 

 

 
   


Metro Kinokulturhaus Johannesgasse 4, 1010 Wien

Tickets: reservierung@filmarchiv.at
oder 01-512 18 03
http://filmarchiv.at