Online-Katalog / Johann Lurf :

Picture Perfect Pyramid
AT / 2013
5 min.

Vösendorf ist eine reiche Gemeinde im Süden Wiens. Dort wurde im Jahre 1983 eine weithin sichtbare Pyramide aus Plexiglas als Erweiterung der bis dato größten Shopping Mall Österreichs, der Shopping City Süd, erbaut. Damals ein Indoor-Swimming Pool namens „Eldorado“, dient sie heute als Hotel- und Veranstaltungszentrum, das Erotikmessen, Technoparties wie auch Parteiversammlungen beherbergt.
Diese Pyramide steht buchstäblich im Zentrum von Johann Lurfs ironisch betiteltem 16mm Film Picture Perfect Pyramid, der sie in 24 Einstellungen im 24 Stunden-Ablauf zeigt. Lurf koppelt die Struktur des Films an die geometrische Figur der Pyramide und macht sie zum Mittelpunkt eines radial von ihr ausgehenden Liniennetzes, anhand dessen er sich dem Bauwerk annähert, es beobachtet. Die konzeptuelle Strenge von Kameraperspektive und Schnitt kontrastiert dabei mit der mystischen Dimension der Pyramidenform: diente sie doch im alten Ägypten gleichermaßen als Begräbnisstätte wie als Himmelstreppe der Verstorbenen zum Sonnengott Ra, während in neuerer Zeit vor allem ihr energetisches Potential im Mittelpunkt diverser esoterischer Untersuchungen steht.
Durch ihre Position – majestätisch, rätselhaft, im Zentrum thronend – scheint die Pyramide wie Jeremy Benthams Panoptikum selbst zu beobachten, und ihr hell erleuchteter Kubus an der Spitze sendet zuweilen ebenso als Botschaften dechiffrierbare Strahlen aus. Daneben fungiert aber die Umgebung an der Peripherie Wiens als unbestrittene zweite Hauptdarstellerin: Parkplätze, Containergebäude, leicht verwahrloste Parklandschaften und immer wieder Autoverkehr. Das US-amerikanische Suburbia und seine Shopping Mall-Agglomerationen sind kaum zu leugnen, obwohl Vösendorf meilenweit von dessen perfekten Rastern entfernt liegt. Nichtsdestotrotz oder genau deswegen wird diese „bildschöne“ Pyramide zur Filmkulisse und damit zum Sehnsuchtsort. Sie ist gleichermaßen exotischer Blickfang, Abklatsch der jüngeren, doch imposanteren Glaspyramide des Luxor Hotels in Las Vegas, und Marker eines sich immer rascher weiterentwickelnden Konsumerismus, der Kaufkraft vom Stadtzentrum in die Peripherie abziehen soll und dadurch mit immer neuen Attraktionen aufwarten muss.
Von alldem lässt sich die stoische Pyramide jedoch nicht beeindrucken: Sie hat schließlich einen weiten Weg vom Weltwunder zur „architectural folly“ hinter sich.

(Claudia Slanar)


Die Shopping City Süd und das Gelände drum herum kann man gut und gern als Inbegriff eines Wiener "sprawls" begreifen. So nennt man in der ganzen Welt das wuchernde Umland von Städten, in denen zwischen Einkaufszentren, Gewerbestätten und Verkehrsknoten kaum noch Landschaft bleibt. Es fällt schwer, hier mit Architektur auf sich aufmerksam zu machen. Es sei denn, man baut eine "Picture Perfect Pyramid".
So nennt der Filmemacher Johann Lurf das Gebäude in Sichtweite der SCS, das ein Hotel, ein Tagungszentrum und eine Wellnesslandschaft enthält. Eine Pyramide, wie für Fotos gemacht. So erscheint sie auch in seinem gleichnamigen Film aus dem Jahr 2013, einer fünf Minuten langen Umkreisung dieses "Landmark"-Gebäudes, das hier manchmal wie ein gelandetes Raumschiff wirkt, ein Fremdkörper in einer Landschaft, die durch die Pyramide insgesamt verfremdet wird.

(Bert Rebhandl, In: Der Standard, 7.11.2014)


Eine Ortserkundung: In gegenläufigen Spiralen umkreist Johann Lurf die Pyramide Vösendorf, ein ehemaliges Erlebnisbad und nunmehriges Eventzentrum unweit von Wien. Fokussiert auf den architektonischen Fremdkörper, vermisst Lurf die umliegende vorurbane Brache in gewohnt strenger formaler Stringenz: 24 Positionen, aufgenommen einmal pro Stunde, verteilt über einen ganzen Tag. Wenn es Nacht wird über deiner Stadt …

(Katalogtext Diagonale 2014)


Mit viel Geduld und einer 16mm-Kamera gelingt es Lurf, diesen Ort als magische Randerscheinung einer entzauberten Industriezone zu zeigen. Im Schneegestöber leuchtet die Pyramide wie ein fremdartiger Kristall (…) Dass Picture Perfect Pyramid auch eine strenge Versuchsanordnung ist, kann man zur Kenntnis nehmen – muss es aber nicht wissen, um seine elegische Schönheit zu lieben.

(Maya McKechneay, orf.at)

Ein Film von:
- Johann Lurf

Kategorie:
- Avantgarde/Kunst

Orig.Spr.:
- Kein Dialog

Available Prints:
- 16 mm

Preis: 30 EUR

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