Online-Katalog / Andrina Mracnikar :

Andri 1924-1944
AT / 2003
19 min.

Wie erzählt man eine Geschichte, die man nur vom Hörensagen kennt? Eine Geschichte, die nicht aufgeschrieben wurde, von der es kaum Bilder gibt. Eine Lebensgeschichte, die nach 20 Jahren mit einer Ermordung endet und nur in vereinzelten, stellenweise verblassten und hier und da nachgefärbten Erinnerungen weiterlebt. Die Räume dazwischen sind weiße Flecken auf fragmentarischen historischen Landkarten - Projektionsflächen für schlüssig wirkende Fortschreibungen und persönliches Befinden. Andrina Mraçnikar hat die Geschichte von Andri, dem Bruder ihrer Großmutter, in ihrer Kindheit aufgelesen wie Teile eines großen unvollständigen Mythen-Puzzles, in dem auch Hitler, Jesus und Schneewittchen ihren Platz einnahmen. Andri, der von der Gestapo gesuchte Deserteur und im November 1944 hingerichtete Partisan, spielte die Rolle des Helden. Und die Partisanenlieder der Kärntner Slowenen bildeten den persönlichen Soundtrack.
Ein halbes Jahrhundert später nimmt Andrina Mraçnikar die Puzzle-Teile wieder auf und legt sie zusammen - und zwar nicht, um daraus ein historisch vollständiges Bild zu rekonstruieren, sondern um im klug arrangierten Ineinandergreifen von Motivumrissen und Leerräumen den Prozess der Geschichtsbildung zur Entfaltung zu bringen.
Statt die von der unprätentiös sinnierenden Erzählstimme der Filmemacherin erörterten Sachverhalte zu illustrieren, folgt der Kamerablick den filigranen Spuren, welche das Ensemble aus Erinnerungen, Assoziationen und vagen Mutmaßungen in die unbefleckt erscheinenden Landschaftsbilder der Gegenwart zeichnet. Diese Spuren führen in Andri 1924-1944 nicht zu Lichtungen, die vergangenes Geschehen als vollendete Tatsache zur Ansicht bringen. Vielmehr verdichten sie sich zu jener feinmaschigen Textur aus Konkretem und Erahntem, als welche sich Vergangenheit in der Wahrnehmung der Rückblickenden fortschreibt.

(Robert Buchschwenter)


Das stärkste Mittel der Narration ist die Stimme der Regisseurin, die sanft anklagt, gleichzeitig aber alles Gesprochene auf das Eine reduziert: Die Trauer, ihren Großonkel nie getroffen zu haben. Die zeitliche Barriere zwischen Andrina Mračnikar, der Filmemacherin, und Andrina, dem Mädchen, das mit 2 schon das Wort Nazi kannte, fällt, und der Verlust, der durch die Zeiten währt, wird deutlich.

(Thomas Taborsky, In: Videofreak)

Ein Film von:
- Andrina Mracnikar

Kategorie:
- Essay

Orig.Spr.:
- Deutsch

Available Prints:
- Betacam SP PAL

Preis: 76 EUR

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