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my kingdom for a lullaby #2
AT / 2004
10 min.

Ums Rauschen gehe es in diesem Musikvideo, halten die KünstlerInnen fest - und: ums Rauschhafte. Das Wortspiel ergibt tatsächlich Sinn in My Kingdom for a Lullaby #2, passt zu einer Arbeit, in der elektronisch erzeugte Geräusche und Bilder auf durchaus sinnliche, wenn man will: rauschhafte Weise moduliert und verbunden werden.
Das "weiße Rauschen" verweist, als Begriff, auf Visuelles und Akustisches. Es ist ein Grundthema dieses Videos, einer abstrakten Arbeit, die genaues Hinsehen und -hören erfordert. Auf weißem Bildfeld tauchen, in zartem Grau, horizontale und vertikale Linien auf, die einander erst abwechseln, dann überlagern, verblassend, dann wieder verstärkt. Der Soundtrack spielt dabei keine untergeordnete Rolle, ist exakt gleich stark (und ebenso ungreifbar) wie die Bilder: Eine Komposition aus Knistern, Rauschen und Surren zeichnet sich ab, Musik aus dürren elektronischen Klängen und hochfrequenten "Störtönen". Die Grenzen zwischen Geräusch, Ton und Rhythmus sind hier fließend.
(Eine Art Wiegenlied, wie es der Titel vage zu verheißen scheint, ist dennoch mit freiem Ohr nicht auszumachen).

Abdunkelung und Aufhellung, Betonung und Abschwächung,
Erhöhung und Absenkung: Bild und Klang erproben, parallel und gegeneinander verschoben, mögliche Variationen und Färbungen. Gegen Ende hin erzittern die ins Bild gesetzten Linien wie die angeschlagenen Saiten eines Instruments: ein letzter ironischer Verweis aufs gegenständliche Bild, eine letzte Zuwendung aus dem Königreich der digitalen Abstraktion. Kingdom #2 tastet eine akustische und visuelle Grundausstattung ab, erkundet die Rohmaterialien dessen, was man leichthin Musik und Film nennt. Gefühl, Verstand, Bewegung, Ton: alles da. Der weiße Rausch benötigt weder Berg noch Drama, das Rauschen weiß alles.

(Stefan Grissemann)


Wie bereits bei My Kingdom for a Lullaby #4 setzt sich auch dieses Musikvideo mit dem Topos des Rauschens und des Rauschhaften auseinander. Anstatt mit einem Übermaß an Wahrnehmungsreizen zu arbeiten, wird diesmal allerdings der minimalistische Aspekt untersucht.

(Michaela Grill)

Ein Film von:
- Michaela Grill
- Billy Roisz

Kategorie:
- Avantgarde/Kunst

Orig.Spr.:
- Kein Dialog

Available Prints:
- Betacam SP PAL

Preis: 40 EUR

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Verleihbedingungen

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