Online-Katalog / Karø Goldt :

solo mit chor
AT / DE / 2004
6 min.

"Das Gesicht ist Landschaft."(Edgar Morin)
Das Gesicht wird langsam eingeblendet. Ein Frauengesicht in Großaufnahme: pastellkreidebleich, zur Mitte hin fast transparent, bis auf hellgraue Augen, die klar ins Leere blicken. Der Hintergrund: ein gläsernes, farbiges Schimmern.

Das Gesicht bleibt, sechs Minuten lang. Nur die Farben, fleckig aufgetragen, und die Lichtstimmungen wechseln - mit ihnen beginnt es scheinbar zu atmen. Trübungen nagen an den Konturen. Unschärfe und farbige Schleier lösen das Antlitz beinah auf. Wie ein Foto im Entwicklerbad kommt es immer wieder langsam zu sich, die Schattierungen verändern sich und die Augenfarbe wechselt kaum merklich. Die Grenze zwischen Wahrnehmung und Einbildung gerät beim Betrachten ins Fließen. Was hat man tatsächlich gesehen und was nur in das scheinbar ausdruckslose Gesicht hinein gelesen?

solo mit chor von Karø Goldt basiert wie frühere Arbeiten der Künstlerin auf Fotografien. rashim setzen dazu ein synthetisches Musikstück. Fernes Stimmengewirr lagert zwischen fragilen Melodien. Die statischen Fotos, diesmal zwei unterschiedliche Abzüge eines Selbstporträts, werden vor diesem musikalischen Hintergrund durch die Farbbearbeitung buchstäblich animiert. Das lässt - nicht nur wegen dessen Interesse an der Großaufnahme - ans frühe Kino denken: Ganze Sequenzen wurden damals monochrom getönt, um Stimmungen zu vermitteln oder eine zeitliche Orientierung zu geben. Und es erzeugt eine Art von Kuleshov-Effekt, den hier nicht der Schnitt und ein Zwischenbild, sondern die wechselnde audiovisuelle Färbung der zwei Selbstporträts erzeugt: mal vermeint man ein Lächeln, mal einen Ausdruck von Abwesenheit oder von Traurigkeit zu sehen.
"Das Gesicht ist zu einem Medium geworden." (Morin)

(Isabella Reicher)


Ausgehend von einem Selbstportrait, welches 1997 auf K/B-Color-Negativ aufgenommen wurde und 1998 im eigenen Farblabor in einer spezifischen Farbigkeit vergrössert wurde entstand dieser Film solo mit chor. Auch diesmal in enger Zusammenarbeit mit den Musikerinnen RASHIM.

Der Film versucht einer Erfahrung nachzugehen, welche ich als Teenager gemacht habe. Mir geht es in diesem Film darum, aus der Erinnerung heraus einen Zusatnd wieder herzuholen, der mich sehr geprägt hat und der nicht vergessen werden kann. Wie manches Erlebte im Inneren lauert.

Aus meiner Schilderung dieser Erinnerungen in einem Gespräch machte RASHIM die vorliegende Musik; daraufhin war es mir unmöglich den Fotofilm nicht zu machen.

In diesem Fotofilm geht es um eine Art des Alleinseins, des Gefühls von der Welt getrennt zu sein und trotzdem unter dem massiven Einfluss des Außen zu stehen. Auch wenn es sich um scheinbar nicht reale Einflüsse handelt. Beim Machen und Betrachten dieses Fotofilms fiel mir ein Zitatschnipsel von J. P. Sartre ein: "...die Hölle, das sind die Anderen..."

(K. G.)

Ein Film von:
- Karø Goldt

Kategorie:
- Avantgarde/Kunst

Orig.Spr.:
- Kein Dialog

Available Prints:
- MiniDV
- Betacam SP PAL

Preis: 30 EUR

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