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Das Sein und das Nichts
AT / LU / 2007
10 min.

Das Sein und das Nichts transformiert ein Musikstück ins Visuelle und beschäftigt sich mit der Position des Menschen in diesem Klanglichtspiel. Nach einem Prolog, in dem der Komponist und Dirigent Beat Furrer beim Beschaffen und Bearbeiten einer Schumann-Partitur gezeigt wird, ist die Aufführung des Stückes das Thema des Films: Während die Noten am Blick des Betrachters vorbeiziehen, erscheinen und verschwinden die Musiker des Klangforum Wien nach Maßgabe ihres akustischen Beitrags. So entsteht eine Choreographie der Töne, die Flüchtigkeit der Musik und ihre Unermesslichkeit wird in ein Ballett der Körper umgewandelt, das zwischen Präsenz und Abwesenheit die Instabilität des Seins als dialektisches Mikro-Spektakel feiert.
Die Lust am Klang produziert optische Wiedergänger, die - Notenköpfen gleich - über die Bildoberfläche huschen und die Komposition visuell rhythmisieren. Parallel zum Ausdünnen der musikalischen Textur werden im Finale auch die Bildeindrücke fragmentarischer: Ein Zucken am Rande der Wahrnehmung, ein nervöser Augenreiz, der sich schon halb im Unterbewussten ansiedelt. Bis am Schluss der Dirigent, der zuvor als Deus ex machina in den Hexenkessel der Töne hinein gefahren ist, den Applaus in einem White Cube entgegennimmt. Weißes Quadrat auf weißem Grund, vollendete Entdramatisierung der großen Erzählung, Nullpunkt der Klangproduktion.
Das An-sich-sein meint Sartre sinngemäß, ist veränderungsloses, unterschiedsloses reines Sein, eben die Seinsfülle ohne jede Negation.

(Thomas Mießgang)


Das Sein und das Nichts visualisiert eine phantastische Reise in das Innere der Partitur. Die Musiker erscheinen und verschwinden wie Noten und Klänge. Bady Minck hat der Musik einen virtuellen Raum gegeben - vielleicht spielt die zentrale Szene des Films im Kopf des Dirigenten und Komponisten, der wie ein Zauberer mittels Handzeichen die Musiker exterminiert...

(Martin Pieper)


Das Sein und das Nichts macht die Parameter der Entstehung von Musik filmisch sichtbar. Musik wird in Bilder gegossen - what you see is what you hear.
Der Dirigent fungiert als Dompteur der Zeit und als Herr über die Stille. Die einzelnen Musiker sind nur sichtbar in den extrem kurzen Zeiträumen, in denen sie spielen. Ihre Körper beginnen wie Noten auf einer filmisch visualisierten Partitur zu tanzen.

(Bady Minck)


Sie sehen was Sie hören in Bady Mincks visueller Umsetzung einer Original-Komposition von Beat Furrer. Der Dirigent Furrer erweist sich dabei als meisterlicher Dompteur von Zeit und Stille. Während die Dominanz der Musik über die Körper illustriert wird, verwandelt sich die Musik in ein lebendes Gemälde.

(Jason Buchanan, New York Times)


Ein von Beat Furrer dirigiertes Orchester spielt ein Stück von Schumann. Die Filmemacherin spielt ihrerseits mit Bildern wie mit Noten und lässt die MusikerInnen erscheinen und verschwinden, ganz nach ihrem musikalischen Beitrag. Visuelle Partitur oder Kammerspiel, die Performance ist bereichernd und verspielt — nicht schlecht wenn es um die Frage nach dem Sein und dem Nichts geht!

(Festival du Nouveau Cinéma de Montréal)


Die humorvolle, beinah auch didaktisch verwendbare Art, wie Bady Minck in Das Sein und das Nichts die Mitglieder des fulminanten Klangforums Wien und Beat Furrer am Pult auf der Leinwand digital verdoppelte und in einer belebten Partitur auf ihren jeweiligen Notenzeilen immer nur dann aufblitzen ließ, wenn sie Töne von sich gaben, zeigte einen verblüffenden Gegensatz zwischen der eher ruhig fließenden Musikstruktur einer kleinen Schumann-Hommage aus Furrers eigener Feder und jener optischen Hektik, die ja ebenfalls aus den Noten abgeleitet wird.

(Walter Weidringer, Die Presse, 03.11.2007)

Ein Film von:
- Bady Minck

Kategorie:
- Kurzspielfilm

Orig.Spr.:
- Kein Dialog

Available Prints:
- 35 mm

Preis: 40 EUR

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