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Gibellina - Il terremoto
AT / 2007
72 min.

Das sizilianische Städtchen Gibellina wurde 1968 von einem Erdbeben zerstört und erst Jahre später in einiger Entfernung vom ursprünglichen Ort wieder aufgebaut. Die Errichtung des neuen Gibellina war kein herkömmlicher Wiederaufbau, sondern getragen von einer engagierten Utopie der Erneuerung: gegen die traditionellen Kräfte aus Bürokratie, korrupter Politik und sizilianischer Mafia.
Dieser politischen Utopie ist Joerg Burger mit seinem komplexen Städteportrait Gibellina – Il terremoto auf der Spur, wenn er das gegenwärtige Leben in Gibellina Nuova konfrontiert mit den Ideen, die zu seiner Ausgestaltung geführt haben. Er lässt dazu Repräsentanten des Ortes zu Wort kommen (den Bürgermeister, den Apotheker, den Pfarrer, ...), montiert Archivmaterial aus verschiedenen Phasen der Ortsgeschichte und veranschaulicht mit zahlreichen präzise komponierten Ansichten die moderne Architektur, die reichlichen Kunstobjekte und die weiten, leeren Räume der neuen Stadt.
Burgers Erzählweise und sein insistierender, verschmitzter Blick erschließen immer wieder neue überraschende Perspektiven: Gibellina - Il terremoto macht deutlich, dass die intendierte Erfolgsstory einer unter künstlerischen Vorzeichen entworfenen Stadt sich mit den Jahren zum städtebaulichen Fiasko entwickelte. Gibellina scheint heute ein "Ort ohne Zentrum und ohne Seele" zu sein, fehl geplant und voller sozialer Probleme. In groteskem Kontrast steht deshalb die Fülle der Skulpturen im öffentlichen Raum (das "größte Freilichtmuseum moderner Kunst Europas") zum akuten Bevölkerungsschwund und zur offensichtlichen urbanen Desolation: Wie kaum ein anderer Ort verkörpert Gibellina die Widersprüche der Moderne und ist selbst zu einem Monument des Scheiterns geworden.

(Constantin Wulff)


Die Erinnerung an etwas zu behalten, sei zwar wichtig, meint der pensionierte Bürgermeister des kleinen Ortes Gibellina, doch ebenso wichtig sei es, diese zu verlieren, um Platz für etwas Neues zu schaffen und andere Wege gehen zu können. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum die Reste das alten Gibellina heute unter einer meterdicken Betondecke begraben sind, obwohl die Erinnerungen der Einwohner an ihre ehemalige Heimat nicht verschwunden sind. Ein Jahr nach dem großen Erdbeben, welches das kleine sizilianische Städtchen 1968 ereilte, trat Ludovico Corrao sein Amt an, um das völlig zerstörte Gibellina achtzehn Kilometer entfernt neu aufzubauen. Zu Beginn sieht man ein einziges Mal Archivaufnahmen des Unglücks, wie Rettungsmannschaften verletzte Menschen und ein paar Ziegen aus den Trümmern holen, die notdürftig errichtete Zeltstadt, die in Wolldecken gewickelten Überlebenden.
Das neue Gibellina gilt heute als größtes Freilichtmuseum Italiens, wenn nicht Europas: Seit den 70er Jahren haben hier unzählige Architekten verschiedene moderne Skulpuren in der Landschaft und mitten im Ort platziert, um dem Gedanken Corraos, dass «die Kunst der eigentliche Motor der Energie des Menschen» sei, Folge zu leisten. Doch die Freude darüber, dass mit dem Neubau sich die Möglichkeit auftat, feudale, von der lokalen Mafia geprägte Strukturen zu überwinden und Gibellina ein kulturell geprägtes Leben einzuhauchen, sollte - wie sich auch bei Joerg Burger bald herausstellt - zum Scheitern verurteilt sein. Entstanden ist ein Ort ohne Zentrum und ohne Seele, Gibellina ist knapp vierzig Jahre nach dem Erdbeben und seinem Neubau dem sozialen Verfall preisgegeben.
In langen Einstellungen richtet Burger die Kamera auf die vor diesem Hintergrund beinahe monströs wirkenden Bauten und Skulpturen, die keine Touristen anlocken, sondern wie stumme Zeugen vom Niedergang des Ortes künden. Die weiße Kugel-Kirche von Ludovica Quaroni ist wenige Tage nach ihrer Fertigstellung 1972 bereits wieder eine Baustelle. Über die Zukunft wächst hier bereits wieder hohes Gras. Aber in ihr hätte der Pfarrer ohnehin nie die Messe gelesen.

(Produktionstext)

Ein Film von:
- Joerg Burger

Kategorie:
- Dokumentarfilm

Orig.Spr.:
- Italienisch

Available Prints:
- Digital Betacam PAL
- 35 mm

Preis: 300 EUR

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Verleihbedingungen

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Film/Video Online:
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