Online-Katalog / Josef Dabernig :

Hotel Roccalba
AT / 2008
10 min.

Wo sie sich befinden, ist nicht so wichtig. Was sie gerade tun, eigentlich auch nicht. Der Ort - ein italienisch anmutendes Hotel, vermutlich höher gelegen - ist vor allem deshalb von Belang, als er eine Ordnung für eine ansteckende Stimmung vorgibt. Zwölf Personen sind hier in ihrer (Un-)Tätigkeit versunken und nehmen ihr Umfeld nur halbbewusst wahr. Zeit wird dehnbar, ein Zustand der Zerstreuung breitet sich aus, der die Handlung eigentümlich wattiert. Nur auf der Tonebene herrscht kontrastreiche Bewegung: Verdis "Simon Boccanegra" liegt auf dem Plattenteller, während aus einem Radio eine Fußball-Übertragung kontert. Josef Dabernigs Schwarzweißfilm Hotel Roccalba hat sich in einem Zwischenraum eingerichtet. Die Protagonisten stricken, reparieren ein Fahrrad, sie lesen liegend oder im Stehen, hacken Holz, schlürfen Espresso oder schminken sich. Einem, Dabernig spielt ihn selbst, werden die Haare geschoren.

Gerade weil alles so profan erscheint, liegt die Vermutung nahe, es könnte sich noch mehr hinter dem Tun verbergen. Jeder agiert für sich, und doch ist alles aufeinander ausgerichtet und wäre, für sich allein, nur halb so bedeutungsvoll. Was sich außerhalb von Situationen zuträgt, die Handlungen provozieren, der Intervall, in dem die Dinge ihr Wesen entblößen, hat Dabernig schon in früheren Arbeiten fasziniert: Diesmal entsteht aus dem Wechsel der scharf komponierten Einstellungen, die einzelne Personen und Handlungen isoliert zeigen, dann aber größere Ensembles erstellen, ein Kollektiv aus Einzeltätern. Hotel Roccalba ist aus drei Szenen gebaut, in denen kaum Interaktion geschieht, aber dennoch entspannte Aufmerksamkeit herrscht: ein Ort, an dem die Bedeutungen den Müßiggang pflegen.

(Dominik Kamalzadeh)


Sonntag Nachmittag im Hotel Roccalba: Handelt es sich um einen Ort der Altersversorgung, eine Erholungsanstalt oder schlicht um ein Hotel? Das Dasein einer 12-köpfigen Gruppe in der renovierungsbedürftigen Anlage lässt die Antwort offen.

(Produktionsnotiz)

Ein Film von:
- Josef Dabernig

Kategorie:
- Avantgarde/Kunst

Orig.Spr.:
- Kein Dialog

Available Prints:
- 35 mm

Preis: 40 EUR

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