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Paradise Later
AT / DE / ID / 2010
13 min.

Ein Zwinkern. Als müssten sich die Augen erst an das Licht gewöhnen, tauchen die Bilder aus dem gleißenden Weiß auf und verschwinden wieder – entziehen sich unserem (neu)gierigen, Besitz ergreifenden Blick. Während aus dem Off der Bericht eines Handelsvertreters an den Vorstand eines Unternehmens zu hören ist, der mit Fortdauer von Selbstzweifel und Anklagen geprägt ist, folgt die Kamera einem trägen Flußlauf am Rande einer tropischen Metropole. "Die Eroberung der Erde ist keine hübsche Sache, wenn man etwas genauer hinsieht." Die Uferböschungen sind von Müllbergen übersät, in denen Ziegen äsen, von den Ästen der Bäume hängt Unrat wie Lametta herab und unzählige Fastfood-Verpackungen treiben auf der Wasseroberfläche. Fischer werfen ihre Netze routiniert nach Verwertbaren oder Essbaren aus, vor armseligen Behausungen spielen Kinder im trüben Wasser. Die durch den Soundtrack unwirklich anmutende Atmosphäre bricht bisweilen auf, als versuchten sich die "realen" Geräusche und Stimmen der Umgebung gegen die Allmacht der Stimme zu wehren.

Indonesien zählt mit seiner Millionenbevölkerung zu den Hoffnungsmärkten eines zügellosen internationalen Kapitalismus. Im globalen Wettstreit um neue Produktionsstätten und Absatzmärkte ignorieren die kolonialistisch agierenden Konzerne soziale und ökologische Standards. In den Rand- und Zwischenzonen sich molochartig ausdehnender Metropolen leben daher immer mehr Menschen in größter Armut von den Abfällen der expandierenden Konsumgesellschaft. Die dokumentarischen Bilder des Kameramannes Victor Jaschke entsprechen nicht den bekannten Werbesujets paradiesischer Strände unter Palmen. Der verwendete Text ist ein Destillat aus Josef Conrads Herz der Finsternis von 1899, den Breuer aus dem Belgisch-Kongo des ausgehenden 19.Jahrhunderts ins Indonesien des 21.Jahrhunderts transferiert. Conrads Text bleibt aktuell – sowohl als politischer Kommentar, als auch in seinem monolithisch-logozentrischen Gestus, der sich mit einer überheblichen Arroganz über die ohnmächtigen Bilder zu legen scheint.
Paradise Later entwickelt einen verstörenden Sog, der im Aufeinandertreffen des literarischen Textes mit den bedächtigen Bildern des Elends ein eigenwilliges und ambivalentes globalisierungskritisches Plädoyer produziert: Apocalypse Now – Paradise Later!

(Gerald Weber)


Paradise Later ist eine dokumentarische Literaturverfilmung: Im Kopf eines Geschäftsreisenden befahren wir einen sich durch apokalyptische Landschaften schlängelnden Fluss. Ein Gedankenstrom reißt uns kurz in einen Strudel aus Anklage, Verurteilung und Selbstrichtung. Wir steigen kurz aus, hinein in eine Wirklichkeit. Der Blick öffnet sich für einen Augenblick. Doch unser Käptn steuert uns wahnhaft einem fatalen Ende entgegen.

(Produktionsnotiz)


...Aber die Eroberung der Erde ist keine hübsche Sache, wenn wir ein bisschen genauer hinsehen. Was das Ganze für uns erträglich macht, ist nur die Idee - eine Idee dahinter, kein sentimentaler Vorwand, sondern eine Idee; und ein selbstloser Glaube an die Idee - etwas woran man sich halten und vor dem man sich verneigen und dem man auch Opfer bringen kann...

(Filmzitat)


In seinem kurzen Essayfilm Film PARADISE LATER (2010, 14 min), der bereits im Wettbewerb der Berlinale 2010 Premiere feierte, beschäftigt sich Ascan Breuer mit den Nebenwirkungen der schnellen Entwicklung in der Megacity Jakarta: In den Rand- und Zwischenzonen sich molochartig ausdehnender Metropolen zeigt der Film die Menschen, die in größter Armut von den Abfällen der expandierenden Konsumgesellschaft leben.

Es sind diese aktuelle Themen, denen sich der Regisseur Ascan Breuer widmet: Wie überleben marginalisierte und unterdrückte Bevölkerungsschichten inmitten der Highspeed-Modernisierung, an der sie nicht Teil haben? Wie machen sie ihr Leben lebenswert? Welche Möglichkeiten der gesellschaftlichen Emanzipation gibt es? Wie können sie sich selbst organisieren? Und welche Rolle spielen Traditionen und Mythen in einer Gesellschaft, die schnell in die Moderne drängt? Seine Filme sind jedoch auch eine Spurensuche in seine eigene Vergangenheit, in die Heimat seiner Mutter: Indonesien.

(Goethe Institut: Indonesien)

Ein Film von:
- Ascan Breuer

Kategorie:
- Essay

Orig.Spr.:
- Deutsch/Englisch

Available Prints:
- 35 mm
- Digital Betacam PAL
- HDCAM
- Betacam SP PAL

Preis: 52 EUR

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Verleihbedingungen

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- Texte und Bilder
- Biographie: Ascan Breuer

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