Online-Katalog / Josef Dabernig :

excursus on fitness
AT / 2010
12 min.

Körperertüchtigung als merkwürdiges existenzielles Ballett: In excursus on fitness zeigt Josef Dabernig eine Gruppe von Menschen beim Verrichten von Turnübungen in einer Tanzhalle im dritten Wiener Bezirk. Schön schäbig ist der Schauplatz, famos freudlos die Stimmung, verstärkt noch durch die stumme Präsentation der Schwarzweißbilder: Die Trainingsteilnehmer sind in gleichförmige, wortlose Tätigkeit versunken - es herrscht Einsamkeit in der Gemeinsamkeit. Die Isolation wird von der Kadrage noch betont: Im Zentrum stehen gleichförmige, in sich versunkene Bewegungen, die Kompositionen sind meist so angeschnitten, dass die Figuren fragmentiert sind, mit anderen Personen oft ganz am Bildrand. Das Gleichmaß erzeugt ein Gefühl von Ritual und Leere: Zwischenschnitte auf durch die Hallenfenster aufgenommene Ansichten von Straßen, Fassaden und Bäumen gewinnen so eine Qualität, die fast an Ozu Yasujirôs berühmte "pillow shots" erinnern, jene Stillstandsstillleben zwischen den Szenen, in denen die Eindrücke einsinken.
Trotz der konstanten Bewegung entsteht bis zur abschließenden Übersichtstotale ein Empfinden der Erstarrung: Die zeitgemäße Fitnesscenter-Disziplinierung des Körpers als Form konditionierter Einsamkeit in geordneten Abläufen. Wie stets bei Dabernig mischt sich die Melancholie mit Ironie: Das rhythmisch (und gerade auch in der Verwendung verschiedener Spiegelbilder visuell) so sorgfältige Arrangement ist zugleich ein von strukturellen Kunstgriffen geprägtes Pokerface-Freundschaftspiel. Dabernig, Familie und Freunde fungieren als Darsteller, der Künstler selbst wird eminent erheiternd eingeführt - sein scheinbares ständiges Schulterzucken erweist sich als Hantelübung. Souverän überwacht wird die Übungsrunde vom Computersitzplatz aus von Otto Zitko, der zugleich auf dem Bildschirm ein Dokument studiert: Das Drehbuch zum Film, wie sich schließlich zeigt – wobei die Längenangabe nicht mit der Dauer von excursus on fitness übereinstimmt.


(Christoph Huber)


Sechs Darsteller mühen sich in bescheidenem Ambiente an einfachen Übungen. Es geht weniger um Leistung, als um ein existenzielles Verhältnis zum Körper per se. Das Miteinander und die Kommunikation friert in der tableau-artigen Inszenierung zur Geometrie der Gesten und Blicke.

(Produktionsnotiz)


Der Film excursus on fitness wurde anlässlich der Ausstellung "Josef Dabernig. Excursus on Fitness" in der MAK-Galerie (07.04.2010 - 12.09.2010) produziert.


Wem es in Excursus on Fitness gelingt, sich nicht von der raumfüllend-penetranten Omnipräsenz des Eso-Wohlfühl-Geplätschers des österreichischen Ambient-Artisten Gandalf betäuben zu lassen, kann sich von dem neu für die Ausstellung produzierten Film für das geheime Leben sensibilisieren lassen, das – trotz aller Fabrikneuheit – den rätselhaften Turngeräten innewohnt. Während der knapp zwölf schwarz-weißen Filmminuten entwickelt der Künstler ein Tableau des Gebrauchs, des Rituals, der Disziplinierung: In einem Fitnessstudio, von einem misslaunig dreinsehenden Trainer überwacht, wird uns eine Gruppe verschiedener Protagonisten beim ausdauernden Absolvieren sportlich-gymnastischer Übungen vorgestellt.
Die Kamera widmet sich dabei allerdings weniger den einzelnen Akteuren als der rituellen Spezifik jenes diszipliniert-sportlichen Tuns. Geradezu als Menschmaschinen erscheinen die Turner, die ihrerseits von ihren Sportartikeln, von der Gymnastikmatte über die Hantel bis hin zum Fahrrad, buchstäblich bedient werden. Ja, die bereits vom spezifischen Sportdress, wie es die Benutzung eines Hometrainers zu erfordern scheint, konditioniert sind. Die tonlos aufgezeichnete filmische Choreografie unheimlich spezifischer Tätigkeiten korreliert aber plötzlich mit der unbehaglichen Latenz, wie sie die Ausstellungssituation als Ganzes abstrahlt. Dieser Effekt trägt uns einmal mehr Josef Dabernigs sehr spezifischen Umgang mit den Registern des Skulpturalen und Installativen an, bei dem die Grenze zwischen Kunst und Leben, aber auch zwischen Bild und Wirklichkeit, bestürzend ungeklärt bleibt. Und vielleicht deshalb umso wirkungsvoller ist.

(Hans-Jürgen Hafner)

Ein Film von:
- Josef Dabernig

Kategorie:
- Avantgarde/Kunst

Orig.Spr.:
- Kein Dialog

Available Prints:
- Digital Betacam PAL

Preis: 48 EUR

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