The Achromatic Island

Tableau-artige, stark abstrahierte Bilder in Schwarzweiß beschreiben eine nicht näher definierte Insellandschaft: Wiesen, Wald, ein Steinbruch, Industrieanlagen, landwirtschaftliche Funktionsgebäude und Verkehrsarchitekturen. Die langen Kameraeinstellungen fokussieren auf Details, bis die Bildebene ins Panoramatische kippt, und den Horizont einer sanft hügeligen Landschaft freigibt. Die Aufnahmen nähern sich in ihrer Reduktion und Abstraktion der Ästhetik von Schwarzweißzeichnungen – einem Medium, dessen deskriptiver Qualität sich Thorsen in ihrer künstlerischen Arbeit immer wieder bedient.
Ein Voice-over skizziert die Bedingungen des Sehens von Achromatopsie-Betroffenen: einem Sehen in Abstufungen von Grau, bei dem Farbe eine Ahnung von Schattierungen ist, die auf Erzählungen von Farbigsehenden beruht – verbunden mit extremer Lichtempfindlichkeit und einer großen Seh-Unschärfe. Diese spezielle, vererbbare Form der Farbenblindheit tauchte auf der dänischen Insel Fur bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts gehäuft auf, bis die Insel sich durch die global veränderten strukturellen Bedingungen nach außen öffnete.
Sofie Thorsen transformiert die achromatope Sehweise in filmische Sujets: Überbelichtungen, Close-Ups oder Zooms verursachen Unschärfen im Sehfeld, verschwommene Ränder oder die Auflösung von Bildern in einzelne Punkte. Das Gleißen der Sonne, welches von den überbelichteten Ansichten reproduziert wird, beruhigt sich am Ende des Films in nachtschwarzen Bildern.

The Achromatic Island ist ein filmischer Essay, der die spezifische Topografie der Insel Fur zum Ausgangspunkt einer medienreflexiven Auseinandersetzung mit den Normierungen des Sehens nimmt und dabei nach den Figuren der Vermittlung durch technische Apparaturen fragt.
(Christina Nägele)

Eine zunächst undefinierte Landschaft in Schwarzweiß löst sich in gleißender Helligkeit bis zur Unkenntlichkeit auf. Was als Bildstörung anmutet, erweist sich als Annäherung an einen seltenen Sehdefekt: Achromatopsie, völlige Farbenblindheit bei gleichzeitig potenzierter Lichtsensibilität. Wie kann man zeigen, was sich nicht ausdrücken lässt, wie soll man Wahrnehmung anderer, filmisch artikulieren? Ein Film über das Sehen aber auch über die Grenzen der Sprache.

Orig. Titel
The Achromatic Island
Jahr
2010
Länder
Österreich, Dänemark
Länge
15 min
Kategorie
Essay
Orig. Sprache
Englisch
Credits
Regie
Sofie Thorsen
Drehbuch
Sofie Thorsen
Kamera
Hannes Böck
Schnitt
Sofie Thorsen, Hannes Böck
Sound Design
Lukas Böck
Stimme
Anne Kozeluh
Mit Unterstützung von
The Danish Arts Council
Verfügbare Formate
Digital File (prores, h264) (Distributionskopie)
Bildformat
16:9
Tonformat
Stereo
Farbformat
Farbe
Festivals (Auswahl)
2010
Copenhagen - cph:dox, Intl Documentary Film Festival
2011
Wien - VIS Vienna Independent Shorts
Seoul - EXis (Experimental Film- & Videofestival)
Zagreb - 25fps Film & Video Festival
Jihlava Documentary Film Festival
Kassel - Dokumentarfilm- & Videofest
Leeds - Int. FilmFestival
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films (Lobende Erwähnung Preis für Innovatives Kino)
2012
Osnabrück - EMAF - European Media Art Festival
Melbourne - Int. Film Festival
Zürich - VIDEOEXperimental
Nashville Film Festival
Lima - Peru Int. Short Film Festival