Online-Katalog / Björn Kämmerer :

TURRET
AT / 2011
10 min.

Die alte Idee, nach der nichts komplizierter sei als das scheinbar Simpelste, belegt TURRET mit Nachdruck. Die Tricks, die in diesem Film zur Anwendung kommen, sind – gerade weil sie so schlicht sind – auch bei mehrmaligem Sehen kaum zu durchschauen. Dabei zeigt er nur den ruhigen Tanz einer Reihe vertikaler Bildelemente, die sanfte Drehung heller Holzlatten in einem schwarzen Raum, die sich – manche verschwimmend, andere mit geradezu hyperrealistischer Schärfe – ohne erkennbares System unaufhörlich gegeneinander verschieben. TURRET ist, auch wenn der erste Blick das Gegenteil nahe legt, ein vollkommen gegenständlicher Film, allerdings farblich und motivisch derart reduziert, dass man leicht auf die Idee kommen könnte, ihn für abstrakt zu halten.
Auf fünf gleichmäßig rotierende Drehkreuze hat der Filmemacher je vier Fensterflügel montiert, deren fotografische Plastizität keinen Zweifel an ihrer physischen Wirklichkeit lässt: Man erkennt Rillen, Maserung, Altersspuren und kleine Verarbeitungsfehler im Holz. In TURRET werden optische Täuschungen inszeniert: Die Tiefe des Raums, in dem sich die Bewegungen der Objekte vollziehen, lässt sich erst nach und nach erahnen. Und der langsame, kaum wahrnehmbare Rückzug der Kamera macht schließlich Spiegelungen sichtbar, die das Fensterglas produziert. Zudem entsteht durch die sich vergrößernde Distanz zum Geschehen der Eindruck einer Entschleunigung. TURRET ist eine im CinemaScope-Format gehaltene Filmstudie zu Raum und Fläche, zu Licht und Bewegung, begleitet vom weißen Rauschen einer Mono-Tonspur. Die Arbeit steht in enger Verbindung mit Österreichs elektronischer Avantgarde und ist zugleich deren Antithese: als analoger, sehr konkreter Nachbau einer imaginären digitalen Abstraktion.

(Stefan Grissemann)


Die Auseinandersetzung mit architektonischen Ordnungen, deren Konstruktionen als Grundlage einseitiger Überwachungsstrukturen dienen, ist bei TURRET wie bereits in GYRE (2009) ein zentraler Fokus in meiner Arbeit. Das Fenster, welches im GYRE noch den Blick in den Innenraum der rotierenden Holzkonstruktion gewährte, soll in TURRET durch Bewegung, Reflexion und Überschneidung eine geschlossene Form erzeugen. Rotation und Licht werden die Transparenz von Glas auflösen und mehrere Körper im Laufbild miteinander verschmelzen. Gegenstand der Konstruktion sind fünf drehende Kreuze mit je vier Fensterflügeln, die unterschiedlich tief ineinander "verzahnt" sind.
Die homogen gestalteten Fensterkreuze, die aus alten gefunden, teilsvergrauten Material sind, drehen sich auf geschweißten Stativen um ihre zentralgelagerte Achse. Der Antrieb erfolgt über Getriebemotoren, die computergesteuert Dregdichtung und Geschwindigkeit manipulieren.
Das Bild wird durch die Fahrt der Kamera und der Entschleunigung der Drehung auf dem Zeitstrahl von 10:00 min generiert bzw. entzerrt. Die ersten Augenblicke von TURRET werden nur wage abstrakt geometrische Formen erkennen lassen. Bis auf zarte Lichtspiegelungen sind nur wenige Verweise auf Perspektive und Raum zu verorten. Die Frequenz und Anzahl der auf dem schwarzen Hintergrund auftauchenden weißen "Horizontalstreifen" erhöht sich mit der Vergrößerung des Blickwinkels.
Der zunehmende Abstand zwischen dem Blick und der "morphender Wand" lässt die Tiefe der Konstruktion erahnen. Durch das Entfernen der kamera entsteht der Eindruck einer verlangsamten Rotationsbewegung, welche die programmierten Motoren verstärken.

(Björn Kämmerer)

Ein Film von:
- Björn Kämmerer

Kategorie:
- Experimental

Orig.Spr.:
- Kein Dialog

Available Prints:
- 35 mm

Preis: 40 EUR

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Verleihbedingungen

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