Online-Katalog / Josef Dabernig :

Hypercrisis
AT / 2011
17 min.

Das ehemalige Erholungsheim der sowjetischen Filmschaffenden im Südkaukasus wurde umgewidmet und beherbergt nun Literaten. Auch das scheint nicht mehr optimal zu funktionieren. So findet sich gegenwärtig nur die Moskauer Nachwuchshoffnung aus der Zeit der Perestroika Boris Martow auf der Gästeliste.

Im verblassten Glanz der Anstalt für privilegierte Künstler versucht der Dichter seine anhaltende Schaffens- und Konzentrationskrise zu überwinden. Wenig Unterstützung kann ihm dabei das Personal des Hauses bieten. Insbesondere die höhergestellten Herren haben es sich wie die Maden im Speck eingerichtet. Sie scheinen primär eigenen Genüssen anstatt fremden Wünschen nachzukommen.

Dennoch wird eine gemeinsame Feier organisiert. Im Kinosaal der Anlage kommt es zum Showdown des Systems: Das indisponierte Publikum langweilt sich bei der Musikdarbietung der hochbegabten Zwillingsschwestern Arevshatyan und des Dichters Nervenkrise erreicht just während der Feierlichkeit einen neuen Tiefpunkt.

(Josef Dabernig)


Auch der Österreicher Josef Dabernig brachte eine ebenso kurze wie eindringliche Arbeit nach Venedig, die aus der Architektur genuin filmische Wirkung schlug: Der Raum gibt der Zeit im Kino erst ihre Tiefe. … Josef Dabernig legte mit Hypercrisis eine neue seiner lakonischen Schauplatzstudien vor – das Dokument eines Orts, der da zugleich als Bühne sonderbarer Inszenierungen fungiert. Nahe der armenischen Kleinstadt Dilijan fand Dabernig ein ehemaliges Sowjet-Künstlererholungsheim, in das er sein Ensemble schleuste (mit dabei: der Maler Otto Zitko) und mit ihm dort eine Reihe rätselhafter Rituale arrangierte. 17 Minuten lang wird in Hypercrisis spaziert, herumgelungert, vor allem aber gegessen, werden Knackwürste aus Töpfen gehoben und allerlei Gemüsevariationen verzehrt. Hypercrisis ist nicht zuletzt ein Akt der Konservierung sowjetischer Architektur: Die fantastische Location des Films wurde wenige Tage nach Ende der Dreharbeiten einem Umbau unterzogen und damit wohl unwiederbringlich zerstört. Das Kino hat die Macht, Vergehendes zu bewahren und seine schönen Einzelteile zu betonen: In Dabernigs Ennui-Komödien erscheinen Musik, Baukunst, Design und Schauspiel gleichrangig, kein Element überstrahlt das andere und allen und allem wird hier ironisch Gerechtigkeit getan.

(Stefan Grissemann)

Ein Film von:
- Josef Dabernig

Kategorie:
- Avantgarde/Kunst

Orig.Spr.:
- Kein Dialog

Available Prints:
- 35 mm

Preis: 68 EUR

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