Online-Katalog / Peter Schreiner :

FATA MORGANA
AT / 2012
140 min.

Wollte man den Umfang des Vorhabens von Peter Schreiners Fata Morgana in einem Satz ermessen, käme der Titel des ersten Teils von Martin Heideggers "Sein und Zeit" gerade recht: "Die Interpretation des Daseins auf die Zeitlichkeit und die Explikation der Zeit als des transzendentalen Horizontes der Frage nach dem Sein." Mit nicht weniger als der Frage nach dem Sinn von Sein nämlich, d.h. mit einer Frage, für die der aufgeklärten, säkularen Moderne das Verständnis fehlt, sind die drei Protagonisten des Films (Awad Elkish, Christian Schmidt, Giuliana Pachner) 140 Minuten lang beschäftigt.

Allerdings nicht im Sinn einer ontologischen Existenzialanalyse, sondern einer Versuchsanordnung, deren Parameter Schreiner gleich in der ersten Einstellung offenlegt. Sie zeigt die Protagonisten als drei Figuren in einer Landschaft. Awad Elkish ergreift das Wort: "Der Mensch musste einen Bezugspunkt oder einen Halt finden, und das ist schon ein kreativer Prozess." Der Satz ist weder an seine Mitspieler gerichtet noch an ihn selbst, er geht an der Kamera vorbei in ein unbestimmtes Nirgendwo dahinter, adressiert eine Stelle, an der der Regisseur sich befinden könnte, die Crew oder einfach die Fortsetzung der sichtbaren Landschaft – jene Wüste, deren Funktion für die Versuchsanordnung Awads nächste Äußerung klarstellt: "Der Raum ist ausgeräumt."

Tatsächlich könnten die ausgeräumten, verlassenen, leeren Räume geologischer und industrieller Wüsten in Fata Morgana als Sinnbild der Sinnsuche gelesen werden: In Heideggers Verständnis würden sie die zumindest räumliche Abkehr von jener uneigentlichen "Flucht des Daseins vor sich selbst" bezeichnen, das im Besorgen der Alltagsgeschäfte aufgeht. Der Lesart widerspricht, dass Kamera und Mikrofon unablässig die konkrete materielle Präsenz der leeren Räume betonen: Mag die Zeit der transzendentale Horizont sein für die Frage nach dem Sein, im Kino des Peter Schreiner kann diese nur gestellt werden im Hier und Jetzt des gelebten Augenblicks. (Vrääth Öhner)


Was wird von dieser Wüste bleiben?
Ich hasse meine Ängste. Aber wohin soll ich fliehen?
Wo ist der Ort, an dem ich bleiben kann?
Denken, ohne zu fühlen? Fühlen, ohne zu denken?
Mein Leben ist ein Haus am Rand der Wüste. Drin bin ich geborgen und gefangen.
Und Du bist da. Nah und doch fern, vertraut und doch fremd.
Und das, und alles, ersehnen und fürchten wir. Wir können nicht anders. Giuliana und Christian wohnen in diesem Haus, in mir, in meinem Leben. Giuliana: „…ich stelle mir die Seele so vor: ein Haus mit verschlossenen Türen, die man sehr vorsichtig öffnen muss…“
Christian: „…da gibt es etwas, das wir ergründen sollen. Doch ich bezweifle, ob man zufriedener ist, wenn man es ergründet hat…“
Ihre Wunden sind meine Wunden. Gefühl und Gedanke zugleich.
Und es wird keine Liebesgeschichte. Oder doch?
Soll ich anfangen, meine Ängste zu lieben?
Giuliana: „…vielleicht hat dieser Tod draußen, der schon viele vertrieben hat, auch unsere Gefühle vertrieben?...“
(Peter Schreiner)

-> Trailer on youtube


Ein Film von:
- Peter Schreiner

Kategorie:
- Essay

Orig.Spr.:
- Deutsch

Available Prints:
- DCP

Preis: 300 EUR

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