Online-Katalog / Siegfried A. Fruhauf :

STILL DISSOLUTION
AT / 2013
2 min.

Der Titel dieser Miniatur kündigt eine Reihe von Spannungen an, für die Siegfried A. Fruhauf eine neue Form gefunden hat: Still Dissolution vermisst das Verhältnis zwischen Fotografie und Film, Stillstand und Bewegung, Gestaltung und Auflösung, Jetzt und Dann, materieller Wirklichkeit und Illusion, und zwar im Wechselspiel von analogen und digitalen Bildtechniken.
Vier Farbabzüge vom Genre Urlaubsfoto werden einzeln abgefilmt und nebeneinander in einem Splitscreen angereiht. Sind die digitalen, hochauflösenden Filmaufnahmen innerhalb einer leicht vibrierenden, zunehmend pulsierenden Flickerkomposition einem ständigen Fort-Da-Spiel ausgesetzt, so unterläuft dieses wiederum die jeweils in den einzelnen Feldern dargestellte Bildbewegung, nämlich das langsame Verglühen des fotografischen, vorfilmischen Trägermatrials. Im Schmelzprozess entstehen eigentümlich lebend anmutende Blasen, Flecken und Schlieren, deren wechselnde Formen und Farben die fotografierten Meereslandschaften nach und nach auflösen. Am Ende erscheinen bewegte Diagramme aus einem medizinischen Bildgebungsverfahren, das den Herzschlag in vivo zeigt.
Damit vermisst der Film die künstlerische Position Hollis Framptons neu, der als "Metahistoriker" den Film dem Zeitalter der Maschinen zuordnete und die Geburt der amerikanischen Avantgarde mit dessen Obsoletwerden im Zeitalter des Radars assoziierte. Mehr als vierzig Jahre nach Framptons Nostalgia stellt Fruhauf an verbrennenden Fotografien die kinematographische Struktur zeitlicher Abläufe erneut in Frage. Ihm geht es aber weniger darum, das Verhältnis von Wort und Bild zu befragen, mit dem im Kino Gegenwart und Vergangenheit bestimmt werden: in Still Dissolution ist einzig Surren und rhythmisches Brummen zu hören. Der medienarchäologische Akzent liegt nun auf dem Brennen der Archive, deren technische Basis bekanntlich das Leben der Bilder wesentlich bestimmt.

(Christa Blümlinger)


Director´s Statement
Medien wie Fotografie – und später auch der Film – sind mitunter aus dem Wunsch hervorgegangen, einmalige Ereignisse festhalten und bewahren zu können. Der Grundgedanke mag seine Richtigkeit haben, aber die Erfahrung zeigt, Medien sind nur bedingt tauglich, den Moment des unendlich kleinen Punktes der Gegenwart festzuhalten. Vielmehr gelingt es ihnen, uns deutlich zu machen, dass es sich um eine Vergangenheit handelt. Sie stellen die Vergänglichkeit aus. Still Dissolution ist im Kreisen um diese Gedanken entstanden und hat über zehn Jahre gebraucht, um nun als kinematographische Miniatur eine Form für die Leinwand zu finden. Die fotografischen Erinnerungen werden mit der Hitze einer Gaslampe aufgetaut. Dieser Reanimationsversuch deformiert die Bilder und erzeugt geradezu organische Formen. Schließlich fängt das Bild Feuer und verglüht. Das prähistorische Licht der Flamme wandelt sich in ein Licht technischer Natur.

(Siegfried A. Fruhauf)


Welch virtuoser Horrorthriller! Fruhauf, Meister der Bilderauflösung, beginnt mit einem ruhigen Vierer-Splitscreen, auf und zwischen und hinter dessen idyllischer Meeresuferlandschaft sich die Ereignisse in exponentieller Manier zu überschlagen scheinen, bevor das Ganze schließlich auf schwarze und weiße Flimmerkader heruntergedimmt wird. Eine kongenial unheimlich vertonte Eiterbeule von einem Film, gegen den jede Seucheninfektions-Mittelmäßigkeit aus Hollywood mindestens 88 Minuten zu lang wirkt.

(Viennale Katalog 2013)

Ein Film von:
- Siegfried A. Fruhauf

Kategorie:
- Avantgarde/Kunst

Orig.Spr.:
- Kein Dialog

Available Prints:
- DCP 2K
- HDCAM

Preis: 30 EUR

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Verleihbedingungen

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- Biographie: Siegfried A. Fruhauf