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Riding my Tiger
AT / ID / 2014
40 min.

Der Filmemacher Ascan Breuer sucht nach einem Tigergeist, der im Haus seiner Vorfahren auf Java herumgespukt haben soll. Der Geist ist nicht ohne weiteres auffindbar, er will mit Ehrfurcht beschworen werden. Alsbald ranken sich verschiedene Geschichten um ihn, personifiziert als Figur des Großvaters, als Geist des alten Mannes im Garten, der Dieben und schlechten Handwerkern den Garaus macht, und er erinnert an die Widerstandskräfte gegen den niederländischen Kolonialismus und die Konflikte in der Zeit des Kalten Krieges.
Diese Suche verbindet einen autobiografischen und familiengeschichtlichen Erzählstrang mit einem historischen weltumspannenden Migrationsnarrativ. Doch ehe man sich versieht, materialisiert sich der Geist, beobachtet den suchenden Filmemacher, energetisiert die Bilder der Geschichte und wirkt auf die Gegenwart, huscht als Schatten durch den Garten und kommentiert als Schattentheater-Figur die komplexen Verstrickungen von Gegenwart und Vergangenheit.
In Riding my Tiger ist Ascan Breuer Hauptfigur, Regisseur und Autor. Mit Victor Jaschke an der Kamera als ‚Dokumentarisches Labor’-Duo erzählt er die Geschichte seiner javanisch-chinesischen Familie und verleiht ihr universellen Charakter. Zugleich amüsiert er sich aber auch über das Motiv der Identitätssuche, die eigentlich eine anmaßende Form des Eindringens ist, und die im Genre des ethnografisch dokumentarischen Films eine eigene Geschichte hat. Breuer interessiert hier weniger der Umgang mit dem dokumentarischen Stoff als vielmehr die Praxis eines tradierten mythischen Erzählens, die er in Anlehnung an den sogenannten "magischen Realismus" in der Literatur "magischen Dokumentarfilm" nennt. Dabei entsteht eine hybride und improvisierte Ästhetik. Das lässt die sichtbare Figur des Filmemachers zwielichtig erscheinen, aber als Filmprojekt karikiert es den Kulturkonflikt mit Mitteln der Kultur: mit dem javanischen Schattentheater "Wayang", eine tausende Jahre alte Vorführkunst, die die technische Apparatur des Kinos vorwegnahm. Gemeinsam mit dem javanischen "Dalang" Tardjono Wignyopranoto – Master of Ceremony des Wayangs – interpretiert Breuer diese Kunst für das Kino neu.

(Marie-Hélène Gutberlet)


Riding my Tiger ist die autobiographische Erforschung des Filmemachers seiner indonesisch-chinesischen Familiengeschichte, die mit der Kolonialgeschichte und den politischen Gräultaten der jüngeren Vergangenheit Indonesiens verknüpft wird. Der Tigergeist, der im Haus seines Großvaters auf Java leben soll und der die sehnsuchtsvolle Suche des Regisseurs auslöste, verwandelt sich im Laufe des Films in die (mythische) Stimme der Vergangenheit und wirft mithilfe des javanischen Schattentheaters "Wayang" - für den Film durch einen Wayang-Meister auf kunstvolle Weise neu interpretiert - einen Blick auf die Verstrickungen von Gegenwart und Vergangenheit, von westlicher und östicher Welt. Dem Film gelingt wunderbar, die unterschiedlichen Ebenen von Mythos, Magie und Faktizität zusammenzufügen und daraus eine Welt voller Poesie zu erschaffen.

(Outstanding Artist Award 2015 - Republik Österreich)

Ein Film von:
- Ascan Breuer

Kategorie:
- Dokumentarfilm

Orig.Spr.:
- Verschiedene

Available Prints:
- DCP - 2k
- DCP - 2k

Preis: 160 EUR

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