Online-Katalog / Florian Kindlinger / Peter Kutin :

E# - from a glacial tune
AT / 2014
20 min.

"Hör die Formen des Dunklen", hieß es einmal auf einer Platte von Peter Weibel, und so könnte auch das Motto des Audiofilms E# – from a glacial tune lauten. Ausgangspunkt ist die wahre Geschichte eines Bergsteigers, der sechs Tage in einer Gletscherspalte überlebte. Peter Kutin und Florian Kindlinger haben daraus kein dokumentarisches Narrativ gebaut, sondern setzen ganz auf mediale Transformation – ja, eine Art Re-Mediation, die sich primär im Akustischen abspielt. Eingangs wird man, in einer abrupt auftauchenden Sequenz, zu der es gegen Ende des Films einen Widerpart gibt, von grellem Licht geblendet: Zu hören ist lautes, rhythmisches Stapfen auf bedrohlich knirschendem Eis, während der Blick auf die umliegende Gletscherlandschaft bzw. direkt in die Sonne gerichtet ist. Dann, nach einem kurzen, erläuternden Textinsert, der Fall ins abgrundtiefe Dunkel. Langsam schälen sich erste Töne aus dem entropisch finsteren Umraum heraus, das Tropfen des Wassers, leises Fließen, bedächtige Bleep-Töne. Kutin und Kindlinger haben vor Ort, sprich in einer Gletscherspalte "field recordings" angefertigt, die Resonanzmuster eingefangen, die bei Aufnahmen in derart engen Räumen entstehen. Dieser Form-Werdung – der Klang reichert sich immer mehr an, wird zunehmend "resonanter" – korrespondiert die von Billy Roisz gestaltete Videopassage im Mittelteil des Films. Allmählich treten Konturen zutage, Umrisse von Eisbrocken und Gletscherwänden, die in der Folge den Roisz-typischen analogen Bildmisch-Verfahren unterzogen werden. Ein bizarres optisches Unbewusstes tut sich auf – als würde die Psyche des hier Gefangenen tief in die ersten und grundlegendsten Bildgebungsschichten hinabtauchen. Bis auch hier alles schwarz wird, während der Hörfilm langsam verglimmt und nur noch leises Windsäuseln zu vernehmen ist. Aber die Rettung naht, und am Ende platzt in E# ein überlebensgroßes, weißes Stroboskopgewitter auf. Was die zuvor ausgeloteten Formen des Dunklen nochmals doppelt zur Geltung bringt.

(Christian Höller)


Peter Kutin und Florian Kindlinger zeigen mit E# einen Teil aus ihrer Serie mehrkanaliger Ton-Bild-Kompositionen, die im Laufe der letzten drei Jahre entstanden sind und gerne als ´Hörfilm´ klassifiziert werden. Dabei werden vor allem die Grenzen der Dynamik, sowohl klanglich als auch bildlich (laut-leise, hell-dunkel), ausgelotet. Die Arbeiten werden den jeweilig gegebenen Raumverhältnissen angepasst. E# orientiert sich an der wahren Geschichte eines Bergsteigers, der sechs Tage lang in einer Gletscherspalte, also in völliger Dunkelheit, festsaß und überlebte. Die Konfrontation mit dem in derartigen Situationen erwachenden Unterbewusstsein, sowie der Kampf gegen den drohenden Schlaf erzählen Kutin und Kindlinger klanglich sehr eigenwillig: sie haben sich selbst in eine Gletscherspalte begeben und dort nach dem Konzept von Alvin Luciers Stück "I am sitting in a room" die Eigenresonanzen dieser Spalte hörbar gemacht, indem sie den Raumklang der Spalte immer wieder erneut aufgenommen und abgespielt haben, so lange bis alles Resonierte und jeglicher konkreter (zuweisbarer) Klang verschwunden war. Diese Verwandlung ist der klangliche "backbone" des Stückes. In E# geht es um Isolation, Kälte, das Unbewusste und Dunkelheit. Ein sogartiges Stück, das sich auf einen Menschen konzentriert bzw. jeden Zuhörer mit sich selbst konfrontiert. Ein wesentlicher Teil der Bildebene wurde hierbei von der Videokünstlerin und Musikerin Billy Roisz gestaltet.

(porgy.at)

Ein Film von:
- Florian Kindlinger
- Peter Kutin

Kategorie:
- Avantgarde/Kunst

Orig.Spr.:
- Kein Dialog

Available Prints:
- DCP - 2k

Preis: 80 EUR

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