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Die Beschaffenheit eines Astes
AT / 2014
8 min.

Der notorische Tod des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Ödön von Horváth (1901–1938) durch den herabstürzenden Ast einer Platane auf den Pariser Champs-Élysées ist der Ausgangspunkt für Jens Höffkens Kurzfilm Die Beschaffenheit eines Astes. In Form einer biographischen Spurensuche fängt der Regisseur die Atmosphäre des Hafens von Horváths Geburtsstadt Fiume (heute Rijeka/Kroatien) ein und stöbert durch die Hand einer Figur, die wie ein Archivar mit (roten) Handschuhen bekleidet ist, in einem Koffer, der Horváth-Fotografien zeigt. Sie erinnern an die Bilder von Halb- oder gar nicht Bekleideten, die in den Manteltaschen des toten Horváth gefunden wurden.

Horváth war ein Mystiker. Ein Wahrsager hatte ihm prophezeit, dass er in den ersten Junitagen des Jahres 1938 auf einer Reise „das größte Erlebnis seines Lebens“ haben werde. Aus Aberglauben benützte er deshalb u.a. keine Fahrstühle mehr. An seinem Todestag traf er sich noch mit dem deutsch-amerikanischen Regisseur Robert Siodmak, um über die Verfilmung seines Erfolgsromans Jugend ohne Gott (1937) zu sprechen. Das Angebot der Siodmaks, ihn mit dem Auto ins Hotel zurückzubringen, schlug er aus. Auf dem Heimweg zu Fuß ereignete sich dann das Unglück.

Höffken inszeniert in seinem Kurzfilm „Biographie, Werk, Anekdote“. Er bedient sich dabei vor allem dreier Figuren: der Élysée – einer Erfindung Höffkens, die an das Elysium, die Insel der Seligen der griechischen Mythologie, und an die elysischen Felder in Paris erinnert –, des Astes (in Form einer Unzahl von Baumaufnahmen) und der Figur Horváths, die aber nicht refiguriert wird, sondern die leere Mitte dieses lyrischen Kammerspiels abgibt. Die expressiven Bilder werden durch eine Erzählerstimme begleitet, die in einer poetisch-verdichteten, fast an Horváth erinnernden Sprache Leben und Werk des Autors evoziert.

(Nicole Streitler)


Ein Regisseur treibt auf einer Barke durch Ödön von Horváths Geburtsstadt Fiume, wo er Motive für einen biographischen Film über dessen Leben sammelt. Horváth wurde 1938, im Moment seiner ersten großen schriftstellerischen Erfolge, im Glückstaumel auf den Champs-Elysées von einem herabstürzenden Ast erschlagen. Während seiner Schifffahrt tritt der Regisseur in ein monologisches Gespräch mit der betörenden Figur Elysée, die sich fanatisch in alle ergründbaren Details des Pariser Todesmoments vertieft. Sie ist Horváth auf der Spur, detektivisch und leidenschaftlich. Und so wie Elysée den Fußstapfen Horváths folgt, folgt der Regisseur siner zunehmend verzehrten Elysée.

"Man kann eine Sekunde aufspreizen; man findet darin einen Lebensbolero, du weißt um die Kraft und den Katalysator des Moments. Du sagtest einmal Biographie, Werk, Anekdote. Eins, zwei, drei."

Der Film ist ein Text- und Bilderrausch, erschlagend und dicht an ausufernden Metaphern, die abwegige Gedanken und Phantasien rund um die Obsession des Horváthschen Todes stricken.

(Synopsis)

Ein Film von:
- Jens Höffken

Kategorie:
- Avantgarde/Kunst

Orig.Spr.:
- Deutsch

Available Prints:
- Digital File

Preis: 32 EUR

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