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Wenn es blendet, öffne die Augen
AT / 2014
75 min.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs verfallen große Teile der russischen Jugend den Drogen. 21 Jahre später sind Schanna und Ljoscha noch immer am Leben, zwei einander hassliebende, vor ihrer Zeit gealterte Veteranen der verlorenen „Generation Perestroika“.
Den (vorletzten?) Abschnitt ihres gemeinsamen Leidenswegs zeigt Ivette Löcker als dokumentarisches Kammerspiel, in dessen engen gestalterischen Grenzen und beengten räumlichen Verhältnissen – Ljoscha und seine Mutter bewohnen mit Schanna eine Sankt Petersburger Plattenbauwohnung – es nicht um eine Bestandsaufnahme der Dinge geht, die eine vergeudete Existenz ausmachen, sondern um die menschliche Errungenschaft der Sanftheit im Umgang miteinander.

Angesichts der Tatsachen ist diese aus dem Nichts zu kommen scheinende Sanftheit das große Rätsel von Wenn es blendet, öffne die Augen: Schannas besorgniserregender körperlicher Zustand, ihre selbstzerfleischende Redesucht, Ljoschas autodestruktive Co-Abhängigkeit, sein kaum zu ertragendes Warten auf einen Ausbruch, der nicht kommt.
Löckers Kamera registriert – und ist katalysatorische Kraft, die Ereignisse beeinflusst. Das Lamento der beiden Überlebenden über ein Leben, das nicht zu ändern ist – denn das hieße zu verlangen, die eigene Vergangenheit ändern zu können – wird zur dialogischen Selbstbefragung: Wie soll jemand, der innerhalb einer Welt lebt, die kein Außen hat, Begriffe finden für einen Zustand, der den Ereignishorizont des Körpers und der Sucht nicht überwindet?

(Georg Wasner)


Schanna und Ljoscha sind bereits seit Anfang der 1990er Jahre drogenabhängig, wie so viele der „Generation Post-Perestroika“. Doch Drogen und HIV-Infektion spielen im Film eine eher beiläufige Rolle. Mich interessiert vielmehr, was jenseits dieser oberflächlichen, aber durchaus bedrohlichen, „Normalität“ des Alltags ihr Leben ausmacht.

Im Laufe des Films werden die wechselseitigen Abhängigkeiten im familiären Beziehungsgefüge sichtbar. Jeder hält dem anderen einen Spiegel vor. Wovor du dich fürchtest, das wird eintreten, sagt Ljoschas Mutter Maria. Wovor du dich fürchtest, dem musst du ins Auge blicken, könnte Schannas Antwort sein, die mit unerschrockener Offenheit über den Tod spricht. Schannas und Ljoschas Haltung zum Leben ist nicht nur bitter. Sie haben sich, angesichts eines absehbaren Endes, ihre Lebensfreude, Neugier und ihren Humor erhalten; sie haben sich, angesichts ihres Lebensmuts, eine Option auf ihr Ende bewahrt.

(Ivette Löcker)

Ein Film von:
- Ivette Löcker

Kategorie:
- Dokumentarfilm

Orig.Spr.:
- Russisch

Available Prints:
- DCP - 2k

Preis: 400 EUR

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