Online-Katalog / Ludwig Wüst :

Abschied
AT / 2014
74 min.

Zwei Frauen, eher lose Bekannte denn echte Freundinnen, treffen einander in der Wohnung der einen, um über gegenseitige Hilfe in alltäglichen Verrichtungen übereinzukommen. Die eine wird den bevorstehenden runden Hochzeitstag der anderen fotografieren, diese bringt dafür Pläne für die Neugestaltung der Küche mit. In diesen Austausch bricht unvermutet eine längst vergangene Geschichte ein.

Abschied konfrontiert seine Protagonistinnen mit einem nicht verarbeiteten Verlust, dessen Erinnern ein Weitermachen im Normalen zwischenzeitlich verunmöglicht. Der Inhalt des Films bedingt seine Form, und so zieht sich der Fokus der Kamera zusammen wie die sprichwörtliche Schlinge um den Hals: Beinahe zwei Drittel der Filmlänge verharrt das Bild in einer einzigen Einstellung, in der ein kaum wahrnehmbarer Zoom den Film- und Handlungsspielraum der Protagonistinnen beständig verengt.
Dass die beiden Frauen beim hölzernen Versuch, das Gespräch weiter voranzutreiben, in immer neuen Smalltalk-Sackgassen landen, nährt bereits frühzeitig den Verdacht drohender emotionaler Eskalation. Und tatsächlich genügt in diesem Szenario latenter Unruhe eine vermeintliche Nebensächlichkeit, um lang unterdrückte Erinnerungen an die Oberfläche zu holen – das Vergangene wird in einer schmerzhaften Nacherzählung wiederbelebt. Wenn sich das Kammerspiel alsdann in einem radikalen Wechsel des Blickregimes in die Außenwelt ausbreitet, korrespondieren (Überwachungs-)Aufnahmen von Straßenszenerien und Baustellenbrachen mit der vorherrschenden Atmosphäre von Isolation und Aus-der-Zeit-Treten. Die Nacht im Freien inmitten des Brachlandes wird zum Katalysator für die Protagonistin, um mit der eigenen Geschichte ins Reine zu kommen. Vergangenheitsbewältigung als strukturell komponierte filmische Versuchsanordnung. Konsequent, roh, einnehmend. (Sebastian Höglinger)




Seit vielen Jahren beschäftigt mich die Idee, einen Spielfilm zu drehen, der zumindest formal ein Remake von Michael Snows Wavelength sein könnte (…) Dieser Film gehört seit vielen Jahren zu meinen fünf Favoriten (neben Home Improvements von Robert Frank, La jetée von Chris Marker, Maria von Aleksandr Sokurov etc.), die ich jedes Jahr im Filmmuseum sichte. Angelehnt an Wavelength erzählt Abschied geradezu physisch erfahrbar, wie Zeit vergeht, unaufhaltsam, unbarmherzig, (Ludwig Wüst)

heimat-film.net

Ein Film von:
- Ludwig Wüst

Kategorie:
- Fiktion

Orig.Spr.:
- Deutsch

Available Prints:
- DCP 2K

Preis: 300 EUR

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