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Into the Great White Open
AT / CA / 2015
16 min.

Ein Western könnte so heißen. Oder ein Abenteuerfilm. In der Tat: Into the Great White Open bewegt sich entlang von instabilen Grenzen, erkundet Übergänge. Verlässliche Begriffsterritorien – etwa abstrakt, etwa figurativ – lassen sich in den land- und soundscapes von Michaela Grill/Philip Jeck nicht beschreiten. Der Boden ist unsicher und schon die erste Einstellung ist trügerisch: Eine langsam dahingleitende Kamera blickt auf einen arktischen Meereshorizont, treibende Eisschollen schimmern im dämmrigen Zwielicht, aufgeregt huschen Möwen durchs Bild (nur sie bilden nahezu den ganzen Film hindurch die einzigen verlässlichen Begleiter). Bewegt sich die Kamera oder das Treibeis? Schmilzt dieses oder friert das Wasser? Und dann: Sind das Eisschollen oder Wolken? Positiv oder Negativ? William Turner oder Caspar David Friedrich?

Fast hätte man die ersten Minuten über den weiten Horizont hinaus, durch den Film hindurch, in das Whiteout der reinen Kontemplation gestarrt, da ändert sich die Strategie. Die Bilder werden schneller, unruhiger, flickern und zittern, schlagen zurück, öffnen den Blick auf Artefakte: Schneesturm oder Pixelsuppe? Und haben da nicht kurz alpenländische Bergformationen durchgeschimmert? Da kommt wenig später die längste Einstellung des Films gerade recht, in der eine Möwe sich aus einem abrollenden Eisberg und uns zurück ins Terrain abschmelzender Pole rettet. Der Boden ist unsicher.

Michaela Grill funkt Bilder von einem fremden Planeten, auf dem eine Reifenspur im Schnee ein verräterischer Skandal und die vorbeiziehenden Vögel des Menschen beste Freunde werden. Und in dessen audiovisuellen Ambienten sich ein neues Habitat finden lässt – irgendwo zwischen den wastelands J.G. Ballards und Lovecrafts Mountains of Madness. Richtung Delirium und zurück. Das Duell zwischen abstrakt und gegenständlich, zwischen hier und dort, zwischen fest und flüssig bleibt aus.

(Michael Palm)


Into the Great White Open ist eine Reise durch Eis und Schneeder kanadischen Arktis. Ich interessiere mich schon lange für die Abbildung vermeintlich leerer Landschaften und die Arktis stellt in diesem Zusammenhang eine besondere Herausforderung in ihrem strahlenden Weiß dar. Die gängigen Bilder in HD in ihrer Überschärfe kommen meinem Erlebnis der Natur nicht nahe und Malerei oder frühe Photografien von Entdeckungsreisen in ihrer Unschärfe entsprechen der Realität viel mehr. Die Verschwommenheit des Repräsentierten generiert keinen Mangel an Wahrnehmung, sondern einen Überschuss an Wahrnehmungsmöglichkeiten. In diesem Sinne habe ich mich der Landschaft genähert und auch versucht einen emotionalen und atmosphärischen Bogen zu spannen, der den Ablauf einer (Entdeckungs)reise wiederspiegelt.

(Michaela Grill)

Ein Film von:
- Michaela Grill

Kategorie:
- Avantgarde/Kunst

Orig.Spr.:
- Kein Dialog

Available Prints:
- DCP 2K

Preis: 64 EUR

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Verleihbedingungen

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