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dextro_v64.v59.v62.v63.v21
AT / 2014
7 min.

Den schmalen Grat zwischen Klarheit und Undurchdringlichkeit des Digitalen lotet die neue Videoreihe von dextro.org aus. Das Projekt des Grafikdesigners und Künstlers Walter Gorgosilits befasst sich seit Mitte der 1990er-Jahre mit generativen, auf mathematischen Formeln basierenden Bildern, zuletzt stark auf den HD-Bereich konzentriert. Im Mittelpunkt steht dabei das Verhältnis von rechnerischer Präzision und rational nicht einholbarem Affekt. Eigens verfasste Skripts generieren „nicht-gegenständliche Bewegungen“ (dextro), deren Erscheinungsbild zwischen Hypertransparenz und surrealer Schleierhaftigkeit changiert. Wobei nichts zufallsbestimmt ist, vielmehr suchen die algorithmischen Bildprozesse den direkten Draht zum optischen (und elektronischen) Unbewussten.
Im ersten Teil der Suite (v64) vermeint man Wellenformen, versponnen gezackte Fäden, ja hyperreal gekrümmte, folierte Oberflächen zu erkennen. Die rot-orange Einfärbung eines Teils des oszillatorischen Gewebes spricht unmittelbar das Affektzentrum im Gehirn an, die aus Michael Wysmierskis Film The Shining Code 2.0 abgeleitete Musik suggeriert eine ungeahnte Weite dahinter. Am Ende „blutet“ das wallende Bild gleichsam aus, subkutan wirkt sein organischer Unterstrom jedoch weiter. Formal reduzierter muten die mittleren drei Teile (v59, v62, v63) an, alle zu Soundminiaturen von Curd Duca produziert. Dabei reicht der anvisierte Effekt von milde verabreichter Hypnose über Eingesogen-Werden bis hin zu knarzendem Horror.
v21 schließlich widmet sich dem großen Ganzen in Form einer imaginierten Hingabe an das Nicht-mehr-Sein. In zwei doppelläufigen Bewegungen (Kontraktion/Beschleunigung vs. Ausdehnung/Verlangsamung) wird die mentale Dynamik jeglichen Auslöschungsgedankens eingefangen. Derweil vernimmt man zarte Echos der Beatles und des japanischen Musikers Suzukiski. Selten lagen Licht und Blindheit, Klarheit und Entsetzen, so nahe beieinander.
(Christian Höller)

wie allen algorithmisch generierten videos von dextro.org liegt auch diesen kein rationelles konzept zugrunde, sondern ein intuitives. das ziel ist, nicht-gegenstaendliche bewegungen zu erzeugen, die zwar komplex genug sind um das interesse des betrachters zu wecken, aber auch verstaendlich genug, um auf der ebene des unterbewusstseins etwas von den mathematischen regeln zu vermitteln, auf denen sie basieren.
alle videos sind mit nicht-linearen mathematischen scripts programmiert (urspruenglich mit "macromedia director", seit anfang dieses jahres mit "processing").
nicht-linear bedeutet in diesem fall nicht fraktal, nicht chaotisch, und schon gar nicht zufaellig, sondern bloss, dass sich die berechnungen jeder iteration auf die ergebnisse der vorigen beziehen.
der code ist zu komplex um ihn rationell erfassen zu koennen, darum ist bei seiner entstehung immer auch experimentieren im spiel. trotzdem beschreibt er am ende eine klar definierte mathematische situation. alles ist 100% reproduzierbar, nichts dem zufall ueberlassen.
(dextro.org)

Ein Film von:
- dextro.org

Kategorie:
- Experimental

Orig.Spr.:
- Kein Dialog

Available Prints:

Preis: 32 EUR

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Verleihbedingungen

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