Online-Katalog / Fiona Rukschcio :

Ein Prozess. Das Protokoll.
2015
10 min.

In Ein Prozess. Das Protokoll. wird der Ablauf eines als vermeintlich locker geplanten Abends unter Bekannten nacherzählt, der mit einer Vergewaltigung endete. Abwechselnd reiht Fiona Rukschcio fragmentarische Aussagen der jungen Frau und des Angeklagten aneinander, die nüchtern von Stimmen aus dem Off verlesen werden und die Geschehnisse jener Nacht Stück für Stück rekonstruieren. Die protokollierten Schilderungen klaffen dabei immer weiter auseinander, die Formulierungen des Angeklagten wirken wie einstudiert - und nicht zuletzt über dessen Ungerührtheit transportiert sich auch die emotionale Distanziertheit, die einem juristischen Prozedere innewohnt. Mittels Collagen, zusammengesetzt aus reduziert gehaltenen Schwarz-Weiß-Skizzen und unvollständigen Fotografien, wird die Tonspur übersetzt: Die Gesichter der fotografierten Körper sind weggeschnitten, so wird der Blick auf Mimik und emotionalen Ausdruck verwehrt. An den Erzählrhythmus der beiden Stimmen aus dem Off angepasst wird in die Collagen hineingezoomt, in der Bildmitte verweilt. Details rücken ins Zentrum, die mitunter in verpixelter Auflösung zu abstrakten Farbflächen verschwimmen, bevor der Wechsel der Erzählperspektive von der herauszoomenden Bewegung begleitet wird.
In dieser dokumentarischen Arbeit, die keine intakten Bilder liefert, dominiert das gesprochene Wort: ein körperlicher Übergriff wird für ein Gerichtsverfahren beschrieben. Die fehlende Sichtbarkeit der seelischen Gewaltausübung findet als blinder Fleck auf der visuellen Ebene ihre Entsprechung: Schwarzkader markieren Leerstellen, die sich in der Montage zwischen die verschiedenen Segmente schieben. Dem Umstand, einen Gewaltakt paragraphisch erfassen zu wollen, begegnet Fiona Rukschcios mit beklemmender Unschärfe. (Jana Koch)

Ein Film von:
- Fiona Rukschcio

Kategorie:
- Avantgarde/Kunst

Orig.Spr.:
- keine angaben

Available Prints:
- Digital File

Preis: 40 EUR

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Verleihbedingungen

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