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Paradies! Paradies!
AT / 2016
78 min.

Wien, Österreich. Eine Arztpraxis, zwei junge Männer als Patienten, der Arzt stellt die Tochter Kurdwin vor, die eine Reportage vorhabe über ihn und Kurdistan. So beginnt ein vielschichtiges soft-Melodram mit homevideo-Momenten: eine Familie und deren transnationale (Gefühls-)Ökonomien in Interaktion mit machtvollen kriegerischen Konflikten. Nächtliches Packen eines blauen Hartschalenkoffers. Im Schlafzimmer murmelt eine Gestalt unter der Bettdecke: "Wie lange sind wir schon verheiratet?"

Das fast leere Flugzeug landet mit filmender Tochter und strahlendem Vater in Erbil, Hauptstadt des kurdischen Autonomiegebietes im Nordirak. Eine Stadt, die in den letzten Jahren einen Immobilienboom sondergleichen erlebt und gelegentlich mit Dubai verglichen wird. Vater Omar, der mit Familie seit 1991 in Österreich lebt, plant eine Wohnung in Kurdistan zu erwerben, sei es als Wochenendsitz, als Investition, sei es als Alterssitz. Dies ist in der Familie weder unumstritten noch ist es wirklich erfolgreich. Die Regisseurin filmt als kritische und gelegentlich ironische Zeugin des fragilen Vorhabens mit präzisem Blick für Investitionslandschaften und Interieurs, wie für Geschlechter- und Familien-Konstellationen. Oft greift der Vater ein und inszeniert sich als gefühlvoller und stolzer kurdischer Patriot, voller abgründigem Zweckoptimismus. Die Kinder der Gastgeberfamilie – Tante, Onkel, Cousins und Cousinen, spielen mit der Regisseurin im plüschigen Heim Musikvideos nach oder wildes IS-Freitanzen. Familienspannungen eskalieren. Je deutlicher es wird, dass der Wohnungskauf seine Tücken hat, desto mehr zeigt sich wie nah und zwingend die militärischen Konflikte sind. Nun fotografiert Omar die Granaten-Einschüsse, rüstet mit neuem Elan sich und eine kleine Einheit von Peschmerga-Soldaten mit Uniformen aus, und dann besichtigen Vater und Tochter die nahe IS-Front. Wieder zuhause in Wien spielt Omar auf dem Rechner das Lied vom Auswandern der Geliebten und singt mit.

(Madeleine Bernstorff)



Diagonale – Preis Beste Bildgestaltung Dokumentarfilm 2015/16

Die Begründung der Jury:
„Der Preis für die beste Bildgestaltung geht an eine eigentliche One-Woman-Show: Für ihr Debüt, hat die Filmemacherin hinter der Kamera auch Regie geführt, als sie mit ihrem Vater von Wien nach Kurdistan gereist ist. Mit großer Beobachtungsgabe und dem Talent, am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein, fängt sie immer wieder intime Schlüsselmomente ein und beweist dabei auch den Mut, sich selbst preiszugeben. Ein packendes, tragikomisches Homemovie über den Sog des Heimwehs.“

Ein Film von:
- Kurdwin Ayub

Kategorie:
- Dokumentarfilm

Orig.Spr.:
- Deutsch

Available Prints:
- DCP - 2k

Preis: 300,00 EUR

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