Online-Katalog / Bernhard Hetzenauer :

La Sombra de un Dios
AT / DE / MX / 2017
20 min.

Selten gelingt es einem Film, dass wir nach seinem Konsum erfüllt und doch ratlos zurück bleiben. La sombra de un dios von Bernhard Hetzenauer gehört zu dieser Gattung von Werken. In ruhigen schwarz-weiß Einstellungen entwirft er eine ungeheuerlich scheinende Geschichte. Chon, ein Angehöriger des Volkes der Huichol in Mexiko, erzählt mit ruhiger Stimme von seinem Cousin Faustino, der nach dem gemeinsamen Konsum von Peyote plötzlich das Bewusstsein hatte ein Gott zu sein. Über eine fein komponierte Bilderfolge von grau schattierten, hügeligen Landschaften und dem stummen Gesicht des Erzählers legt der Regisseur einen Klangraum aus den Atmosphären des Ortes und der hypnotisierenden Stimme des Erzählers. Was dieser berichtet steht jedoch in einem äußersten Gegensatz zu der ruhigen Bildsprache. Faustino, der Gott, wie ihn auch Chon konsequent bezeichnet, bringt nach seiner Erweckung eine Gruppe von 40 Menschen in seine Kontrolle und richtet unter diesen ein Blutbad an. Dem Erzähler, dessen engste Verwandte zu den Opfern dieses Terrors gehören, gelingt die Flucht in die nächste Stadt. Von dort brechen Polizisten auf und töten schließlich den Gott.

"Durch den Peyotl überspringt man die Zeit", schreibt Antonin Artaud 1936, nachdem er zu den Tarahumaras in Mexiko aufgebrochen war. Diesen Einbruch von etwas Anderem, das nicht den Gesetzen des Raum – Zeitkontinuums folgt, stellt der Regisseur in diesem Film durch die Differenz zwischen der Erzählung, die keine Erklärung für dieses Ereignis liefert, und der schlüssigen Komposition von Bild und Ton dar. Der Riss zwischen der Schönheit der Bilder und dem Grauen des erzählten Geschehens lässt den Film an das Erhabene rühren. Von diesem sagt Longinus, dass "wo es am rechten Ort hervorbricht, (es) den ganzen Stoff wie ein plötzlich zuckender Blitz zerteilt." (Boris Manner)


Ein Mann verliert Familie und Freunde durch die Hand eines Gottes. Besser gesagt, durch die Hand eines anderen Mannes, der sich zum Gott erklärt hat und jeden metzelt, der das nicht kapieren will. Dass man so etwas auch ohne Reenactment höchst wirkungsvoll inszenieren kann, beweist Hetzenauer mit einem klug und klar komponierten, ruhigen und sehr berührenden Film. Er weiß eine aberwitzige und todtraurige Geschichte zu erzählen, vertraut dabei ganz auf die Präsenz seiner Protagonisten und gibt als Fußnote Erschütterndes über Fernsehnachrichten zu Protokoll. (Viennale 2017)

Ein Film von:
- Bernhard Hetzenauer

Kategorie:
- Dokumentarfilm

Orig.Spr.:
- Spanisch

Available Prints:
- DCP 2K

Preis: 80 EUR

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