Online-Katalog / Rainer Kohlberger :

more than everything
AT / DE / 2018
12 min.

In gewisser Weise ist das hier erarbeitete stereoskopische Bild aus abstrakter Information in Bewegung ein bemerkenswerter Test für die Wahrnehmung. Da es keine eindeutigen Körper im Raum gibt, findet auch keine Objektfixierung statt, unser habituelles Sehen wird der Unzulänglichkeit überführt. Gleich der erste Einschnitt – ein demonstrativ eingesetztes ubiquitäres Rauschen – lässt das bewegte Bild sich von der Leinwand abheben, es gibt keine Gebundenheit mehr an die Trägerfläche der Projektion, alle visuellen Daten vibrieren in einem bestimmten Abstand, einem Dazwischen. Während das narrative 3D-Kino die Differenzwahrnehmung von stabilem Hintergrund und herausgehobenen Tiefen der Körper voraussetzt, wird hier eine Emanzipation von der natürlichen Dingwahrnehmung vollzogen. Der ontologische Status dieses Stroms uneindeutiger visueller Materie liegt irgendwo zwischen Gas- und Wasserförmigem. Rainer Kohlberger programmiert beide Kanäle unterschiedlich, legt eine visuelle Inkohärenz an den Ursprung der Bilder, provoziert eine "binokulare Rivalität". Unser Wahrnehmungsapparat appliziert keine statistisch berechenbare Synthese mehr, erzeugt kein machtvolles Drittes (die "Tiefe"), sondern produziert, wie auch der Titel ankündigt, aus der strukturellen Ambivalenz ein unberechenbares "Mehr". Ein Mehr, das Unruhe erzeugt, selbst die geometrischen Figuren schaffen keine Gewissheit mehr für die Ordnung des Raumes. Alle Versuche, diese Bilder interpretativ zu fixieren, scheitern. Die Forderung nach einer einheitlich-kohärenten Form (des Nationalstaates, der Alltagsobjekte oder Bilder) wird abgewiesen mit dem Hinweis, dass Kohärenz stets eine Bereitschaft sein sollte, sich auf ein jedes auch noch so unbekannte, fremdartige Interregnum der Form einzulassen. (Marc Ries)


In more than everything lässt Rainer Kohlberger mittels stereoskopischer Technik zwei Bilder zu einem dritten fusionieren: Es beginnt mit einem pulsierenden Punkt, der sich ausdehnt, wieder zusammenschrumpft, in Drehung gerät. Schwarz-weiße Kontraktionen, blinkend wie ein Warnsignal. Die Rotation zieht größere Kreise, schwillt an, wird schneller und von synthetischem Sound begleitet. Die Ankerpunkte aus Licht beginnen sich zu teilen, gehen in wechselnden Farbtönen über in ein körniges Rauschen, das sich schließlich zu Wellen formiert. In zackigen Bahnen kapern sie die Leinwand, verändern die Form, entfalten immer neue Sogwirkungen. Ein stereoskopisches Experiment, das mit ausströmenden Bildern und Tönen die räumliche Wahrnehmung bestürmt und zur körperlichen Erfahrung wird. It´s more than everything. (Diagonale 2018, Jana Koch)

Ein Film von:
- Rainer Kohlberger

Kategorie:
- Avantgarde/Kunst

Orig.Spr.:
- Kein Dialog

Available Prints:
- DCP 2K

Preis: 56 EUR

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