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Paris Episoden
AT / 2018
23 min.

Paris Episoden beginnt mit einer Kritik an den Filmen Friedl vom Gröllers. Formuliert wird sie von David Sirois, den der Abspann schlicht als "Poète" vorstellt. Er sei mit großen Erwartungen in die Vorführung gegangen und genau deshalb manchmal enttäuscht und manchmal überrascht gewesen. Neben brillanten Momenten habe es auch solche der Langeweile gegeben, in denen die Dinge für den gemeinen Verstand zu lange gedauert hätten. Gleich darauf verbessert er sich zwar: Seine Kritik sei eine vorgetäuschte, die etwas als falsch behaupte, das in Wahrheit richtig wäre, außerdem sei die Idee, die Kritik des Films an den Anfang des Films zu stellen, ein mutiger Schritt. Am Ende kehrt die Sache mit der Langeweile jedoch wieder: Dreimal sei er eingeschlafen, behauptet Sirois, und Friedl hätte ihn jedes Mal wecken müssen, damit er den Rest des Films noch sieht.

Dabei sind die Portraits und fragmentarischen Stadtansichten, aus denen Paris Episoden besteht, alles andere als langweilig. Die Leute werden, gerne auch zu zweit, von der Kamera in selbstgewählten Situationen beim Reparieren von Super-8-Kameras, beim Herumalbern, in einer Kirche oder in privaten Umgebungen in den Blick genommen, manche von den Gefilmten kehren in mehreren Episoden wieder. Die Entwicklung, die auf diese Weise angedeutet wird, findet ihr Gegenstück in von der Gewohnheit abgeschliffenen Gesten oder auch in der Stasis politischer Verhältnisse: Eine etwas längere Sequenz des Films zeigt eine Demonstration gegen Abschiebungen samt der unvermeidlichen Präsenz des CRS.

Nach all dem ist es wohl nicht ganz verkehrt, die Kritik, die als einziges akustisches Ereignis den ansonsten stummen Film rahmt, als humorvoll und freundschaftlich zu bezeichnen. Wie das Bild verrät, ist sie jedenfalls dem Augenblick geschuldet: Es zeigt zunächst das von einer künstlichen Lichtquelle erhellte Gesicht von Sirois beim Sprechen (wenn auch nicht unbedingt synchron), danach die durchwegs freundlich lächelnden Gesichter weiterer Mitwirkender, und zwar in einer Situation, die stark an eine Filmvorführung bzw. an deren Ende erinnert. So als ob die Leute den Film, in dem sie auftreten, gerade gesehen hätten. Über die naheliegende Referenz zu Chronique d´un été (1960) von Jean Rouch und Edgar Morin hinaus gibt damit bereits die erste Episode eine Art Lektüreanweisung: Nicht auf die Episoden als jeweils abgeschlossene Einheit, sondern auf deren vielgestaltige Vernetzungen kommt es an. (Vrääth Öhner)

Ein Film von:
- Friedl vom Gröller

Kategorie:
- Experimental

Orig.Spr.:
- Englisch

Available Prints:
- 16 mm

Preis: 92,00 EUR

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Verleihbedingungen

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