043

Peter Weibel

Körperaktionen Bodyworks 1967 - 2003

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Die meisten KörperkünstlerInnen haben ihre Aktionen aus der Malerei, genauer gesagt dem Actionpainting, entwickelt und blieben ihr auch visuell und konzeptuell verhaftet. Meine Körperaktionen unterscheiden sich von den anderen Aktionen der 1960er-Jahre, z. B. in Wien und in Kalifornien, erstens durch ihren Medienbezug und zweitens durch ihren politischen Bezug. Schrift und Schreibmaschine, Fotografie, Film und Video sind die Medien und Apparate, die eine neue écriture corporelle ermöglichen, eine neue Körperpolitik, die auch Kritik der traditionellen Repräsentations- und Identitätspolitik ist. Das in den Aktionen und Videodokumenten entworfene Körperbild zeigt den Körper im Zeitalter seiner medialen und gentechnischen Konstruierbarkeit, nicht als Natur-, sondern als Kulturprodukt, z. B. in Genderfragen. Der Körper ist ein Alphabet, die Organe bilden seine Buchstaben. In Weiterführung von Antonin Artauds Unterscheidung zwischen Körper ohne Organe und Organe ohne Körper wird frühzeitig ein Körperbild formuliert, das erst später von der dekonstruktivistischen Philosophie, z. B. von Gilles Deleuze und Félix Guattari, theoretisch elaboriert wurde. Meine Körperaktionen interpretieren den Körper im Horizont der Übergangsobjekte (Donald Winnicott) und der Partialtriebe. Als Partisan der Partialtriebe habe ich nicht nur wie die klassischen Körperkünstler die Befreiung des Körpers, z. B. durch die sexuelle Revolution, gesucht. Meine Idee war vor allem die Befreiung vom Körper durch die Medien und die Technik. Die Befreiung vom Gefängnis des Körpers, vom Gefängnis der Gesellschaft, die den Körper kolonisiert und ihn als Geisel benutzt, war mein Ziel. Deswegen habe ich auch Körperaktionen zur Utopie des aufrechten Ganges gemacht, weil mit ihm der Mensch „zum ersten Freigelassenen der Schöpfung“ wurde (Johann Gottfried Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, 1784–1791). Mit meinen Körperkonfigurationen und -konstellationen beabsichtigte ich, die natürliche Morphologie der Wirbeltiere und ihrer Organe in einen logischen Kalkül von Variablen bzw. einen Verband von Operationen zu verwandeln, um den Menschen letztlich aus der Knechtschaft der Natur zu erheben, gerade durch die Befreiung vom Körper, der uns als purer Naturzustand scheint.
(Peter Weibel)

Booklet
Biographie

Künstler, Ausstellungskurator und Kunst- und Medientheoretiker.
Peter Weibel wurde 1944 in Odessa geboren, er studierte Literatur, Film, Mathematik, Medizin und Philosophie in Wien und Paris.
1976-81 Lektor für »Theorie der Form«; 1981-84 Gastprofessor für Gestaltungslehre und bildnerische Erziehung an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien; 1981 Gastprofessor am College of Art and Design in Halifax, Kanada; 1979/80 Gastprofessor für "Medienkunst"; 1981 Lektor für »Wahrnehmungstheorie«; 1982-85 Professor für Fotografie an der Gesamthochschule Kassel; 1984-89 Associate Professor for Video and Digital Arts, Center for Media Study, State University of New York at Buffalo, N.Y.; 1989-94 Direktor des Instituts für Neue Medien an der Städelschule in Frankfurt/Main; seit 1984 Professor für visuelle Mediengestaltung an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien; 1986-95 künstlerischer Berater der Ars Electronica in Linz; 1992-95 künstlerischer Leiter der Ars Electronica in Linz; 1993-99 Österreich-Kommissär der Biennale von Venedig; 1993-99 künstlerischer Leiter der Neuen Galerie am Landesmuseum Joanneum in Graz; seit 1999 Vorstand des Zentrums für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe.

peter-weibel.at

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Inhalt
1
1968
1 min
2
Nüstern
1969
1 min
3
Lüstern
1969
1 min
4
Augentexte
1974
1 min
5
Mundtext
1974
1 min
6
Stirntext
1974
1 min
7
Das Recht mit Füßn treten
1967/68
1 min
8
Lösung der Phantasie
1972
2 min
9
Wie hat sich aus den Fischen die Mathematik entwickelt
1971
1 min
10
Kunst und Revolution: Brandrede
1968
1 min
11
Fluidum und Eigentum: Körperverhältnisse als Eigentumsmaße
1972
3 min
12
Grüß Gott
1972
1 min
13
Kokain(e)
1972
2 min
14
Rekonstruktion der Stoppages-étalon (1913/14) von Marcel Duchamp
1971
1 min
15
1968
3 min
16
Vulkanologie der Emotionen
1971
7 min
17
Aktbesprechung oder Inverses Selbstporträt
1976
19 min
18
Switcher Sex
1972
5 min
19
Venus im Pelz
2003
4 min
20
Vers und Vernunft
1978
19 min
21
Aus der Mappe der Hundigkeit
1969
1 min
22
Zeitblut – Blutglocke
1972/79/83
16 min

Gesamtspieldauer: 91 min
Extra DVD: 20-seitige zweisprachige Broschüre Deutsch-Englisch