le matin

Der Morgen. Im gleißend weißen Rechteck fängt er an. Durchs Weiß flackern farbige Streifen. Quer durchs Bild gezogen, wandern die Linien vertikal auf und ab. Mal schneller, mal langsam. Zucken und hüpfen. Brodeln am Horizont. Prallen aufeinander und voneinander weg. Das Flackern generiert Nachbilder, Fata Morganen - sind das zwei, drei oder doch nur eine Horizontale, die sich da bewegen. Oder vibriert längst das Auge, hat zu lange ins Licht geschaut?

Le matin, das Video von Paul Divjak zu Bernhard Fleischmanns gleichnamigem Track, ist ein Spiel mit der Wahrnehmung und ein Lichtspiel. Warmes Licht. Gelb- und Orangetöne glosen wie Feuerlinien, lösen sich in fette Punkte auf. Rinnen ins Schwarz. Wie die Musik (die die Bilder dynamisiert - ohne Ton wirken sie ruhiger und weicher) vermitteln sie vor allem eine Stimmung, der der Titel einen (möglichen) Namen gibt: Der Morgen. Die Musik drängt vorwärts, während das Bild verrutscht und verwackelt. Noch nicht ganz da und schon wieder weiter. Eigentlich ist le matin von Hand gemacht. Ein manueller Bildsuchlauf durch die TV-Kanäle, die Musik im Ohr. Mit einer Videokamera aufgezeichnet, digital montiert und leicht nachbearbeitet. Manchmal formieren sich solcher Art kurz zarte Schemen: ein Gesicht, ein Fenster, jemand, der aus einem Zimmer geht. Aber sie verfestigen sich nicht, kommen nicht zu sich, sind trotzdem präsent. Wie Traumbilder, denen man nachhängt, wenn man aufwacht am Morgen.

(Isabella Reicher)

Orig. Titel
le matin
Jahr
2000
Land
Österreich
Länge
4 min 50 sek
Regie
Paul Divjak
Kategorie
Avantgarde/Kunst
Orig. Sprache
kein Dialog
Downloads
le matin (Bild)
Credits
Regie
Paul Divjak
Konzept & Realisation
Paul Divjak
Musik
Bernhard Fleischmann
Verfügbare Formate
Betacam SP (Distributionskopie)
Bildformat
4:3
Tonformat
Stereo
Bildfrequenz
25 fps
Festivals (Auswahl)
2000
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films
Helsinki - Avanto Media Art Festival
2002
Tokyo - Image Forum Festival
2004
Buenos Aires Festival Int. de Cine Independiente BAFICI