Asemie – die Unfähigkeit, sich durch Mienenspiel ausdrücken zu können

Wie der Vogel unter dem Wachs erlahmt, der stellvertretend das Drama der menschlichen Perspektive erleidet, so verhärtet sich auch die menschliche Motorik unter dem Wachs, erstarrt auch der Mensch zu einer leblosen Wachsfigur, die nichts mehr mitteilen kann, obgleich sie so viel mitteilen wollte. Der Mensch und der Vogel als Partner/Teile einer anthropomorphen Plastik, die Skulptur (die bildende Kunst) als Erstarrung der visuellen Ausdruckkraft (der menschlichen Kommunikation) demonstrieren in den Spannungen zwischen den Materialen: Vogel (Symbol der Phantasie und Freiheit), Wachs (Symbol der Leblosigkeit), Mensch, und in den Spannungen zwischen den Formen (Bewegung und Erstarrung) die Tragik der menschlichen Selbstdarstellung.

(VALIE EXPORT)


1977 schreibt VALIE EXPORT auf dem Erläuterungszettel zum Video in der Ausstellung Körpersplitter (Galerie Nächst St. Stephan Wien) zur Aktion u.a. als Materialangabe „lebender Vogel“, was ihr nach einem entsprechenden Bericht in der Kronenzeitung (Staberl), demzufolge sie mehrere lebendige Vögel mit flüssigem Wachs übergossen haben soll, bis diese erstickt seien, eine Klage wegen Tierquälerei einbringt.

Nach dem sie sich aber auf die Verfahren von Trick und Schnittechnik während der Erstellung des Bandes berufen kann, wird sie von der Schuld freigesprochen. Die Prozeßunterlagen sind im Archiv der Künstlerin vorhanden.

(valieexport.at)

Orig. Titel
Asemie – die Unfähigkeit, sich durch Mienenspiel ausdrücken zu können
Jahr
1973
Land
Österreich
Länge
7 min
Regie
VALIE EXPORT
Kategorie
Avantgarde/Kunst
Orig. Sprache
Kein Dialog
Credits
Regie
VALIE EXPORT
Verfügbare Formate
Digital File (prores, h264) (Distributionskopie)