New Hefei

New Hefei spielt in Hefei, dem politischen und wirtschaftlichen Zentrum der ostchinesischen Provinz Anhui. Die dicht besiedelte Universitäts- und Industriestadt, die bereits im Altertum zu den Verkehrsknotenpunkten Chinas zählte, durchlief in den letzten Jahren einen rasanten Wandel von einer der ärmsten Regionen zur neuen Wirtschaftssonderzone. In dieser Umgebung eines gesellschaftlichen aber auch städtebaulichen Auf- und Umbruchs siedelt Böck seinen Film an. Die ruhigen Schwarz/Weiß-Aufnahmen begleiten einen Jungen quer durch die Stadt, bis an deren Peripherie und weiter hinaus in die neu entstandenen Wohnsatelliten. Der Streifzug erinnert an das Motiv des Flaneurs: an jenes Sinnbild für das, wenn auch nicht mehr bürgerliche, so doch moderne Subjekt, das abgeschnitten von der eigenen Tradition die Entfremdung zur Welt verkörpert. Doch die Beziehung zur Stadt ist nicht allein von Isolation geprägt. Unterstützt von der Bewegung der Kamera, die dem Jungen folgt, ihn aus den Augen verliert, um ihn im nächsten Augenblick wieder einzufangen, wird die filmische Erkundung einer urbanen Moderne auch zu einer subjektiv, sinnlichen und in diesem Sinne widerständigen Annäherung an einen veränderten Lebensraum. Wie bereits in brd (2003) und ddr (2005), zwei filmischen Bestandsaufnahmen zur Nachkriegsmoderne Deutschlands, geht es auch in New Hefei um die konzentrierte Betrachtung von Architekturen. Diesmal aber wendet Böck eine Filmsprache an, die bis in einzelne Einstellungen hinein die visuelle Grammatik des Neorealismus, im speziellen Antonionis zitiert. Die scheinbar ziellose Bewegung des Jungen folgt einer präzise geplanten Abfolge von "vorkadrierten" Einstellungen, wodurch eine historische Parallelisierung des heutigen China zum "Wirtschaftswunder" der 60er Jahre erzeugt wird. Die Schwarzblenden, die jene Stellen markieren, an denen bei Antonioni Handlung einsetzt, strukturieren den Film nicht nur formal, sondern fragen gleichzeitig nach der hinter den Bildern liegenden, sich der reinen Darstellung entziehenden Erzählung.
(Rike Frank)


Ein Junge schlendert durch die Straßen einer Stadt. Sein stilles Umhertreiben eröffnet Einblicke in den urbanen Raum einer chinesischen Gegenwart, im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Prosperität und traditioneller Lebensweise. New Hefei erzählt eine Geschichte in Bildern, kommentarlos, wortlos und findet so ein konsequentes, filmisches Ausdrucksmittel für den zunehmenden Kommunikationsmangel in städtischen Metropolen.
(Produktionsnotiz)

Orig. Titel
New Hefei
Jahr
2008
Länder
Österreich, China
Länge
10 min
Regie
Hannes Böck
Kategorie
Kurzspielfilm
Orig. Sprache
kein Dialog
Downloads
New Hefei (Bild)
New Hefei (Bild)
New Hefei (Bild)
Credits
Regie
Hannes Böck
Drehbuch
Hannes Böck
Kamera
Hannes Böck
Schnitt
Hannes Böck
Darsteller*in
Du Vidar
Verfügbare Formate
Digital File (prores, h264) (Distributionskopie)
Bildformat
16:9
Tonformat
Stereo
Bildfrequenz
25 fps
Farbformat
s/w
Festivals (Auswahl)
2009
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films