Talleres Clandestinos

Juana, eine junge Bolivianerin, verlässt ihren Mann und ihr Kind, um im benachbarten Argentinien als Näherin Geld zu verdienen. Was sie die Mühsal der ausbeuterischen Werkstättenarbeit ertragen lässt, ist die Aussicht auf eine Rückkehr mit etwas Erspartem und die Begegnung mit ihrem Arbeitskollegen Juan, der sich zärtlich um sie sorgt.
Überschattet wird dieses kleine Glück durch den Besitzanspruch, den Juanas Arbeitgeber Ramon auf einige seiner Arbeiterinnen in Anspruch nimmt - was vor allem dessen Frau Esther mit großem Leid mitansehen muss. Als Juana jedoch erfährt, dass ihr kleiner Sohn schwer erkrankt ist und ihr nach einer nächtlichen Feier zur Flucht verhilft - sie aber im Gegenzug mit leeren Händen abreisen lässt.

(Produktionsnotiz)


Unglück im Glück. Gleich zu Beginn zieht die junge Bolivianerin Juana (Juana Salgueiro) das große Los und wird zusammen mit einigen anderen für Näharbeiten im benachbarten Argentinien ausgewählt. Doch zugleich erfährt sie, dass der Bus nach Buenos Aires ihr Baby samt Vater nicht mitnimmt. Es hilft nichts: Nach einer überstürzten Verabschiedung lässt Juana den Ehemann und das weinende Kind zurück.
Und in der Hauptstadt wird es nicht besser. In einem illegalen Textil-Arbeitsshop schuftet Juana täglich 16 Stunden an der Nähmaschine. Chef und Auftraggeber drangsalieren die Belegschaft: Achthundert schicke Kinderkleidchen wollen in kurzer Zeit zusammengeflickt sein, Markenklamotten, versteht sich. Sonst macht es eben jemand anderer. Geschlafen wird gleich in der Fabrik. Als Juana erfährt, dass ihr Kind erkrankt ist, steht sie vor der Wahl, entweder nach Hause zu fliehen und auf ihren ohnehin spärlichen Lohn zu verzichten oder sich weiterhin am Arbeitsstrich zu verdingen.
Talleres Clandestinos - "geheime Werkstätte" - ist ein Film über Menschen, die in der Wahl eigentlich keine Wahl haben. Die fröhlich dahinplätschernde Radiomusik, die im Workshop die verräterischen Nähmaschinengeräusche übertönen soll, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es hier um moderne Sklavenarbeit geht. Regisseurin Catalina Molina blickt illusionslos realistisch, aber empathisch auf ihre Protagonisten und deutet die drastische Ausbeutung vor allem in kleinen Gesten, intimen Momenten und in der Inszenierung an: Rastlosigkeit in Kameraführung und Montage kontrapunktiert die stereotype Näharbeit, Jump-Cuts erzählen von Monotonie und gestohlener Lebenszeit. Wenn am Schluss die Kamera die um alles betrogene Protagonistin verlässt und in die urbane Allgemeinheit wandert, erscheinen Forderungen nach Corporate Social Responsibility wie vom fremden Stern weit entfernter Unternehmensberater.

(Michael Palm)

Weitere Texte

Jury-Statement VILA DO CONDE 2010 (Preis (Auszeichnung))

AWARD:
Nomination for European Film Awards 2010


Statement of the Jury (International Competition):

Unfortunately, this kind of siuation can be reproduced in any country in the world. This film is a fiction but also a testimony that contributes to make us remember the sad reality that the poorest have to confront. A film with a wonderful actors' direction, centered in the profoundly human nature of the main characters. The Vila do Conde short film nominee for the European Film Awards 2010 goes to: Talleres Clandestinos by Catalina Molina

"Talleres Clandestinos" von Michael Palm (dt)

Unglück im Glück. Gleich zu Beginn zieht die junge Bolivianerin Juana (Juana Salgueiro) das große Los und wird zusammen mit einigen anderen für Näharbeiten im benachbarten Argentinien ausgewählt. Doch zugleich erfährt sie, dass der Bus nach Buenos Aires ihr Baby samt Vater nicht mitnimmt. Es hilft nichts: Nach einer überstürzten Verabschiedung lässt Juana den Ehemann und das weinende Kind zurück.
Und in der Hauptstadt wird es nicht besser. In einem illegalen Textil-Arbeitsshop schuftet Juana täglich 16 Stunden an der Nähmaschine. Chef und Auftraggeber drangsalieren die Belegschaft: Achthundert schicke Kinderkleidchen wollen in kurzer Zeit zusammengeflickt sein, Markenklamotten, versteht sich. Sonst macht es eben jemand anderer. Geschlafen wird gleich in der Fabrik. Als Juana erfährt, dass ihr Kind erkrankt ist, steht sie vor der Wahl, entweder nach Hause zu fliehen und auf ihren ohnehin spärlichen Lohn zu verzichten oder sich weiterhin am Arbeitsstrich zu verdingen.

Talleres Clandestinos – "geheime Werkstätte" – ist ein Film über Menschen, die in der Wahl eigentlich keine Wahl haben. Die fröhlich dahinplätschernde Radiomusik, die im Workshop die verräterischen Nähmaschinengeräusche übertönen soll, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es hier um moderne Sklavenarbeit geht. Regisseurin Catalina Molina blickt illusionslos realistisch, aber empathisch auf ihre Protagonisten und deutet die drastische Ausbeutung vor allem in kleinen Gesten, intimen Momenten und in der Inszenierung an: Rastlosigkeit in Kameraführung und Montage kontrapunktiert die stereotype Näharbeit, Jump-Cuts erzählen von Monotonie und gestohlener Lebenszeit. Wenn am Schluss die Kamera die um alles betrogene Protagonistin verlässt und in die urbane Allgemeinheit wandert, erscheinen Forderungen nach Corporate Social Responsibility wie vom fremden Stern weit entfernter Unternehmensberater.

Michael Palm
Orig. Titel
Talleres Clandestinos
Jahr
2010
Länder
Österreich, Argentinien
Länge
40 min
Kategorie
Kurzspielfilm
Orig. Sprache
Spanisch
Untertitel
Deutsch, Englisch
Credits
Regie
Catalina Molina
Drehbuch
Catalina Molina
Kamera
Klemens Hufnagl
Musik
Patrik Lerchmüller
Schnitt
Matthias Halibrand
Ton
Juan José Suárez
Sound Design
Ina Nokolow
Produktion
David Bohun
Darsteller*in
Juan José Choque, Sandra Rocha, Juana Salgueiro, David Bracamonte
Ausstattung
Carolina Mardones
Mit Unterstützung von
Innovative Film Austria
Verfügbare Formate
Digital File (prores, h264)
Festivals (Auswahl)
2010
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films (Lobende Erwähnung Jugendjury)
Hof - Internationale Filmtage
Vila do Conde - Festival Internacional de Curtas-Metragens (Nominierung für Europäischen Filmpreis 2010)
Salzburg - Film:Riss Kurzfilmfestival
Tallinn - Black Nights Film Festival
Leuven - Short Film Festival
Cork - Int. Film Festival
Koohnê - Ânûû-rû âboro Festival
European Film Academy (Nominiert in der Kategorie "Bester europäischer Kurzfilm 2010")
2011
Drama - International Short Film Festival
Bukarest - NexT International Short Film Festival
2013
Wien - FAK Int. Studenten Film Festival (Golden Bobby: Bestes Drehbuch, Beste Kamera, Beste Schauspielerin)
Dortmund / Köln - Internationales Frauenfilmfestival