PANORAMIS PARAMOUNT PARANORMAL. Three Times a Film

PANORAMIS PARAMOUNT PARANORMAL. Three Times a Film
PANORAMIS PARAMOUNT PARANORMAL. Three Times a Film
PANORAMIS PARAMOUNT PARANORMAL. Three Times a Film

Das Bild einer Massentanzszene in einem künstlichen Wald, tonlos und verlangsamt, verfolgt von einer durch den Raum gleitenden Kamera, kehrt in PANORAMIS PARAMOUNT PARANORMAL. Three Times a Film mehrfach wieder. Die Szene stammt aus Marcel Carnés surrealer Fantasie Juliette ou La clef des songes, die 1951 in den Filmateliers der Kleinstadt Saint-Maurice entstand. Zwischen 1913 und 1971 existierte nahe Paris jenes Studiogelände, in dem das Hollywood-Unternehmen Paramount zu Beginn der Tonfilmära einige Jahre lang verschiedensprachige Varianten derselben Inszenierung herstellen ließ. Heute findet sich dort vom Kino kaum noch eine Spur - eine Wohnhausanlage namens Le Panoramis hat die Filmproduktionsstätte ersetzt.

Um Vergangenheit und Gegenwart dieses Ortes geht es in PANORAMIS PARAMOUNT PARANORMAL, zugleich aber auch um viel mehr: Constanze Ruhm und Emilien Awada schlagen Risse in die Historie, um dahinter etwas sichtbar zu machen, denken das Geisterhafte ihres Schauplatzes (und der Filmgeschichte an sich) konsequent weiter, dehnen ihre poetische Forschungsarbeit auf die Natur der Erinnerung (und ihres Verlusts) sowie das ungreifbare Wesen dessen, was wir Schauspiel nennen, aus. Das Kino selbst, animalisch-naturhaft und rational-synthetisch, steht hier zur Disposition - als Reservoir unbewusster Energien, als Wachtraumphänomen und bewegtes Phantombild.
Ein Casting findet statt, für einen imaginären Film; man probt eine traumverlorene Szene, sprachlich und darstellerisch unaufgelöst zwischen Differenz und Wiederholung. Judith van der Werff und Caroline Peters führen die sehr verschiedenen Intensitäten ihres Spiels vor, das improvisiert "Reale" ebenso wie das präpariert "Vorgetäuschte". PANORAMIS PARAMOUNT PARANORMAL ist ein souverän orchestrierter Spuk, eine theoriegesättigte, psychoanalytisch getönte fact-based fiction, in der Prozessuales gegen Vollendetes, Text- gegen Bildarbeit, Gefundenes gegen Fabriziertes steht: ein Godardianischer Knoten, der nicht zu durchschlagen ist. (Stefan Grissemann)

Orig. Titel
PANORAMIS PARAMOUNT PARANORMAL
Jahr
2017
Länder
Österreich, Deutschland, Frankreich
Länge
55 min
Kategorie
Essay
Orig. Sprache
Verschiedene
Credits
Regie
Constanze Ruhm, Emilien Awada
Kamera
Emilien Awada
Ton
David Amsalem, Charles Grégoire
Schnitt
Emilien Awada
Script
Constanze Ruhm, Emilien Awada
DarstellerIn
Caroline Peters, Judith van der Werff, Frank Dehner, Laurent Lacotte
Produktion
Constanze Ruhm, Les Fées Prod. Paris
ProduzentIn
Sandrine Pillon, Lucille Portehaut
Mit Unterstützung von
Land Niederösterreich, BKA - innovative film
Verfügbare Formate
Digital File (prores, h264) (Distributionskopie)
DCP 2K
Bildformat
1:1,85
Tonformat
Stereo
Bildfrequenz
25 fps
Farbformat
Farbe, s/w
Festivals (Auswahl)
2017
Berlin - Transmediale (Festival for digital art)
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films