A Week with Azar

A Week with Azar
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A Week with Azar

Auf die Details der Geschichte sollte man achten, heißt es in A Week with Azar einmal. Das ist ein guter Hinweis, weil es in Tara Najd Ahmadis Kurzfilm um die Nuancen geht, mit denen das Politische ins Persönliche jäh hineinragt. Am 27. Januar 2017 erwirkte der neue US-Präsident Donald Trump seinen ersten "travel ban" gegen sieben mehrheitlich muslimische Länder. Betroffen davon war auch die iranisch-stämmige Azar, die junge Frau im Zentrum von Ahmadis Film. Sie konnte nicht mehr ausreisen, um ihre sterbenskranke Schwester zu besuchen. Ausreisen aus den USA in den Iran, wohlgemerkt. Das ist von großer Bedeutung, weil der Film raffiniert und mit überraschendem Effekt Perspektiven verschiebt.

Ahmadis Film behandelt die Nachwirkungen dieser Entscheidung in Form eines poetischen Tagebuchs, das Strategien von Foto-Roman, Dokumentarfilm und Essay vereint. Er erzählt von den Widersprüchen der Migration, indem er sich an eine subjektive Position hält. Die Bilder sind mehrheitlich assoziativ, und anders als die Heldin überwinden sie Räume, überschreiten Grenzen. Einmal mündet eine längere Fahrt über Gras an ein Monument.

Wichtig ist aber auch, wie Azar ihrer Unabhängigkeit Ausdruck verschafft. Sie bastelt einen mannshohen Papiermaché-Kopf, der für ihren Zorn einsteht. Ahmadis Montage arbeitet mit unterschiedlichen Frequenzen. Die Bildmaterialien wechseln, führen auch "auf die andere Seite", zu Sandstürmen im Iran. Genauso gewährt die Filmemacherin, dass Gedanken wandern, indem sie länger bei einem Bild verweilt. Wie bei dem einer Frau, die fast magisch über ein Seil balanciert.

Am nachhaltigsten bleibt vielleicht das Bild der Meereswellen in Erinnerung. Ob die Immigration wirklich ein Schritt vorwärts war, fragt sie aus dem Off. Keine einfache Frage. Wenn die Meeresbrandung in die falsche Richtung zurückschwappt, dann hat Ahmadi allerdings ein gültiges Bild dafür gefunden, dass es mit der Freiheit in diesen Zeiten eine vertrackte Sache ist. (Dominik Kamalzadeh)

Orig. Titel
Yek haefteh ba azar
Jahr
2018
Länder
Iran, Slowenien, USA
Länge
11 min
Kategorie
Experimental
Orig. Sprache
Englisch, Farsi
Untertitel
Englisch
Downloads
Credits
Regie
Tara Najd Ahmadi
Drehbuch
Tara Najd Ahmadi
ProduzentIn
Jurij Meden, Tara Najd Ahmadi
Mitwirkende/r
Azar Rahimi
Verfügbare Formate
Digital File (prores, h264) (Distributionskopie)
DCP 2K (Distributionskopie)
Bildformat
4:3
Tonformat
Stereo
Bildfrequenz
25 fps
Farbformat
Farbe, s/w
Festivals (Auswahl)
2018
Edinburgh - International Film Festival
2019
Bruxelles - Festival De Films ELLES TOURNENT
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films
Nijmegen - Go Short Film Festival