Donauspuren, digitale Weite und andere Dinge

Donauspuren, digitale Weite und andere Dinge
Donauspuren, digitale Weite und andere Dinge
Donauspuren, digitale Weite und andere Dinge

Drei Mädchen fahren auf Rollern ins Bild. Schauplatz ihrer Performance ist die Donaucity – ein neuer Stadtteil in Wien, wo seit Ende der 1990er-Jahre hochmoderne, verglaste Stahl-Beton-Bauten in die Höhe wachsen. Die Requisiten, mit denen die Performerinnen auf dieser öffentlichen „Bühne“ interagieren, stammen sowohl räumlich als auch zeitlich von einem anderen Ort an der Donau: einem mittelalterlichen Hafen, von dem man beim Bau der Landesgalerie in Krems Überreste – Holzpfeiler, Mühlsteine, ein Schwert, Münzen etc. –  gefunden hat.
In Donauspuren, digitale Weite und andere Dinge tauchen diese nun in Form von Abgüssen wieder auf, mit welchen die Performerinnen narrative, aber auch buchstäbliche Kreise ziehen: schließlich eignen sich die langen, biegbaren Stäbe, die Dertnig zuletzt auch für ihre Skulpturen verwendet hat, nicht nur als „klingende Kleider“, sondern auch sehr gut zum Zeichnen von riesigen Kreisen.
Ihre Markierungen auf der sogenannten „Donau-Platte“, sind Teil der Spuren, die sie in einer improvisierten, aber überaus harmonisch wirkenden Choreographie hinterlassen: „Wir bewegen uns hintereinander, du langsam und ich schnell. Ich biege nach links ab, du nach rechts. Trotzdem teilen wir denselben Weg“, heißt es gleich zu Beginn in dem die Bilder begleitenden, sehr poetischen Text.

Beschwört wird darin die Freundschaft dieser Digital Natives, für die die Schrittfolgen von Yvonne Rainer oder die zitierten Anweisungen von John Cage genauso wenig befremdlich sind, wie die spielerische Interaktionen mit einem Mühlstein. Wenn ihn eines der Mädchen irgendwann wie einen Pferdekopf „trägt“, macht ihre unverblümte Interaktion mit dem Objekt die Referenz an Franz West’sche Passstücke genauso unübersehbar, wie die Anleihen, die Carola Dertnig mit dem „Pferdekopf“ oder Schwert etwa auch an Joan Jonas nimmt. Auch sie fordert die BetrachterInnen heraus, indem Märchen auf Gegenwartskunst, Archäologie auf performatives Wissen, bewegte Körper auf eine starre Architektur sowie digitale Aufnahmen auf eine improvisierte Darstellung treffen. (Christa Benzer)

Orig. Titel
Donauspuren, digitale Weite und andere Dinge
Jahr
2020
Land
Österreich
Länge
5 min 30 sek
Kategorie
Experimental, Performance
Orig. Sprache
Englisch, Deutsch
Credits
Regie
Carola Dertnig
Drehbuch
Carola Dertnig, Amelie Schlögelhofer
Kamera
Katharina Cibulka
Schnitt
Katharina Cibulka
DarstellerIn
Flora Buchberger, Alma Brugger, Feli Dertnig
SprecherIn
Marie Themel
Mit Unterstützung von
Wien Kultur, Otto Mauer Fonds, Land Niederösterreich
Verfügbare Formate
DCP 2K (Distributionskopie)
Bildformat
16:9
Tonformat
Stereo
Farbformat
Farbe
Festivals (Auswahl)
2020
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films