Kriegsszenen

Zu Beginn wird ein Spiel aus Feldern & Markierungen, Gegenwart & Vergangenheit, Sichtbarkeit & Unsichtbarkeit in Gang gesetzt: Absperrgitter – und Bänder, eine Tribüne, ein Stück Wald, bereits eingeteilt in Territorien, verweisen auf das Innen & Außen des Feldes wie auch jedes Bildes. Wenn Mitglieder militärhistorischer Clubs auftauchen, um eine Schlacht der Roten Armee gegen die Wehmacht zu re-inszenieren, fallen der Gegenstand im Bild und die Verwendung der Bilder erneut ineinander: Das jährliche Herstellen dieses Kriegsschauplatzes ist der Versuch, mit maximalem Aufwand eine real anmutende Kriegsszenerie auf das leere Feld zu zaubern. Annja Krautgassers Film dokumentiert dieses Event und inszeniert es seinerseits: Das Arsenal an Waffen trifft auf ein Arsenal filmischer Mittel, Bild-Tropen, die uns aus Kriegsfilmen vertraut sind: Die Distanz der Kamera zum Geschehen; das Teleobjektiv; Schnitt/Gegenschnitt, der die Konfliktparteien aufeinander zusteuern lässt; der Schwenk mit den Jagdflugzeugen; der hektische Zoom. Das Feld wie die Leinwand müssen erst mit Realitätsmarkern des Krieges (Panzern und Uniformen, Schwenks und Zooms) befüllt werden.

Krautgasser intensiviert den Realitätseindruck dieser Inszenierung und macht gleichsam ihre Künstlichkeit sichtbar: Als Bewegungen des Ausschließens und Hervorhebens bestimmter Aspekte von Realität, die, je nach Gestaltung, eine friedliche Landschaft oder eben ein Schlachtfeld, 1944 oder eben die Gegenwart hervorbringen. Wenn die Filmemacherin am Ende auf der Tribüne sitzen bleibt, während alle anderen Zuschauer*innen das nun wieder leere Feld betreten, um die Patronenhülsen einzusammeln, steckt darin das grundlegende Paradox des Films, der Grund für das unheimliche Gefühl, das er hinterlässt: Das Erzeugen von Bildern des Krieges, um sich zu erinnern, ist auch das Herstellen des Krieges, der physische Spuren in der Landschaft hinterlässt, bis das Feld erneut bestellt werden kann, weil das Bild wieder leer ist. (Alejandro Bachmann)

Orig. Titel
Kriegsszenen
Jahr
2020
Land
Österreich
Länge
24 min
Kategorie
Dokumentarfilm
Orig. Sprache
Slowakisch
Untertitel
Englisch
Downloads
Credits
Regie
Annja Krautgasser, aka: [n:ja]
Drehbuch
Annja Krautgasser, aka: [n:ja]
Kamera
Martin Putz, Annja Krautgasser, aka: [n:ja]
Musik
Ink Spots
Schnitt
Annja Krautgasser, aka: [n:ja]
Sound Design
Ursula Winterauer
Tonmischung
Sebastian Meyer
Dramaturgische Beratung
Dariusz Kowalski
Farbkorrektur
Martin Putz
Produktion
Annja Krautgasser, aka: [n:ja]
Darsteller*in
Ida Ostravská
Mit Unterstützung von
Wien Kultur MA 7
Verfügbare Formate
DCP 2K flat (Distributionskopie)
Bildformat
1:1,85
Tonformat
Dolby 5.1.
Bildfrequenz
25 fps
Farbformat
Farbe
Digital File (prores, h264) (Distributionskopie)
Festivals (Auswahl)
2020
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films