Comparing Local Spectres (Version Originale 1/2). / Lokale Gespenster – Ein Vergleich.

Mit dem Übergang vom Stumm- zum Tonfilm fand zu Beginn der 1930 Jahre eine technische und ästhetische Revolution statt. Nach dem enormen Erfolg des ersten Tonfilms The Jazz Singer (USA 1930, Alan Crosland) versuchten die großen Hollywoodstudios, die Kinoindustrie den neuen technischen Möglichkeiten anzupassen. Beim Versuch der Eroberung internationaler Märkte stieß man jedoch auf schwer zu überwindende Sprachbarrieren, und die europäischen ZuschauerInnen lehnten (häufig sogar vehement) untertitelte oder synchronisierte Filme ab. Die amerikanische Filmproduktion Paramount eröffnete deshalb eine Dependance in der Nähe von Paris und übernahm 1930 die finanziell maroden Studios de Saint-Maurice, wo in der Folge eine Produktionspraxis entwickelt wurde, die gemeinhin als Fußnote der Filmgeschichte abgehandelt wird und heute beinahe in Vergessenheit geraten ist: nämlich die Herstellung sogenannter multiple version language films – mehrsprachige Versionen eines ursprünglich englischsprachigen Films. So sollten die europäischen Märkte für amerikanische Produktionen erschlossen werden. 


Zwischen 1930 und 1937 wurde in diesen Studios im 24-Stunden-Takt eine große Anzahl dieser Versionen-Filme hergestellt. Auf Grund der enormen Produktionskosten stellte man diese Praxis jedoch nach nur wenigen Jahren wieder ein. In diesen Filmen blieben Inszenierung, Dekors und häufig auch die NebendarstellerInnen gleich, während die Hauptfiguren entsprechend ihrer Muttersprachen besetzt und auch die Regisseure zumeist ausgetauscht wurden – mit wenigen Ausnahmen, wie etwa im Fall von G.W. Pabst, der in den Studios von Staaken und Halensee nahe Berlin den wohl berühmtesten multiple version language-Film in einer deutschen und in einer französischen Fassung realisierte – nämlich Die Dreigroschenoper nach Brecht/Weill.


Comparing Local Spectres ist ein Fragment, das im Zusammenhang mit den Recherchen zum Film PANORAMIS PARAMOUNT PARANORMAL (Constanze Ruhm, Emilien Awada 2015/17) entstanden, aber schließlich nicht in diesen eingegangen ist.  Im Versuch, die Geschichte des Pabst’schen Versionenfilms in den Blick zu nehmen, wird anhand einer Sequenz aus der filmischen Version der Dreigroschenoper, die in einer langen,  ununterbrochenen Kamerabewegung das alltägliche Leben der Frauen im Bordell darstellt, die deutsche mit der französischen Fassung verglichen – und zugleich wird die Frage gestellt, wie und ob es überhaupt möglich ist, einen Vergleich anzustellen. 


Comparing Local Spectres nimmt anhand der formalen und auch inhaltlichen Analyse dieser Sequenz auch in seiner Form das Motiv der Verdoppelung auf, um den Differenzen, aber auch den Ähnlichkeiten der beiden Fassungen auf die Spur zu kommen und in zwei ähnlichen und doch verschiedenen Versionen, die unmittelbar aufeinander folgen, eine Variation zum Thema zu entwerfen. (CR)

Orig. Titel
Comparing Local Spectres (Version Originale 1/2). / Lokale Gespenster – Ein Vergleich.
Jahr
2015
Land
Länge
18 min
Kategorie
nicht angegeben
Orig. Sprache
kein Dialog
Downloads
Filmstill (Bild)
Filmstill (Bild)
Credits
Regie
Constanze Ruhm, Emilien Awada
Schnitt
Constanze Ruhm, Franz Schubert
Sprecher*in
Judith van der Werff
Verfügbare Formate