The Electric Kiss

Was einst an der algorithmisch generierten Videoarbeit von Rainer Kohlberger neuartig, ja geradezu kurios erschien, wirkt heute - im Zeitalter von Augmented Reality, automatisierter Bildproduktion und benutzerfreundlicher künstlicher Intelligenz – erschreckend vorausschauend. Es ergibt also einen gewissen Sinn, dass Kohlberger mit The Electric Kiss versucht, sich mit unserer Gegenwart auseinanderzusetzen, indem er in die Zukunft zurückgeht.  

In Kohlbergers zweitem Film, den man als erzählungs-getrieben bezeichnen könnte, entwirft der Künstler eine dystopische Fiktion aus den Überbleibseln der Kinovergangenheit. Unter Verwendung von Ausschnitten aus obskuren Science-Fiction-Filmen stellt sich The Electric Kiss eine Welt vor, die der unseren nicht unähnlich ist und in der die Menschen ihre Gehirne an eine Art Neuro-Netzwerk anschließen, das das gesamte menschliche Bewusstsein miteinander verbindet. Während sich Cyberpunk-Bilder in VHS-Texturen mit Passagen prismatischen visuellen Rauschens abwechseln (das in typischer Manier durch das Einspeisen von Filmmaterial in selbst trainierte maschinelle Lernalgorithmen erreicht wird), entsteht eine Quasi-Handlung: Ein Mann in einem VR-Headset, buchstäblich und im übertragenen Sinne im Weltraum verloren, unterzieht sich einer mysteriösen Prozedur, um die negativen Auswirkungen dieser neuen Technologie auf den Geist zu lindern.  

Während sich immer weniger Filmemacher:innen mit den sozialen Medien und Themen der Vernetzung auseinandersetzen, hinterfragt Kohlberger nicht nur die Art und Weise, wie Bilder mit Wahrheitsvorstellungen verknüpft sind und diese beeinflussen, indem er genau die Technologien einsetzt, die für diese Entwicklungen verantwortlich sind, sondern nutzt sie auch, um Möglichkeiten des Geschichtenerzählens zu schaffen, die wiederum ein klareres Bild der Gegenwart vermitteln können. Mit anderen Worten, um eine Zeile aus dem Film zu klauen: "OK, es ist Fiktion, aber es bringt dich der Realität näher." (Jordan Cronk)

Orig. Titel
The Electric Kiss
Jahr
2024
Länder
Österreich, Deutschland
Länge
18 min
Kategorie
Experimental
Orig. Sprache
Kein Dialog
Untertitel
englische Textinserts
Downloads
TEK_web_01 (Bild)
Credits
Regie
Rainer Kohlberger
Konzept & Realisation
Rainer Kohlberger
Musik
Jung An Tagen
Mit Unterstützung von
BMKOES, SKE Fonds
Verfügbare Formate
DCP 2K flat (Distributionskopie)
Bildformat
1:1,85
Tonformat
5.1 surround
Bildfrequenz
24 fps
Farbformat
Farbe
Festivals (Auswahl)
2024
Linz - Crossing Europe Film Festival (CROSSING EUROPE Award – Local Artist)
Nijmegen - Go Short Film Festival
Dresden - Filmfest
Chicoutimi/Saguenay - REGARD sur le court métrage
Vilnius Film Festival - “Kino pavasaris”
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films
Rotterdam - Int. Filmfestival