Mâine Mă Duc - Tomorrow I Leave

Mâine Mă Duc - Tomorrow I Leave ist das einfühlsame Porträt einer Frau, die ständig jemanden zurücklassen muss. Denn Maria ist 24-Stunden-Betreuerin. Alle vier Wochen verlässt Maria ihr Dorf in Rumänien und fährt über tausend Kilometer, um in Österreich fremde Menschen zu pflegen.

Doch ihre eigenen alten Eltern müssen unterdessen alleine zurecht kommen. Ihrem Mann Daniel sitzen die eigenen Erinnerungen ans jahrelange Schuften im Ausland noch in den Knochen. Er hat jetzt den Haushalt übernommen. Ihre Söhne träumen unterdessen von einer ganz anderen Zukunft. Nach vier Wochen in Österreich kehrt Maria wieder zurück – bleiben kann sie nicht. Eines Tages möchte sie mit dem im Ausland verdienten Geld eine kleine Frühstückspension eröffnen, um nicht mehr fahren zu müssen.

Mâine Mă Duc - Tomorrow I Leave ist ein Film über die Wünsche und Träume von denen, die gehen und denjenigen, die zurückbleiben. Es ist ein Dilemma zwischen sozialem Aufstieg und familiärem Zusammenhalt in einem zerrissenen Europa. Was nimmt man in Kauf für ein gutes Leben? Mâine Mă Duc - Tomorrow I Leave ist in Film über eine rumänische Familie, in der immer jemand fehlt.

Maria Lisa Pichler & Lukas Schöffel

 

Was nimmt man in Kauf für ein gutes Leben? Maria arbeitet als 24-Stunden-Betreuerin in Wien. Ihre Familie in Ibănesti, einem Dorf in Rumänien, sieht sie nur jeden zweiten Monat. Ihre zwei Söhne wachsen teilweise ohne sie auf und ihre Eltern bräuchten eigentlich Hilfe. Maria Lisa Pichler und Lukas Schöffel beobachten unaufgeregt die Lebenswirklichkeit einer Arbeitsmigrantin. Die Filmemacher:innen fahren mit Maria im Auto nach Österreich und zurück, beobachten sie bei der Pflege einer Frau in Wien und verbringen den Alltag in Rumänien mit ihrer Familie. Der Film gleicht einer einzigen, dialektischen Parallelmontage, in der aus den abwechselnden Bildern von Arbeit im Ausland und zurückgelassenem Familienleben eine grassierende Ungleichheit erkennbar wird. Die hintereinanderstehenden Bilder der gepflegten österreichischen Frau und der rumänischen Eltern, die auf ihrem kleinen Hof arbeiten, hallen nach. Eine spielerische Szene, in der ein Freund des Sohnes von Maria Gleichaltrige filmt und sie nach den Wünschen für ihre berufliche Zukunft fragt, bringt das Dilemma in Europa auf den Punkt. Alle antworten mit ihren Traumberufen und dass sie diese gern in Rumänien ausüben würden. Als er aber fragt, was sie dazu bringen würde, ins Ausland zu gehen, antworten sie unisono mit „Geld“. Dort, wo dokumentarische Filme über Existenzen wie jene Marias oft emotional oder fatalistisch überschäumen, gelingt es Pichler und Schöffel eine unaufdringliche Nähe aufzubauen, die Intimität erzeugt. Maria wird dabei nie als passives Opfer gezeigt, sie erklärt und wehrt sich, demonstriert und kämpft. Eine wie beiläufig vor dem Familienhaus gefilmte Szene, in der ein Sohn Maria ankreidet, dass sie nie da ist, wirft die Frage auf, in welche Richtung das a se duce (gehen) des Titels gemeint ist: zum Geld oder zurück zur Familie. Für Maria stellt sich diese Frage jeden Monat von Neuem. (Patrick Holzapfel)

Orig. Titel
Mâine Mă Duc - Tomorrow I Leave
Jahr
2024
Land
Österreich
Länge
75 min
Kategorie
Dokumentarfilm
Orig. Sprache
Rumänisch, Deutsch
Untertitel
Deutsch, Englisch
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Credits
Regie
Maria Lisa Pichler, Lukas Schöffel
Kamera
Lukas Schöffel
Schnitt
Maria Lisa Pichler
Sound Design
Johannes Schmelzer-Ziringer
Tonmischung
Lenja Gathmann
Dramaturgische Beratung
Tizza Covi
Farbkorrektur
Lukas Schöffel
Mit Unterstützung von
Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport / Federal Ministry for Arts, Culture, the Civil Service and Sport, Wien Kultur MA 7, Cine Styria
Originalton
Maria Lisa Pichler
Verfügbare Formate
DCP 2K scope (Distributionskopie)
Bildformat
2 : 1
Tonformat
5.1 surround
Bildfrequenz
25 fps
Farbformat
Farbe